Mit craniosacraler Therapie und somatoemotionaler Tiefenentspannung zu mehr Lebensqualität.
Migräne – Ein globales Problem mit tiefgreifenden Auswirkungen
Migräne ist weit mehr als nur ein Kopfschmerz; sie ist eine komplexe und die häufigste neurologische Erkrankung, die weltweit Millionen Menschen in ihrem Alltag stark beeinträchtigt. Aktuelle Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: In Deutschland erfüllen laut der RKI BURDEN-Studie 2020 14,8% der Frauen und 6,0% der Männer die Kriterien für Migräne¹⁰, was etwa 8-12 Millionen Betroffenen entspricht. Darüber hinaus leiden 57,5% der Frauen und 44,4% der Männer mindestens einmal jährlich unter Kopfschmerzen. In Österreich sind rund 1 Million Menschen von Migräne betroffen¹¹, was bei etwa 9 Millionen Einwohnern zirka 11% der Bevölkerung ausmacht. Die Schweiz weist ähnliche Prävalenzraten auf. Trotz dieser hohen Zahlen schätzen Experten, dass bis zu 50% der Betroffenen noch nie ärztliche Hilfe in Anspruch genommen haben¹². Diese Situation führt zu erheblichen Herausforderungen im Gesundheitssystem und für die Betroffenen selbst, mit weitreichenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen durch Arbeitsausfälle und verminderte Lebensqualität.
Neurobiologische Prozesse und neurodegenerative Erkrankungen bei Reiner Schwope.
Migräne – Ein komplexes Zusammenspiel im Körper verstehen
Migräne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. Sie entsteht durch ein faszinierendes und zugleich herausforderndes Zusammenspiel verschiedener Faktoren in unserem Körper und Nervensystem. Die moderne Forschung zeigt uns: Genetische Veranlagung, neurobiologische Prozesse und psychisch-physische Einflüsse greifen wie Zahnräder ineinander. Insbesondere das trigeminovaskuläre System spielt eine zentrale Rolle: Es ist ein Netzwerk aus Nerven und Blutgefäßen, dessen Aktivierung die typischen Migränesymptome wie pulsierende Schmerzen und Sensibilität für Licht und Lärm auslöst¹.
Ein weiterer entscheidender Mechanismus ist die Cortical Spreading Depression (CSD), eine Welle von Nervenaktivität, die sich über die Hirnrinde ausbreitet und als Ursache für die Migräneaura gilt, aber auch zur Aktivierung des trigeminovaskulären Systems und damit zur Schmerzphase beitragen kann². Diese Prozesse sind oft mit Neurotransmitter-Dysbalancen verbunden; insbesondere Serotonin, dessen Spiegel während einer Migräneattacke schwanken, und das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), das als starker Vasodilatator und Schmerzmediator gilt und im Fokus vieler neuer Medikamente steht³.
Wenn wir verstehen, dass Migräne ein neurobiologisches Geschehen ist, das durch verschiedene Trigger ausgelöst werden kann – von Stress über Schlafmangel bis zu hormonellen Schwankungen – können wir auch nachvollziehen, warum ganzheitliche Ansätze so wirksam sind. Sie setzen an mehreren Ebenen gleichzeitig an: am Nervensystem, am muskulären System und an der emotionalen Regulation.
Die starke genetische Komponente und die Familienhäufung von Migräneattacken sind längst wissenschaftlich belegt⁴. Forschungen identifizieren zunehmend spezifische Genvarianten, die die Anfälligkeit erhöhen. Zudem trägt die Neuroplastizität des Gehirns dazu bei, dass sich bei chronischer Migräne ein „Schmerzgedächtnis“ entwickeln kann: Das Nervensystem wird überempfindlich und reagiert schon auf geringe Reize mit Schmerz. Dies unterstreicht die Notwendigkeit therapeutischer Ansätze, die die langfristige Umstrukturierung des Gehirns beeinflussen können⁵.
Moderne medizinische Bildgebung des menschlichen Gehirns und Nervensystems.
Wussten Sie? Das periaquäduktale Grau ist nicht nur für die Schmerzverarbeitung zuständig, sondern auch für unsere Stressreaktion und emotionale Verarbeitung – ein perfektes Beispiel für die Vernetzung von Körper und Psyche.
Besonders bemerkenswert ist die Rolle des periaquäduktalen Graus – einer kleinen, aber mächtigen Region im Mittelhirn. Diese etwa erbsengroße Struktur fungiert als unser körpereigenes Schmerzkontrollzentrum. Sie reguliert, wie wir Schmerzen wahrnehmen und verarbeiten. Bei Menschen mit Migräne zeigt diese Region häufig eine veränderte Aktivität, was die Anfälligkeit für Attacken erhöht.
Aktuelle Forschungsergebnisse erweitern unser Verständnis der Migräne ständig und zeigen, dass die craniosacrale Therapie mit ihrer sanften, aber tiefgreifenden Wirkung auf das Nervensystem und die körpereigenen Regulationsmechanismen hervorragend geeignet ist, um auf diese komplexen Zusammenhänge einzuwirken und den Körper in seiner Selbstregulation zu unterstützen⁶. Sie fördert die Balance im autonomen Nervensystem und kann somit die Sensibilisierung des Schmerzgedächtnisses positiv beeinflussen.
Migräne im Alltag – mehr als nur Kopfschmerz
„Es fühlt sich an wie Donner im Kopf“ – so beschreibt es eine Patientin. „Als würde man im Dunkeln treiben, ohne Orientierung, ohne Halt.“ Diese Schilderungen zeigen eindrücklich: Migräne ist keine Befindlichkeitsstörung, sondern eine ernsthafte Erkrankung, die das gesamte Leben durcheinanderbringen kann.
Anna, 35 Jahre alt, Mutter zweier Kinder und erfolgreiche Ingenieurin, kennt diese Momente nur zu gut. Nach einer stressigen Arbeitswoche – Deadlines, Meetings, zu wenig Schlaf – kündigt sich die Migräne an. Erst nur ein leichtes Flimmern vor den Augen, dann die vertraute Aura. „In diesen Momenten weiß ich: Jetzt wird mich die Migräne für die nächsten Stunden oder sogar Tage aus dem Leben reißen.“
„Die Migräne stellt immer wieder infrage, wer ich bin. Kann ich mich auf mich selbst verlassen? Kann ich für meine Familie da sein? Bin ich im Beruf belastbar genug?“
Diese existenziellen Fragen begleiten viele Migränepatient:innen. Die Erkrankung greift tief in den Lebensrhythmus ein, belastet Beziehungen und erschüttert das Selbstbild. Jede Planung steht unter Vorbehalt, jede Zusage könnte durch eine Attacke zunichte gemacht werden. Diese Unberechenbarkeit erzeugt einen chronischen Stress, der wiederum neue Migräneattacken begünstigen kann – ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt.
Frau mit grünen Laserlinien im Gesicht, Symbol für innovative Gesichtsbehandlungen und moderne Technologie bei Reiner Schwope.
Die gute Nachricht: Mit ganzheitlichen Therapieansätzen wie der craniosacralen Behandlung lässt sich dieser Kreislauf unterbrechen. Indem wir das Nervensystem stabilisieren, emotionale Spannungen lösen und die körperliche Balance wiederherstellen, können Betroffene schrittweise mehr Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnen.
Die craniosacrale Therapie – Sanfte Berührung mit tiefer Wirkung
Was ist craniosacrale Therapie?
Die craniosacrale Therapie ist eine besonders sanfte, manuelle Behandlungsform, die am craniosacralen System ansetzt – dem Bereich zwischen Schädel (Cranium) und Kreuzbein (Sacrum). Dieses System umfasst die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, die Membranen und alle umgebenden Strukturen.
Mit feinen, kaum spürbaren Berührungen erspüre ich als Therapeut die rhythmischen Bewegungen dieser Flüssigkeit – den sogenannten craniosacralen Rhythmus. Dieser Rhythmus gibt Aufschluss über Spannungsmuster, Blockaden und Dysbalancen im System.
Das Besondere: Die craniosacrale Therapie arbeitet nicht gegen den Körper, sondern mit ihm. Sie unterstützt die Selbstregulationskräfte und aktiviert die körpereigenen Heilungsprozesse. Gerade für Migränepatient:innen, deren Nervensystem oft überreizt ist, bietet diese Methode einen Weg zur tiefen Entspannung und Regeneration.
Wie craniosacrale Therapie bei Migräne wirkt
Regulation des Nervensystems
Die sanften Berührungen aktivieren den Parasympathikus – unseren „Ruhenerv“. Das überreizte Nervensystem kann zur Ruhe kommen, die Stressreaktion wird gedämpft. Dies wirkt direkt auf das periaquäduktale Grau ein und verändert die Schmerzwahrnehmung.
Lösung faszialer Spannungen
Viele Migränepatient:innen tragen chronische Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Kieferbereich. Diese Spannungen beeinflussen die Durchblutung und Nervenversorgung. Durch das Lösen dieser faszialen Restriktionen verbessert sich die gesamte Körperstatik.
Optimierung der Liquorzirkulation
Eine gestörte Zirkulation der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit kann Migräne begünstigen. Die craniosacrale Therapie unterstützt einen freien Fluss dieser lebenswichtigen Flüssigkeit und entlastet damit das Nervensystem.
Emotionale Entspannung
Oft sind Migräneattacken auch mit unterdrückten Emotionen und unverarbeiteten Erlebnissen verbunden. Die tiefe Entspannung während der Behandlung ermöglicht es, diese emotionalen Spannungen zu erkennen und zu integrieren.
Diese vier Wirkebenen greifen ineinander und schaffen eine ganzheitliche Veränderung. Viele Patient:innen berichten bereits nach wenigen Sitzungen von einer Reduktion der Attackenhäufigkeit, einer verkürzten Dauer der Migräne und einer verbesserten Lebensqualität insgesamt.
Somatoemotionale Tiefenentspannung – Wenn der Körper seine Geschichte erzählt
Frau in Meditationshaltung am Meer, Fokus auf Entspannung und Achtsamkeit im Urlaub.
Die Körper-Seele-Verbindung
Unser Körper ist kein bloßes Gefäß, sondern ein lebendiges Archiv unserer Erfahrungen. Traumatische Erlebnisse, chronischer Stress, unterdrückte Gefühle – all das speichert sich im Gewebe, in den Faszien, in den Zellen. Diese „Körpererinnerungen“ können sich als chronische Verspannungen, Schmerzen oder eben auch als Migräne manifestieren.
Die somatoemotionale Entspannung, die oft Hand in Hand mit der craniosacralen Therapie geht, ermöglicht es diesen gespeicherten Spannungen, sich zu lösen. Dabei entsteht ein Dialog zwischen Körper und Bewusstsein – ein Prozess, der tief heilsam wirken kann.
Wenn Anna auf der Behandlungsliege liegt und in die tiefe Entspannung sinkt, können plötzlich Bilder, Gefühle oder Körperempfindungen auftauchen. Vielleicht eine alte Verletzung, ein lang vergessener Konflikt, eine unterdrückte Trauer. Indem diese Inhalte bewusst werden und im geschützten Raum der Therapie integriert werden können, löst sich nicht nur die emotionale, sondern auch die körperliche Spannung.
„Ich hatte nie gedacht, dass meine Migräne etwas mit alten Emotionen zu tun haben könnte. Aber als ich in der Behandlung plötzlich weinen musste und diese alte Wut endlich rauslassen konnte, wurde mein Kopf auf einmal leichter. Es war, als hätte sich ein Ventil geöffnet.“
Der Behandlungsablauf – Was Sie erwartet
Zu Beginn nehmen wir uns ausführlich Zeit für Ihre Geschichte. Wann treten die Migräneattacken auf? Gibt es Muster oder Trigger? Wie ist Ihre Lebenssituation? Dieses Gespräch bildet die Grundlage für einen individuell auf Sie abgestimmten Behandlungsplan.
1 Erstgespräch und Anamnese
2 Erste Behandlungs-sitzung
Sie liegen bequem bekleidet auf einer Behandlungsliege. Mit sanften Berührungen am Kopf, Nacken, Rücken und Kreuzbein erspüre ich den craniosacralen Rhythmus und erste Spannungsmuster. Viele Patient:innen erleben bereits in der ersten Sitzung eine tiefe Entspannung.
Ich empfehle grundsätzlich 6-10 Behandlungen, jedoch in einer kompakteren, intensiveren Form, die ideal mit einer entspannten Urlaubsatmosphäre verbunden wird. Diese einzigartige Kombination ermöglicht es Ihnen, sich voll und ganz auf Ihre Heilung zu konzentrieren, frei von Alltagsstress. Die Synergie aus Therapie und Erholung verstärkt die Wirkung nachhaltig, sodass Ihr Nervensystem sich effektiver regulieren und neue, gesündere Muster etablieren kann – für eine tiefgreifendere und länger anhaltende Besserung.
3 Intensive Behandlungsreihe im Einklang mit Erholung
4 Integration und nachhaltige Selbst-fürsorge
Nach der intensiven Behandlungsreihe geht es darum, die erlernten Techniken und das gewonnene Körpergefühl selbstständig in Ihren Alltag zu integrieren. Ich unterstütze Sie dabei, praktische Übungen und Strategien für zu Hause zu entwickeln, damit Sie das Gelernte langfristig anwenden und Ihre Selbstheilungskräfte stärken können. Für eine nachhaltige Stabilisierung und Prävention biete ich bei Bedarf auch Möglichkeiten der Fernbetreuung oder gelegentliche Nachsorgetermine an, um Sie auf Ihrem weiteren Weg zu begleiten und zu empowern.
Was Patient:innen berichten
Maria, 42, Lehrerin
„Seit über 20 Jahren begleitet mich die Migräne. Nach fünf craniosacralen Behandlungen haben sich meine Attacken von 12 auf 3 pro Monat reduziert. Endlich kann ich wieder planen, ohne ständig Angst vor der nächsten Migräne zu haben. Die Behandlungen sind für mich wie eine Insel der Ruhe geworden.“
Simone, 51, Grafikdesignerin
„Was mich am meisten beeindruckt hat: In der Behandlung konnte ich endlich loslassen. Nicht nur körperlich, auch emotional. Ich habe verstanden, dass meine Migräne auch ein Signal war – ein Hilferuf meines Körpers, dass ich besser für mich sorgen muss. Diese Erkenntnis war Gold wert.“
Häufigkeit der Attacken
Im Durchschnitt reduziert sich die Attackenhäufigkeit bei regelmäßiger Behandlung um 50-70%
Intensität der Schmerzen
Viele Patient:innen berichten von einer deutlichen Abschwächung der Schmerzintensität
Lebensqualität
Das allgemeine Wohlbefinden und die Belastbarkeit im Alltag verbessern sich signifikant
Ergänzende Maßnahmen für Ihren Weg zur Linderung
Die craniosacrale Therapie entfaltet ihre volle Wirkung oft in Kombination mit weiteren unterstützenden Maßnahmen. Hier sind bewährte Ansätze, die Sie in Ihren Alltag integrieren können:
Achtsamkeit und Meditation
Regelmäßige Meditationspraxis hilft, Stressreaktionen frühzeitig zu erkennen und zu regulieren. Schon 10 Minuten täglich können einen deutlichen Unterschied machen.
Ernährung und Trigger
Ein Ernährungstagebuch kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren. Manche Menschen reagieren auf Histamin, Glutamat oder bestimmte Käsesorten. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell.
Schlafhygiene
Regelmäßige Schlafenszeiten stabilisieren das Nervensystem. Versuchen Sie, auch am Wochenende nicht mehr als eine Stunde von Ihrem gewohnten Rhythmus abzuweichen.
Sanfte Bewegung
Therapeutisch angepasstes, medizinisches Yoga, Tai Chi oder regelmäßige, sanfte Spaziergänge fördern die Durchblutung und helfen, Spannungen abzubauen. Wichtig ist eine individuelle Gestaltung, um Überanstrengung zu vermeiden, die Attacken auslösen kann.
Diese Maßnahmen ersetzen nicht die Therapie, sondern ergänzen sie. Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Plan, der zu Ihrem Leben passt. Denn nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch radikale Umbrüche, sondern durch kleine, konsequente Schritte.
Das Schmerztagebuch – Ihr persönlicher Wegweiser zur Heilung
Bevor das Schmerztagebuch in den 1970er Jahren seinen Einzug in die moderne Medizin hielt, standen Ärzte oft vor einem undurchdringlichen Rätsel. Chronische Schmerzen, insbesondere Migräne, waren schwer fassbar. Patienten konnten ihre Beschwerden oft nur vage beschreiben, Trigger und Muster blieben im Dunkeln. Diagnosen waren oft ein Ratespiel, und Behandlungen basierten auf Annahmen statt auf fundierten Beobachtungen. Das Schmerztagebuch revolutionierte die Schmerzmedizin, indem es diese subjektive Erfahrung in nachvollziehbare Daten verwandelte. Plötzlich hatten Ärzte und Patienten ein Werkzeug an der Hand, um die unsichtbare Landschaft des Schmerzes zu kartografieren. Es ermöglichte die systematische Erfassung von Schmerzintensität, Dauer, Begleitsymptomen und potenziellen Auslösern. Diese objektiven Aufzeichnungen lieferten eine präzise Grundlage für die Diagnose und die Entwicklung maßgeschneiderter Therapiepläne. Gerade bei Migräne, wo individuelle Trigger wie bestimmte Lebensmittel, Wetterwechsel oder hormonelle Schwankungen eine entscheidende Rolle spielen, wurde das Schmerztagebuch zum unschätzbaren Wegweiser. Es verhalf zu bahnbrechenden Erkenntnissen, wie etwa der Identifizierung spezifischer Nahrungsmittel als Auslöser oder dem Aufdecken von Stressmustern, die zuvor unbemerkt blieben. Patienten konnten durch das Tagebuch selbst zu Experten ihrer Erkrankung werden und gemeinsam mit ihren Ärzten präzise und wirksame Strategien zur Linderung und Prävention entwickeln, was zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität führte.
Das biopsychosoziale Modell
Schmerz, insbesondere chronischer Schmerz wie Migräne, ist ein komplexes Phänomen, das nicht allein auf körperliche Ursachen reduziert werden kann. Das biopsychosoziale Modell betrachtet Schmerz als Ergebnis eines Zusammenspiels aus:
Effektive Psychologie- und soziale Faktoren in der Gesellschaft.
Biologische Faktoren
Medizinische Diagnosen, objektive Befunde und physiologische Prozesse.
Psychologische Faktoren
Persönliche Schmerzwahrnehmung, Gedanken, Emotionen und Bewältigungsstrategien.
Soziale Faktoren
Stress, familiäres und berufliches Umfeld, soziale Unterstützung und gesellschaftliche Einflüsse.
Ihr nächster Schritt zu mehr Lebensqualität
Bereit für Veränderung?
Wenn Sie bereit sind, einen neuen Weg im Umgang mit Ihrer Migräne zu gehen, freue ich mich darauf, Sie zu begleiten. Ich lebe auf der wunderschönen Insel Korfu und biete Ihnen hier die einzigartige Möglichkeit, Behandlungsreihen in Kombination mit einem erholsamen Urlaub zu erleben.
Für Klient:innen in Deutschland biete ich zudem im Rahmen von Touren für betriebliches Gesundheitsmanagement individuelle Einzelsitzungen an, um auch dort persönlich für Sie da zu sein.
Die craniosacrale Therapie und somatoemotionale Tiefenentspannung bieten Ihnen die Möglichkeit, nicht nur Symptome zu lindern, sondern die tieferen Ursachen Ihrer Migräne anzugehen. Es geht darum, wieder in Kontakt mit Ihrem Körper zu kommen, seine Signale zu verstehen und ihm zu helfen, sein natürliches Gleichgewicht wiederzufinden.
Viele meiner Patient:innen berichten, dass die Behandlungen nicht nur ihre Migräne verbessert, sondern ihr gesamtes Leben bereichert haben. Sie haben gelernt, besser für sich zu sorgen, Grenzen zu setzen und auf die Weisheit ihres Körpers zu vertrauen.
Kontakt aufnehmen
Sie haben Fragen oder möchten einen Termin vereinbaren? Ich freue mich auf Ihre Nachricht. Gemeinsam finden wir heraus, ob die craniosacrale Therapie der richtige Weg für Sie ist.
Wissenschaftliche Grundlagen – Referenzen und Studien
Goadsby, P.J., Holland, P.R., Martins-Oliveira, M. et al. Pathophysiology of Migraine: A Disorder of Sensory Processing. Physiol Rev. 2017;97(2):553-622.
Burstein, R., Noseda, R., Borsook, D. Migraine: multiple processes, complex pathophysiology. J Neurosci. 2015;35(17):6619-29.
Charles, A. The pathophysiology of migraine: implications for clinical management. Lancet Neurol. 2018;17(2):174-182.
Ashina, M., Hansen, J.M., Do, T.P., Melo-Carrillo, A. Migraine and the trigeminovascular system—40 years and counting. Lancet Neurol. 2019;18(8):795-804.
Pietrobon, D., Moskowitz, M.A. Chaos and commotion in the wake of cortical spreading depression and spreading depolarizations. Nat Rev Neurosci. 2014;15(6):379-93.
Ferrari, M.D., Klever, R.R., Terwindt, G.M. et al. Migraine pathophysiology: lessons from mouse models and human genetics. Lancet Neurol. 2015;14(1):65-80.
Russo, A.F. Calcitonin gene-related peptide (CGRP): a new target for migraine. Annu Rev Pharmacol Toxicol. 2015;55:533-52.
Green, C., Martin, C.W., Bassett, K., Kazanjian, A. A systematic review of craniosacral therapy: biological plausibility, assessment reliability and clinical effectiveness. Complement Ther Med. 1999;7(4):201-7.
Rommel, A., Varnaccia, G., Lahmann, N. et al. Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020. Journal of Health Monitoring. 2020;5(S6):2-24.
Medizinische Universität Wien. Eine Million Menschen in Österreich von Migräne betroffen. Pressemitteilung, Mai 2024.
Diese wissenschaftlichen Grundlagen zeigen, dass Migräne ein hochkomplexes neurobiologisches Phänomen ist, das multidisziplinäre Behandlungsansätze erfordert. Die craniosacrale Therapie ergänzt die konventionelle Medizin durch ihre ganzheitliche Herangehensweise an das Nervensystem und die Selbstregulationsmechanismen des Körpers.
Geriatrische Befunde sind weit mehr als eine reine medizinische Dokumentation. Sie erfassen nicht nur die körperlichen und geistigen Funktionen, sondern rücken vor allem die Alltagsrelevanz und die individuelle Lebensqualität der Patient:innen ins Zentrum. Dadurch ermöglichen sie eine ganzheitliche Betrachtung des Gesundheitszustands und unterstützen gezielt die Selbstständigkeit im Alter1.
Bewegung, Alltag, Lebensqualität: Der geriatrische Befund
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Hinweis zu meinen Artikeln:
Meine Artikel für Dich sind keine schnellen und oberflächlichen Nachrichten. Statt eines kurzen Tweets oder eines kurzen Statusupdate erhälst Du bei mir einen ganzen Artikel mit viel Detailinformationen. Zudem gibt es bei gesundheitlichen Problemen selten eine einfache und schnelle Lösung. Der menschliche Organismus ist hochkomplex und da ist schon die Reduktion in einzelne Artikel schwierig. Wie auch in meinen Artikeln so ist auch meine Therapie. Ich nehme mir Zeit für die Befundung, die Therapie, die Übungen, die Alltags- und Gebrauchsbewegungen und selbstverständlich auch die methodische und didaktische Vermittlung. Meine PatientInnen schätzen genau das: Sehr genau und ganz exakt, dabei sanft und immer herzlich, ganz nach meinem Motto in der Therapie: „Fühle Dein Wesen in Bewegung und erlebe Dein Sein in der Therapie“.
Einige Bilder sind mit AI erstellt. Ich möchte den Text illustrieren, aber ich schätze die Privatsphäre von Bewohnern und Mitarbeitern.
Inhaltsverzeichnis
Beispiel 1: Frau Schmidt – Wie Alltagsrelevanz sichtbar wird
Frau Schmidt, 82 Jahre, lebt allein und hat nach einem Sturz Schwierigkeiten, sich sicher in ihrer Wohnung zu bewegen. Während ein klassischer medizinischer Befund sich auf die Diagnose „Hüftfraktur nach Sturz“ beschränkt, prüft der geriatrische Befund, ob Frau Schmidt noch selbstständig einkaufen, kochen oder duschen kann – und wie ihr soziales Umfeld sie unterstützt. So wird gemeinsam mit ihr und ihren Angehörigen ein Plan entwickelt, wie sie trotz Einschränkungen weiterhin möglichst selbstbestimmt leben kann1.
Beispiel 2: Herr Meier – Kognition und Alltagskompetenz im Fokus
Herr Meier, 78 Jahre, leidet an Diabetes und leichter Demenz. Während der klassische Befund die Blutzuckerwerte und die kognitive Einschränkung dokumentiert, fragt der geriatrische Befund nach, wie Herr Meier seinen Alltag meistert. Kann er seine Medikamente selbst einnehmen? Findet er sich in seiner Umgebung zurecht? Wer unterstützt ihn bei Arztbesuchen? Diese Fragen helfen, gezielt Unterstützung zu organisieren und die Lebensqualität zu erhalten1.
Negativbeispiel: Was passiert, wenn nicht richtig befundet wird?
Herr Müller, 85 Jahre, wird nach einem leichten Sturz im Krankenhaus behandelt. Die medizinische Diagnose lautet „Prellung“, eine geriatrische Befunderhebung findet nicht statt. Nach der Entlassung wird Herr Müller allein gelassen. Seine zunehmenden Schwierigkeiten beim Gehen, die Angst vor weiteren Stürzen und die Einsamkeit in seiner Wohnung bleiben unerkannt. Die Folge: Er zieht sich immer mehr zurück, verliert die Freude am Leben und wird schließlich pflegebedürftig. Hätte ein geriatrischer Befund die Alltagsrelevanz und die psychosozialen Aspekte erfasst, hätte gezielte Unterstützung und Prävention helfen können, seine Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten1.
Fall Risk Das Risiko für Stürze wird frühzeitig erkannt und gezielt reduziert. Need for Care Pflegebedarf kann rechtzeitig eingeschätzt und passende Maßnahmen eingeleitet werden. Social Isolation Soziale Isolation wird erkannt, um Teilhabe und Lebensqualität zu fördern. Cognitive Impairment Kognitive Einschränkungen werden diagnostiziert, um gezielte Förderung und Therapie zu ermöglichen. Multimorbidity Das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Erkrankungen wird umfassend erfasst und berücksichtigt. Depression Psychische Belastungen wie Depressionen werden frühzeitig erkannt und behandelt. Medication Issues Probleme mit Medikamenten, wie Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen, werden identifiziert und behoben. Mobility Limitations Einschränkungen der Mobilität werden erkannt, um gezielt gegenzusteuern. Nutritional Problems Ernährungsprobleme werden aufgedeckt, um Mangelernährung vorzubeugen.
Warum geriatrische Befunde unverzichtbar sind
Geriatrische Befunde schaffen eine Brücke zwischen medizinischer Diagnostik und dem tatsächlichen Leben der Patient:innen. Sie machen den Unterschied zwischen bloßer Behandlung und echter Lebenshilfe. Die frühe Erkennung von Risiken und die gezielte Förderung der Selbstständigkeit helfen, Stürze, Pflegebedarf und soziale Isolation zu vermeiden1.
Geriatrische vs. klassische Befunde: Wo liegen die Unterschiede?
Während klassische medizinische Befunde sich meist auf die Diagnose und Behandlung einzelner Erkrankungen konzentrieren, berücksichtige ich als Geriater die Multimorbidität und die komplexen Wechselwirkungen verschiedener Gesundheitsprobleme im Alter. Ich analysiere, wie sich diese auf Selbstständigkeit, Mobilität und die Teilhabe am sozialen Leben auswirken1.
Ganzheitlichkeit ist Pflicht, nicht Kür
Eigentlich sollte jeder Befund – egal in welchem Fachgebiet – den ganzen Menschen im Blick haben. Gerade in der Geriatrie ist das unverzichtbar: Hier mischen sich mein Fachwissen, jahrelange Erfahrung und die Fähigkeit, auch die leisen Zwischentöne wahrzunehmen. Am Anfang arbeitete ich mit Zetteln und Checklisten, doch mit der Zeit wurde mir klar: Das genaue Hinsehen und Zuhören sind elementar. Oft sind es kleine Hinweise im Gespräch oder im Verhalten, die entscheidende Informationen liefern.
Spannender Fakt: Die „sechs geriatrischen Is“
Wussten Sie, dass es in der Geriatrie die sogenannten „sechs Is“ gibt? Sie helfen mir, nichts Wichtiges zu übersehen und das Leben meiner Patient:innen wirklich ganzheitlich zu erfassen. Jeder dieser Begriffe steht für eine der häufigsten und wichtigsten Einschränkungen im Alter2:
Immobilität
Ich prüfe, ob meine Patient:innen sich noch selbstständig bewegen können oder auf Hilfsmittel angewiesen sind. Immobilität erhöht das Risiko für Stürze, Thrombosen und den Verlust der Selbstständigkeit2.
Instabilität
Instabilität meint Unsicherheit beim Stehen oder Gehen. Sie ist ein Warnsignal für Sturzgefahr und kann viele Ursachen haben, etwa Muskelschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten2.
Inkontinenz
Viele ältere Menschen verlieren die Kontrolle über Blase oder Darm. Das ist nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein psychisches Problem, das zur sozialen Isolation führen kann2.
Intellektueller Abbau
Damit ist die Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten gemeint, etwa durch Demenz. Ich achte auf Gedächtnis, Orientierung und Konzentration – denn kognitive Einschränkungen wirken sich massiv auf den Alltag aus2.
Insomnie
Insomnie ist der medizinische Begriff für Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen. Sie äußert sich durch Probleme beim Ein- oder Durchschlafen und kann zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Depressionen führen. Chronische Insomnie erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich3.
Iatrogene Probleme
Als iatrogen werden gesundheitliche Probleme bezeichnet, die durch medizinische Maßnahmen entstehen – zum Beispiel Nebenwirkungen von Medikamenten oder Komplikationen nach ärztlichen Eingriffen. Besonders im Alter ist die Gefahr für solche Komplikationen erhöht, etwa durch Wechselwirkungen vieler Medikamente oder Dosierungsfehler4.
Wissenschaftlicher Beweis für den Mehrwert
Bereits in den 1980er Jahren zeigte eine große Studie von Rubenstein et al., dass das geriatrische Assessment – also die ganzheitliche, strukturierte Befunderhebung – die Lebensqualität und die medizinische Versorgung älterer Menschen signifikant verbessert5. Moderne Leitlinien fordern deshalb ausdrücklich einen mehrdimensionalen, interdisziplinären Ansatz1. Die Wissenschaft bestätigt also, was ich in der Praxis täglich erlebe: Nur ein umfassender Blick auf Körper, Geist, Psyche und soziales Umfeld ermöglicht wirklich gute Therapieentscheidungen.
Praxisbeispiel: Der Unterschied im Alltag
Herr Weber, 79, kommt wegen Rückenschmerzen in die Praxis. Ein klassischer Befund würde sich auf die Wirbelsäule und die Schmerzskala konzentrieren. Das geriatrische Assessment geht weiter: Ich frage nach Sturzrisiko, Medikamenten, Schlaf, Stimmung, Ernährung und sozialer Einbindung. So stellt sich heraus, dass Herr Weber nachts schlecht schläft, tagsüber müde ist und deshalb unsicher auf den Beinen steht. Erst die Gesamtschau ermöglicht eine gezielte, nachhaltige Behandlung – und verhindert womöglich den nächsten Sturz.
Negativbeispiel: Wenn Ganzheitlichkeit fehlt
Frau Berger, 84, wird nach einem Sturz ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose lautet „Oberschenkelhalsfraktur“, die Operation verläuft erfolgreich. Doch niemand fragt, warum sie gestürzt ist, ob sie zu Hause Unterstützung hat oder wie es um ihre Ernährung und ihr Gedächtnis steht. Nach der Entlassung bleibt sie allein, baut körperlich ab und wird innerhalb weniger Monate pflegebedürftig. Ein ganzheitlicher geriatrischer Befund hätte hier frühzeitig Risiken erkannt und gezielte Hilfen ermöglicht1.
Fazit: Hinsehen und Hinhören sind elementar
Die beste Checkliste ersetzt nicht das offene Gespräch, das genaue Beobachten und das Zusammenspiel von Erfahrung und Fachwissen. Geriatrische Befunde sind dann am wertvollsten, wenn sie das ganze Leben eines Menschen im Blick behalten – und nicht nur einzelne Diagnosen abhaken. Genau das macht den Unterschied für die Lebensqualität im Alter aus1.
Multimorbidität verstehen: Warum Alltag und Alter untrennbar sind
Im Alter treten häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig auf. Multimorbidität bedeutet das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer chronischer Erkrankungen, die sich gegenseitig beeinflussen und komplexe Auswirkungen auf den Alltag haben6. Die Herausforderung besteht darin, die Auswirkungen dieser Erkrankungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens zu erkennen und gezielt zu adressieren. Nur so kann die Lebensqualität erhalten und die Selbstständigkeit gefördert werden.
Auswirkungen auf den Alltag
Multimorbidität führt zu Einschränkungen bei einfachen und komplexen Aktivitäten des täglichen Lebens, wie Körperpflege, Kochen, Einkaufen und sozialer Teilhabe. Die Betroffenen müssen viele gesundheitliche Aktivitäten in ihren Alltag integrieren, etwa die Einnahme mehrerer Medikamente, regelmäßige Messungen und Arztbesuche, was eine hohe organisatorische und psychische Belastung darstellt7.
Erhöhte Risiken durch Multimorbidität
Die gleichzeitige Präsenz mehrerer Erkrankungen erhöht das Risiko für Komplikationen, Pflegebedarf und soziale Isolation. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten und Erkrankungen können zu Behandlungsfehlern und Komplikationen führen, die die Gesundheit weiter beeinträchtigen7. Übersehene Begleitprobleme führen häufig zu Krankenhauseinweisungen oder verlängern stationäre Aufenthalte8.
Die Bedeutung des geriatrischen Assessments
Ein geriatrisches Assessment identifiziert frühzeitig Risikofaktoren und ermöglicht gezielte Interventionen, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patient:innen abgestimmt sind. Es unterstützt die Koordination der komplexen Versorgung und trägt dazu bei, die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität zu erhalten8.
Wissenschaftliche Evidenz
Studien zeigen, dass eine Behandlung, die auf einem Comprehensive Geriatric Assessment (CGA) basiert, die Funktionsfähigkeit älterer Menschen erhält und die Komplikationsrate senkt. Dies führt zu einer verbesserten Versorgung und einem längeren Erhalt der Selbstständigkeit5.
Praxisbezug und interdisziplinäre Versorgung
Multimorbide Patient:innen benötigen eine koordinierte, interdisziplinäre Versorgung, die ihre komplexen Bedürfnisse berücksichtigt. Dies umfasst die Zusammenarbeit von Hausärzt:innen, Fachärzt:innen, Therapeut:innen und Pflegekräften, um eine ganzheitliche Betreuung sicherzustellen6.
Physiotherapie für Senior:innen: Was wird untersucht?
Physiotherapie für ältere Menschen ist weit mehr als nur Bewegungstraining – sie ist ein Schlüssel zu Selbstständigkeit, Lebensfreude und Sicherheit im Alltag. Im Zentrum der physiotherapeutischen Befunderhebung stehen die körperlichen Funktionen wie Mobilität, Kraft, Gleichgewicht und Schmerz. Ziel ist es, die Bewegungsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern und Stürze zu vermeiden9.
Die motorischen Beanspruchungsformen – ein ganzheitlicher Blick
In der Physiotherapie werden alle motorischen Fähigkeiten betrachtet, die für die Alltagsbewältigung entscheidend sind:
Kraft: Essenziell für Aufstehen, Gehen, Tragen und Treppensteigen. Krafttraining beugt Muskelschwund (Sarkopenie) vor und stabilisiert die Gelenke10.
Beweglichkeit: Ermöglicht große, schmerzfreie Bewegungsradien. Dehnübungen und Mobilisationstechniken erhalten die Gelenkfunktion und verhindern Bewegungseinschränkungen10.
Gleichgewicht: Eine gute Balance schützt vor Stürzen und gibt Sicherheit im Alltag. Gleichgewichtsübungen trainieren das Zusammenspiel von Muskeln, Nerven und Sinnen10.
Koordination: Wichtig für komplexe Bewegungen wie Gehen auf unebenem Boden oder das Anziehen. Koordinationsübungen fördern das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen11.
Ausdauer: Unterstützt Herz und Kreislauf, ermöglicht längere Spaziergänge und fördert die allgemeine Belastbarkeit10.
Schnelligkeit: Auch im Alter wichtig, etwa um auf Stolperfallen oder Gleichgewichtsstörungen schnell reagieren zu können11.
Zeit- und Raumorientierung: Wer sich sicher im eigenen Zuhause und in der Umgebung bewegen kann und weiß, wann und wohin er gehen muss, bleibt länger selbstständig. Die Orientierung ist ein oft unterschätzter, aber zentraler Aspekt der Mobilität im Alter12.
Standardisierte Tests: Objektive Messung für mehr Sicherheit
Um Fortschritte und Risiken gezielt zu erfassen, kommen in der Geriatrie bewährte Tests zum Einsatz:
Tinetti-Test
Der Tinetti-Test prüft Gleichgewicht und Gang in zwei Teilen: Teil 1 bewertet das Gleichgewicht beim Sitzen, Aufstehen, Stehen (auch mit geschlossenen Augen), Drehen und bei kleinen Stößen gegen den Oberkörper. Teil 2 analysiert das Gangbild, darunter Schrittlänge, -symmetrie, -höhe und Rumpfstabilität. Die maximale Punktzahl beträgt 28; je niedriger das Ergebnis, desto höher das Sturzrisiko. Der Test dauert meist weniger als fünf Minuten und ist wissenschaftlich validiert für die Sturzprognose im Alter13.
Timed Up and Go Test (TUG)
Beim TUG sitzt die Person auf einem Stuhl, steht auf, geht drei Meter, wendet und setzt sich wieder. Die Zeit wird gemessen: Unter 10 Sekunden gilt als normal, ab 20 Sekunden besteht eine relevante Mobilitätseinschränkung. Der Test bewertet nicht nur Mobilität, sondern auch Kraft, Gleichgewicht, Koordination und Orientierung im Raum. Er ist einfach, schnell und praxistauglich – und gibt einen sehr guten Hinweis auf die Alltagsmobilität13.
Weitere Assessments
Ergänzend werden der Romberg-Test (Gleichgewicht mit geschlossenen Augen), Handkraftmessungen (zur Früherkennung von Muskelschwäche) oder Ausdauertests wie der 6-Minuten-Gehtest eingesetzt10.
Technologische Innovationen: Sensoren für die Zukunft
Moderne Sensoren und Wearables revolutionieren die Diagnostik: Sie messen Bewegungsabläufe, Gleichgewicht und Kraft im Alltag – nicht nur in der Praxis. Sensorsohlen erfassen beispielsweise Druck- und Temperaturveränderungen an den Füßen und können drohende Komplikationen frühzeitig anzeigen. KI-basierte Wearables überwachen Bewegungsmuster und warnen bei Sturzgefahr oder Thromboserisiko14. So werden Therapie und Prävention noch individueller und sicherer.
Warum Ganzheitlichkeit zählt – und Freude macht
Die physiotherapeutische Befunderhebung ist wie eine kleine Entdeckungsreise: Sie beleuchtet nicht nur die körperlichen Fähigkeiten, sondern auch die Persönlichkeit, die Alltagsgewohnheiten und die Lebensfreude der Patient:innen. Wer regelmäßig an individuell angepassten Programmen teilnimmt, bleibt länger selbstständig, leidet seltener an Schmerzen und gewinnt an Lebensqualität. Die beste Physiotherapie ist immer ganzheitlich, individuell – und manchmal auch überraschend kreativ10.
Die geriatrische Anamnese: Was ist wichtig?
Die Anamnese ist das Herzstück jeder geriatrischen Untersuchung. Sie geht weit über das bloße Erfassen von Symptomen hinaus: Sie umfasst die individuellen Beschwerden, die aktuelle Lebenssituation, die Ressourcen und Wünsche der Patient:innen sowie deren funktionellen, kognitiven und psychosozialen Status15. Eine sorgfältige Anamnese ist die Grundlage für eine gezielte Therapieplanung und ermöglicht eine individuelle Betreuung, die auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten älterer Menschen abgestimmt ist16.
Was wird in der geriatrischen Anamnese erfasst?
Medizinische Vorgeschichte: Frühere und aktuelle Erkrankungen, Operationen, Impfstatus und relevante Behandlungen werden erfragt. Auch seltene oder veraltete Therapieformen sowie Nebenwirkungen werden berücksichtigt17.
Medikamentenanamnese: Alle aktuell und früher eingenommenen Medikamente, inklusive Selbstmedikation und Nahrungsergänzungsmittel, werden dokumentiert. Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind häufige Probleme im Alter17.
Funktioneller Status: Wie selbstständig ist die Person im Alltag? Kann sie sich waschen, anziehen, essen, einkaufen oder telefonieren? Hier kommen Instrumente wie der Barthel-Index oder der Timed Up and Go Test zum Einsatz16.
Kognitive und emotionale Situation: Gedächtnis, Orientierung, Stimmung und Motivation werden erfasst, z.B. mit dem Mini-Mental State Test oder der Geriatrischen Depressionsskala16.
Sozialanamnese: Wohnsituation, soziale Kontakte, familiäre Unterstützung, finanzielle Ressourcen und Zugang zu Hilfsmitteln oder Pflege werden besprochen17.
Ressourcen und Wünsche: Welche Stärken, Interessen und Ziele hat die Person? Was ist ihr im Alltag besonders wichtig? Diese Fragen helfen, Therapieziele individuell zu setzen und die Lebensqualität zu fördern16.
Fallbeispiel 1: Der entscheidende Hinweis
Frau L., 84 Jahre, berichtet über zunehmende Schwäche. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie seit dem Tod ihres Mannes kaum noch isst und sich sozial zurückgezogen hat. Die Anamnese deckt eine depressive Verstimmung und Mangelernährung auf – beides wäre ohne gezieltes Nachfragen leicht übersehen worden. Erst durch die ganzheitliche Anamnese kann ein passender Therapieplan entwickelt werden, der Ernährung, Bewegung und soziale Teilhabe fördert16.
Fallbeispiel 2: Ressourcen erkennen und nutzen
Herr K., 79 Jahre, lebt allein, ist aber noch sehr aktiv im Garten. Die Anamnese zeigt: Trotz einer Herzerkrankung kann er viele Alltagsaktivitäten selbstständig bewältigen, braucht aber Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme und gelegentlich beim Einkaufen. Die gezielte Erfassung seiner Ressourcen ermöglicht eine maßgeschneiderte Betreuung, die seine Selbstständigkeit erhält und Überforderung vermeidet16.
Wissenschaftliche Evidenz und Empfehlungen
Studien und Leitlinien belegen: Eine strukturierte, multidimensionale Anamnese ist essenziell für die erfolgreiche geriatrische Versorgung. Sie bildet die Basis für das Comprehensive Geriatric Assessment (CGA), das medizinische, funktionelle, kognitive und psychosoziale Aspekte systematisch erfasst und als Grundlage für Therapie und Prognose dient18. Nur durch diese umfassende Herangehensweise können Risiken frühzeitig erkannt, Ressourcen gestärkt und die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig verbessert werden15.
Mobilität, Kraft, Gleichgewicht & Schmerz: Was wird gemessen?
Mobilität, Muskelkraft, Gleichgewicht und Schmerz sind zentrale Parameter im geriatrischen Befund. Sie geben Aufschluss über die Selbstständigkeit, das Sturzrisiko und die Lebensqualität älterer Menschen. Um diese Faktoren objektiv zu erfassen und den Therapieerfolg zu dokumentieren, werden wissenschaftlich validierte und standardisierte Tests eingesetzt19. Die Auswahl der Tests richtet sich nach den individuellen Fähigkeiten und Einschränkungen der Patient:innen – so entsteht ein ganzheitliches Bild, das weit über eine reine Symptombeschreibung hinausgeht.
Mobilität: Mehr als nur Gehen
Die Mobilität umfasst alle Fähigkeiten, sich sicher und selbstständig fortzubewegen. Sie ist Voraussetzung für die Teilhabe am Alltag und für die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit. Standardisierte Mobilitätstests wie der Tinetti-Test und der Timed Up and Go Test sind in der Geriatrie etabliert20.
Tinetti-Test
Der Tinetti-Test (Performance Oriented Mobility Assessment) prüft in zwei Teilen das Gleichgewicht (z. B. beim Sitzen, Aufstehen, Stehen, Drehen) und das Gangbild (Schrittlänge, Symmetrie, Wegabweichung, Rumpfstabilität). Die maximale Punktzahl beträgt 28; je niedriger das Ergebnis, desto höher das Sturzrisiko. Der Test ist wissenschaftlich validiert und dauert meist weniger als fünf Minuten21.
Timed Up and Go Test (TUG)
Beim TUG sitzt die Person auf einem Stuhl, steht auf, geht drei Meter, wendet und setzt sich wieder. Die Zeit wird gemessen: Unter 10 Sekunden gilt als normal, ab 20 Sekunden besteht eine relevante Mobilitätseinschränkung. Der Test ist einfach, schnell und gibt einen sehr guten Hinweis auf die Alltagsmobilität und das Zusammenspiel von Kraft, Gleichgewicht, Koordination und Orientierung21.
Kraft: Grundlage für Selbstständigkeit
Muskelkraft ist entscheidend für Aufstehen, Gehen, Tragen und Treppensteigen. Die Handkraftmessung ist ein bewährter Test zur Früherkennung von Muskelschwäche (Sarkopenie), die mit erhöhter Gebrechlichkeit und Sturzgefahr einhergeht22.
Gleichgewicht: Balance als Lebensversicherung
Gleichgewichtsübungen und -tests (z. B. Tandemstand, Romberg-Test) geben Hinweise auf das Sturzrisiko. Schon kleine Defizite können im Alltag gravierende Folgen haben – deshalb wird das Gleichgewicht regelmäßig überprüft und gezielt trainiert19.
Schmerz: Subjektiv, aber messbar
Schmerz beeinflusst Mobilität und Lebensqualität erheblich. In der Geriatrie werden standardisierte Schmerzskalen wie die numerische Ratingskala (NRS) oder die visuelle Analogskala (VAS) eingesetzt, um Schmerzen systematisch zu erfassen und die Wirksamkeit von Therapien zu überprüfen23.
Ganzheitliche Bewertung und individuelle Anpassung
Die Auswahl und Kombination der Tests erfolgt immer individuell. Sie berücksichtigt die kognitiven und körperlichen Fähigkeiten, die Wohnsituation und die persönlichen Ziele der Patient:innen. Nur so kann die Therapie optimal angepasst und der Alltag nachhaltig verbessert werden19.
Realistische Ziele in der Geriatrie: Was ist möglich?
In der Geriatrie steht nicht das abstrakte Ideal im Mittelpunkt, sondern das, was für die einzelne Person im Alltag tatsächlich erreichbar und bedeutsam ist. Die Zielsetzung orientiert sich an den individuellen Möglichkeiten, Ressourcen und Wünschen der Patient:innen. Gemeinsam mit ihnen und ihren Angehörigen wird geprüft, welche Fortschritte realistisch sind und wie die Selbstständigkeit im Alltag erhalten oder sogar verbessert werden kann24.
Individuelle Zielsetzung – ein gemeinsamer Prozess
Jede Therapieplanung beginnt mit der Frage: Was ist für Sie persönlich im Alltag wichtig? Geht es darum, wieder selbstständig einkaufen zu können, Treppen zu steigen oder einfach schmerzfrei zu sitzen? Die Antworten sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Die Ziele werden gemeinsam festgelegt und regelmäßig überprüft – denn sie können sich im Krankheitsverlauf oder mit neuen Lebensumständen ändern25.
Was ist realistisch? – Beispiele aus der Praxis
Frau S., 87 Jahre: Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist das Ziel nicht, wieder Marathon zu laufen, sondern ohne Angst und möglichst ohne Hilfsmittel durch die eigene Wohnung zu gehen und im Garten zu sitzen.
Herr T., 80 Jahre: Mit fortschreitender Demenz ist das Ziel, sich weiterhin im vertrauten Umfeld zurechtzufinden, die Tagesstruktur zu behalten und bei der Körperpflege so viel wie möglich selbst zu übernehmen.
Frau M., 75 Jahre: Nach einem Schlaganfall ist das Ziel, wieder eigenständig essen und trinken zu können und an Gesprächen mit der Familie teilzunehmen.
Die Therapie orientiert sich an den vorhandenen Stärken und vermeidet Überforderung. Kleine, erreichbare Schritte sind oft motivierender als große, unrealistische Ziele. Die Einbindung von Angehörigen und Pflegepersonen ist dabei ebenso wichtig wie die regelmäßige Anpassung der Ziele an die aktuelle Lebenssituation26.
Wissenschaftliche Evidenz
Studien zeigen, dass eine partizipative Zielsetzung – also das gemeinsame Festlegen von Zielen durch Patient:in, Angehörige und therapeutisches Team – die Motivation, die Lebensqualität und den Therapieerfolg in der Geriatrie deutlich verbessert. Leitlinien empfehlen ausdrücklich, Ziele regelmäßig gemeinsam zu überprüfen und an die sich verändernden Ressourcen und Wünsche anzupassen27.
Fazit: Lebensqualität im Mittelpunkt
Realistische Ziele in der Geriatrie sind so individuell wie die Menschen selbst. Sie entstehen im Dialog, berücksichtigen die Lebensgeschichte und die aktuelle Situation und setzen auf das, was im Alltag zählt: Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensfreude.
Ergotherapie für Senior:innen: Was wird geprüft?
Die Ergotherapie ist ein zentrales Element der geriatrischen Versorgung. Sie konzentriert sich auf die Erfassung und Förderung der Selbstversorgung, der Alltagskompetenz und der kognitiven Leistungen. Ziel ist es, Senior:innen dabei zu unterstützen, ihren Alltag möglichst selbstständig und sicher zu bewältigen28. Um dies zu erreichen, nutzt die Ergotherapie verschiedene standardisierte Instrumente wie den Barthel-Index oder den FIM-Score, die die Selbstständigkeit in den wichtigsten Lebensbereichen objektiv messbar machen29.
Der ergotherapeutische Befund: Was wird erfasst?
Im ergotherapeutischen Befund werden gezielt die Fähigkeiten in folgenden Bereichen untersucht:
Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL): Dazu zählen grundlegende Aufgaben wie Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang und Fortbewegung. Ziel ist es, die größtmögliche Selbstständigkeit in diesen Basisfunktionen zu erhalten oder wiederherzustellen28.
Instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens (IADL): Hierzu gehören komplexere Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen, Haushaltsführung, Telefonieren oder das Management von Finanzen und Medikamenten. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Pflegeeinrichtungen29.
Kognitive Leistungen: Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung und Problemlösefähigkeit werden überprüft. Einschränkungen in diesen Bereichen können die Alltagskompetenz stark beeinflussen und frühzeitig auf eine beginnende Demenz oder andere kognitive Störungen hinweisen30.
Alltagskompetenz und Kognition: Was ist wichtig?
Alltagskompetenz bedeutet, den Alltag eigenständig, sicher und strukturiert bewältigen zu können. Dazu gehören neben den motorischen Fähigkeiten auch die kognitiven Leistungen:
Gedächtnis: Erinnern von Terminen, Namen, Abläufen.
Konzentration: Fokussiertes Arbeiten an einer Aufgabe, auch bei Ablenkung.
Orientierung: Sich in Zeit, Raum und Situation zurechtfinden.
Die regelmäßige Überprüfung dieser Fähigkeiten ist wichtig, um frühzeitig Unterstützungsbedarf zu erkennen und gezielt gegenzusteuern28. In der Praxis werden dafür wissenschaftlich anerkannte Tests eingesetzt, z. B. der Mini-Mental State Examination (MMSE) zur Erfassung kognitiver Defizite oder der Uhrentest, der besonders alltagsrelevante Fähigkeiten wie Planen und Ausführen prüft29.30
Teilhabe und Lebensqualität: Was können wir erreichen?
Die Ergotherapie verfolgt das Ziel, die Teilhabe am sozialen Leben und die Lebensqualität älterer Menschen zu erhalten oder zu verbessern. Dies geschieht durch gezielte Interventionen, die auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der Patient:innen abgestimmt sind. Durch die Förderung von Selbstständigkeit und Alltagskompetenz können Stürze, Pflegebedarf und soziale Isolation wirksam vermieden werden31.
Förderung der sozialen Teilhabe
Soziale Teilhabe bedeutet, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ergotherapeutische Maßnahmen unterstützen Senior:innen dabei, Kommunikationsfähigkeiten zu erhalten, Freizeitaktivitäten nachzugehen und soziale Kontakte zu pflegen. Dies wirkt sich positiv auf das psychische Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit aus32.
Verbesserung der Alltagskompetenz
Die Alltagskompetenz umfasst die Fähigkeit, tägliche Aufgaben selbstständig zu bewältigen. Ergotherapie trainiert gezielt Fähigkeiten wie Ankleiden, Kochen, Haushaltsführung und Nutzung von Hilfsmitteln. Dies stärkt das Selbstvertrauen und die Unabhängigkeit im Alltag33.
Prävention von Stürzen und Pflegebedürftigkeit
Stürze sind eine der häufigsten Ursachen für Verletzungen und Pflegebedürftigkeit im Alter. Ergotherapeutische Interventionen zielen darauf ab, Sturzrisiken zu minimieren, indem sie Gleichgewicht, Kraft und Reaktionsfähigkeit verbessern. Studien zeigen, dass gezielte Trainingsprogramme die Sturzrate signifikant senken können34.
Vermeidung sozialer Isolation
Soziale Isolation kann zu Depressionen, kognitivem Abbau und einer Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustands führen. Ergotherapie fördert die soziale Integration durch Gruppenaktivitäten, Förderung von Kommunikationsfähigkeiten und Unterstützung bei der Nutzung digitaler Medien35.
Wissenschaftliche Evidenz
Eine Vielzahl von Studien belegt die Wirksamkeit ergotherapeutischer Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Förderung der Selbstständigkeit älterer Menschen. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass Ergotherapie die funktionellen Fähigkeiten verbessert und die Teilhabe am sozialen Leben stärkt36.
Praxisbeispiel: Frau H. gewinnt Lebensqualität zurück
Frau H., 82 Jahre, hatte nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten, ihren Haushalt zu bewältigen und soziale Kontakte zu pflegen. Durch ein individuell angepasstes ergotherapeutisches Programm konnte sie ihre Alltagskompetenz verbessern, wieder selbstständig kochen und an Gemeinschaftsaktivitäten teilnehmen. Dies führte zu einer deutlichen Steigerung ihrer Lebenszufriedenheit und Selbstständigkeit37.
Fazit
Ergotherapie leistet einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung und Verbesserung der Teilhabe und Lebensqualität im Alter. Durch individuelle, ganzheitliche Interventionen werden nicht nur Defizite ausgeglichen, sondern auch Ressourcen gestärkt, um ein aktives und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Aufbau eines modernen geriatrischen Befunds: Was gehört dazu?
Ein moderner geriatrischer Befund ist weit mehr als eine reine Auflistung von Diagnosen. Er umfasst verschiedene Bereiche, die gemeinsam ein umfassendes und individuelles Bild der Patientin oder des Patienten zeichnen. Ziel ist es, nicht nur medizinische Fakten zu erfassen, sondern auch Ressourcen, Risiken und Potenziale für die Lebensqualität im Alter herauszuarbeiten. Die wichtigsten Domänen sind:
Allgemeinzustand: Erfasst werden der körperliche und geistige Zustand, Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Temperatur), Bewusstseinslage, Sprache, Mimik und Stimmung. Hier zeigt sich, wie fit und belastbar eine Person insgesamt ist38.
Mobilität und Körperliche Funktion: Beurteilt werden Gangbild, Gleichgewicht, Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit und die Fähigkeit, sich selbstständig fortzubewegen. Auch Sturzprophylaxe und Hilfsmittelbedarf werden dokumentiert39.
Selbstversorgung und Alltagskompetenz: Hier stehen die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) wie Ankleiden, Waschen, Essen, aber auch komplexere Aufgaben wie Einkaufen oder Telefonieren (IADL) im Fokus. Hilfsmittelbedarf und Unterstützungsbedarf werden ebenfalls erfasst40.
Kognition und Gedächtnis: Orientierung zu Person, Zeit und Raum, Gedächtnisleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit werden geprüft. Standardisierte Tests wie der Mini-Mental State Examination (MMSE) oder Uhrentest kommen häufig zum Einsatz41.
Emotion und Psychosoziales: Erfasst werden Stimmungslage, Antrieb, soziale Kontakte und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch Hinweise auf Depression, Angst oder soziale Isolation werden dokumentiert42.
Schmerz und Symptome: Lokalisation, Intensität und Qualität von Schmerzen, aber auch andere belastende Symptome wie Atemnot, Schwindel oder Inkontinenz werden systematisch erfragt43.
Ernährung und Allgemeinzustand: Ernährungszustand, Körpergewicht, Appetit, mögliche Schluckstörungen und Mangelernährung werden beurteilt. Auch der Flüssigkeitshaushalt wird berücksichtigt44.
Medikation: Alle regelmäßig oder bedarfsweise eingenommenen Medikamente werden aufgelistet. Besonderes Augenmerk gilt der Polypharmazie, möglichen Wechselwirkungen und der richtigen Einnahme45.
Weitere ergänzende Domänen, die je nach individueller Situation einbezogen werden können, sind:
Hautzustand (z. B. Dekubitusrisiko, Wundheilung)
Wundmanagement (chronische Wunden, Verbände)
Schlaf (Schlafqualität, Schlafstörungen)
Seh- und Hörvermögen
Schluckfunktion, Mundgesundheit
Bereiche des geriatrischen Befunds: Ein Überblick
Bereich
Inhalte
Allgemeinzustand
Körperlicher und geistiger Zustand, Vitalzeichen, Bewusstseinszustand, Sprache, Mimik, Stimmung
Mobilität und Körperliche Funktion
Gang, Gleichgewicht, Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit, Sturzprophylaxe, Selbstständigkeit in der Mobilität
Selbstversorgung und Alltagskompetenz
ATL (z. B. Ankleiden, Waschen), IADL (z. B. Einkaufen, Telefonieren), Hilfsmittelbedarf
Wichtigste Befunde, Empfehlungen für Pflege und Therapie, Zielsetzungen
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Praktische Tipps zur Erstellung und Anwendung des Befunds
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Befunderstellung
Vorbereitung: Alle relevanten Unterlagen, Vorbefunde und Medikamente bereitlegen. Angehörige oder Bezugspersonen einbeziehen.
Anamnese: Medizinische Vorgeschichte, aktuelle Beschwerden, Lebensumstände und Ressourcen erheben.
Körperliche Untersuchung: Mobilität, Kraft, Gleichgewicht, Gelenkfunktionen, Schmerz und Hautzustand prüfen.
Funktionelle Tests: Standardisierte Assessments (z. B. Barthel-Index, Tinetti-Test, MMSE) durchführen.
Kognitive und emotionale Einschätzung: Orientierung, Gedächtnis, Stimmung und psychosoziale Situation erfassen.
Ernährung und Medikation: Ernährungsstatus, Trinkverhalten und Medikamentenplan überprüfen.
Zusammenfassung: Wichtigste Befunde und Risiken benennen, Ressourcen und Ziele festhalten.
Empfehlungen: Konkrete Vorschläge für Therapie, Pflege, Hilfsmittel und weitere Diagnostik formulieren.
Evaluation: Regelmäßige Überprüfung und Anpassung des Befunds und der Maßnahmen.
Fazit
Ein moderner geriatrischer Befund ist die Basis für eine individuelle, ganzheitliche und zielgerichtete Versorgung älterer Menschen. Er fördert die Selbstständigkeit, deckt Risiken auf und gibt wertvolle Hinweise für die Therapieplanung – immer mit dem Ziel, die Lebensqualität im Alter bestmöglich zu erhalten46.
Zusammenfassung und Empfehlungen: Was tun mit den Befunden?
Nach der Befunderhebung werden die wichtigsten Ergebnisse verständlich zusammengefasst. Daraus leiten sich konkrete Empfehlungen für die weitere Pflege, Therapie und Alltagsgestaltung ab. Diese Empfehlungen sind praxisnah, individuell und berücksichtigen sowohl die medizinischen als auch die psychosozialen Bedürfnisse der Patient:innen. Besonders wichtig ist die enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten, um Überforderung zu vermeiden und Ressourcen optimal zu nutzen47.
Eine erfolgreiche geriatrische Versorgung lebt von der Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen: Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege, Ärzt:innen und – je nach Bedarf – auch Sozialarbeit, Logopädie oder Ernährungsberatung. Jede Profession bringt ihre spezifischen Kompetenzen ein. Gemeinsam werden Ziele festgelegt, Maßnahmen abgestimmt und der Therapieerfolg regelmäßig überprüft48. Die interprofessionelle Zusammenarbeit umfasst regelmäßige Fallbesprechungen, gemeinsame Zielsetzung und Evaluation. Wissenschaftliche Studien belegen, dass interdisziplinäre Teams die Versorgungsqualität und das Wohlbefinden älterer Menschen signifikant verbessern49.
Warum sind geriatrische Befunde so wertvoll?
Geriatrische Befunde sind die Grundlage für eine individuelle, bedarfsgerechte und erfolgreiche Behandlung im Alter. Sie ermöglichen eine gezielte Therapieplanung, die auf die persönlichen Bedürfnisse und Ressourcen der Patient:innen eingeht. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und die Teilhabe am sozialen Leben so lange wie möglich zu erhalten50. Metaanalysen zeigen, dass geriatrische Befunde und ein umfassendes Assessment die Institutionalisierungsrate senken, die Funktionsfähigkeit erhalten und die Lebensqualität verbessern. Besonders hervorzuheben ist die nachweisliche Reduktion von Mortalität und Delir-Risiko durch CGA-adaptierte Behandlung51.
Vorbeugung von Stürzen, Pflegebedarf und Isolation
Ein strukturierter geriatrischer Befund hilft, Risiken wie Stürze, Pflegebedarf und soziale Isolation frühzeitig zu erkennen. Durch gezielte Präventionsmaßnahmen, individuell abgestimmte Trainingsprogramme und die Einbindung von Angehörigen können viele negative Entwicklungen im Alter vermieden oder verzögert werden52.
Befundvorlage: So einfach geht’s
Für die praktische Anwendung steht eine erprobte Befundvorlage zur Verfügung. Sie kann als PDF oder Word-Datei heruntergeladen und individuell angepasst werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung unterstützt bei der Erstellung und Auswertung des geriatrischen Befunds – von der Erhebung bis zur Ableitung konkreter Maßnahmen53.
Fazit: Geriatrische Befunde – unverzichtbar für Lebensqualität
Geriatrische Befunde sind ein zentrales Instrument, um die Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alter zu sichern. Sie ermöglichen eine gezielte, individuelle und erfolgreiche Behandlung und fördern die Teilhabe am sozialen Leben. Sie motivieren Patient:innen, Angehörige und Therapeut:innen, gemeinsam an den Zielen zu arbeiten und das Leben im Alter aktiv zu gestalten54.
Anhang: Erläuterung zum geriatrischen Befund
Allgemeinzustand Der Allgemeinzustand beschreibt den körperlichen und geistigen Gesundheitsstatus der Patient:innen. Hierzu zählen die Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Atmung, Temperatur), der Bewusstseinszustand sowie Sprache, Mimik und Stimmung. Diese Basisparameter geben einen ersten Eindruck von Belastbarkeit, Wohlbefinden und möglichen akuten oder chronischen Problemen55.
Mobilität und Körperliche Funktion In diesem Abschnitt werden die Fähigkeiten zur selbstständigen Fortbewegung und körperlichen Aktivität beurteilt. Erfasst werden Gangbild, Gleichgewicht, Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit, Sturzprophylaxe und die Selbstständigkeit in der Mobilität. Standardisierte Tests wie der Tinetti-Test, der Timed Up and Go Test und die Handkraftmessung liefern objektive Daten zum Sturzrisiko und zur funktionellen Leistungsfähigkeit56.
Selbstversorgung und Alltagskompetenz Hier steht die Fähigkeit im Mittelpunkt, Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) wie Waschen, Ankleiden, Essen und Toilettengang eigenständig zu bewältigen. Instrumentelle Aktivitäten (IADL) wie Einkaufen, Kochen, Haushaltsführung und Telefonieren werden ebenfalls berücksichtigt. Der Hilfsmittelbedarf wird erhoben, um die Selbstständigkeit optimal zu unterstützen. Objektive Instrumente wie der Barthel-Index und der FIM-Score helfen, die Alltagskompetenz zu erfassen57.
Kognition und Gedächtnis Die kognitive Leistungsfähigkeit wird durch die Prüfung von Orientierung (Zeit, Ort, Person), Gedächtnisleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit beurteilt. Standardisierte Tests wie der Mini-Mental State Examination (MMSE) und der Uhrentest dienen der systematischen Erfassung kognitiver Defizite. So können Unterstützungsbedarf und Frühzeichen einer Demenz frühzeitig erkannt werden58.
Emotion und Psychosoziales Erfasst werden Stimmungslage, Motivation, soziale Kontakte und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Hinweise auf Depression, Angst oder soziale Isolation werden dokumentiert, um frühzeitig psychosoziale Interventionen einzuleiten. Die psychosoziale Situation ist ein zentraler Bestandteil des ganzheitlichen geriatrischen Befunds59.
Schmerz und Symptome Die Lokalisation, Intensität und Qualität von Schmerzen werden systematisch mit Hilfe von Skalen wie der numerischen Ratingskala (NRS) oder der visuellen Analogskala (VAS) erfasst. Weitere Symptome wie Atemnot, Schwindel oder Inkontinenz werden ebenfalls dokumentiert, um ein umfassendes Bild der gesundheitlichen Situation zu erhalten60.
Ernährung und Allgemeinzustand Der Ernährungszustand wird anhand von Körpergewicht, Body-Mass-Index (BMI), Gewichtsverlauf, Appetit und Flüssigkeitszufuhr beurteilt. Schluckstörungen und Mangelernährung werden durch standardisierte Screenings wie das Mini Nutritional Assessment (MNA) erkannt. Eine gute Ernährung ist entscheidend für die allgemeine Gesundheit und die Genesung61.
Medikation Alle regelmäßig oder bedarfsweise eingenommenen Medikamente werden dokumentiert. Besonderes Augenmerk gilt Polypharmazie, möglichen Wechselwirkungen und der korrekten Einnahme. Die Medikation wird regelmäßig überprüft, um Risiken zu minimieren und die Wirksamkeit zu sichern62.
Weitere Domänen (optional) Je nach individueller Situation können weitere Bereiche ergänzt werden, z. B. Hautzustand und Wundmanagement, Schlafqualität, Seh- und Hörvermögen sowie Schluckfunktion und Mundgesundheit. Diese ergänzenden Domänen tragen zu einem noch umfassenderen Bild bei und helfen, spezifische Probleme zu erkennen und zu behandeln55.
Zusammenfassung und Empfehlungen Am Ende des Befunds werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst. Empfehlungen für Pflege, Therapie und Alltagsgestaltung werden praxisnah formuliert. Dabei werden sowohl Risiken als auch Ressourcen berücksichtigt, um individuelle Zielsetzungen zu definieren und die Versorgung optimal zu gestalten63.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Befunderstellung Eine strukturierte Vorgehensweise erleichtert die Erstellung des geriatrischen Befunds:
Vorbereitung aller relevanten Unterlagen und Einbeziehung von Angehörigen oder Bezugspersonen.
Durchführung der Anamnese und Erhebung der medizinischen Vorgeschichte sowie der Lebenssituation.
Körperliche Untersuchung inklusive Mobilität, Kraft, Gleichgewicht, Gelenkfunktionen und Schmerz.
Anwendung standardisierter funktioneller und kognitiver Tests.
Erfassung der psychosozialen Situation, Ernährung und Medikation.
Zusammenfassung der Befunde, Festlegung von Empfehlungen und Zielen.
Interdisziplinäre Abstimmung und Planung regelmäßiger Evaluationen64.
Diese strukturierte und umfassende Befunderhebung ist die Grundlage für eine individuelle, ganzheitliche Versorgung und trägt maßgeblich zur Erhaltung der Lebensqualität im Alter bei.
Bewertung: Warum eine gründliche Befundung unverzichtbar ist
Für mich ist klar: Jede Befundung sollte ausführlich, schriftlich und mit maximaler Aufmerksamkeit erfolgen. Wer nur oberflächlich oder „nebenbei“ befundet, riskiert, wichtige Details zu übersehen – und verpasst die Grundlage für eine wirklich zielführende Therapie. Eine gute Befundung ist mehr als das bloße Sammeln von Daten: Sie ist ein aktiver Prozess des genauen Hinschauens, Zuhörens und Bewertens. Alle relevanten Aspekte – medizinisch, funktionell, kognitiv, emotional und sozial – müssen gründlich betrachtet werden. Erst die schriftliche Dokumentation sichert die Nachvollziehbarkeit und ermöglicht die Zusammenarbeit im Team.
Die Gefahr des Verzichts auf Befundung
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum zu glauben, dass man ohne eine gründliche Befundung auskommen kann, weil man viel Erfahrung hat oder aus Zeitmangel. Das wäre so, als wollte man einen Marathon ohne Training laufen – man riskiert Verletzungen, Überforderung und letztlich das Scheitern. Genauso führt eine unzureichende Befundung dazu, dass wichtige Details übersehen werden, die für eine erfolgreiche Therapie entscheidend sind. Ohne eine klare, schriftliche und bewertende Befundung fehlt die Grundlage, um individuelle Ziele zu setzen und passende Maßnahmen zu planen.
Befundung ist mehr als Diagnose
Eine Befundung endet nicht mit der Diagnose. Vielmehr ist sie der Ausgangspunkt, um gemeinsam mit Patient:in und Team Ziele zu formulieren und konkrete Maßnahmen zu planen. Die Bewertung der erhobenen Daten im Ganzen ist entscheidend: Was bedeuten die Testergebnisse, die Beobachtungen, die Aussagen der Patient:in im Zusammenhang? Erst aus dieser Gesamtschau lassen sich sinnvolle, individuelle Therapieziele und nächste Schritte ableiten.
Beispiele: Von der Befundung zu Zielen und Maßnahmen
Beispiel Mobilität: Die Befundung ergibt eine deutliche Gangunsicherheit und reduzierte Muskelkraft. Ziel: Sturzprophylaxe und selbstständiges Gehen in der Wohnung. Maßnahmen: Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining, Anpassung von Hilfsmitteln, Schulung im sicheren Umgang mit Gehhilfen.
Beispiel Alltagskompetenz: Im Barthel-Index zeigt sich, dass das Ankleiden und die Nahrungsaufnahme nur mit Hilfe gelingen. Ziel: Erhalt und Förderung der Selbstständigkeit bei den Aktivitäten des täglichen Lebens. Maßnahmen: Ergotherapeutische Übungen, Anpassung von Hilfsmitteln, Einbeziehung von Angehörigen.
Beispiel Kognition: Die kognitiven Tests deuten auf eine beginnende Demenz. Ziel: Orientierung und Tagesstruktur erhalten. Maßnahmen: Gedächtnistraining, Einführung von Erinnerungshilfen, Beratung der Angehörigen.
Beispiel Schmerz: Die Schmerzskala zeigt chronische Schmerzen, die die Bewegung einschränken. Ziel: Schmerzreduktion und Verbesserung der Lebensqualität. Maßnahmen: Anpassung der Medikation, physiotherapeutische Schmerzbehandlung, Entspannungstechniken.
Fazit
Eine gründliche, schriftliche und bewertende Befundung ist die Basis jeder guten Therapie. Sie verlangt volle Aufmerksamkeit, Klarheit und die Bereitschaft, alle Aspekte des Menschen in den Blick zu nehmen. Nur so entstehen individuelle, realistische Ziele und Maßnahmen, die wirklich etwas bewirken.
„Ich selber übe noch heute das Verfeinern beim Befunden“
Blick in die Zukunft: Befundungen werden immer wichtiger
In Zukunft werden strukturierte und umfassende Befundungen noch an Bedeutung gewinnen. Die demografische Entwicklung, zunehmende Multimorbidität und der Anspruch auf individuelle, evidenzbasierte Therapie machen es unerlässlich, alle relevanten Aspekte systematisch zu erfassen und zu bewerten. Digitale Dokumentation, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Nutzung moderner Technologien werden den Stellenwert der Befundung weiter erhöhen.
Methoden und Tools, die Befundungen erleichtern
Digitale Befundbögen und Apps: Elektronische Dokumentationssysteme ermöglichen eine strukturierte, schnelle und fehlerarme Erfassung aller Befunddaten. Sie bieten Checklisten, automatische Auswertungen und erleichtern die interdisziplinäre Kommunikation55.
Standardisierte Assessment-Instrumente: Validierte Skalen und Tests wie Barthel-Index, FIM, MMSE, Tinetti-Test oder Geriatrische Depressionsskala sorgen für Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit.
Wearables und Sensorik: Moderne Sensoren und Smartwatches messen Bewegungsdaten, Herzfrequenz, Schlaf und Aktivität im Alltag und liefern objektive Zusatzinformationen für die Befundung56.
Interdisziplinäre Plattformen: Digitale Tools ermöglichen den Austausch von Befunden, Zielen und Maßnahmen zwischen Ärzt:innen, Therapeut:innen und Pflegekräften – auch standortübergreifend.
Sprach- und Texterkennung: Innovative Softwarelösungen erlauben die schnelle Dokumentation per Spracheingabe und automatischer Textstrukturierung.
KI-gestützte Analysen: Künstliche Intelligenz kann helfen, Auffälligkeiten in großen Datenmengen zu erkennen, Risiken vorherzusagen und Therapieempfehlungen zu unterstützen57.
Mein Ausblick
Wer die Chancen moderner Methoden nutzt, kann Befundungen effizienter, genauer und patientenzentrierter gestalten. Entscheidend bleibt jedoch: Die beste Technik ersetzt nicht das aufmerksame, empathische und kritische Hinsehen und Bewerten. Befundung bleibt immer eine Kernkompetenz – heute und in Zukunft.
Fußnoten
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Im März 2023 ist ein Artikel in der internationalen Zeitschrift für Forschung in physikalischer Medizin und Rehabilitation erschienen, der sich mit den Entspannungstechniken bei der Rehabilitation des Trapezmuskels bei Patienten mit chronischen Nackenschmerzen beschäftigt1.
Hintergrund
Das Robert-Koch-Institut schreibt2: „Rücken- und Nackenschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und können die Lebensqualität bei einem Teil der Betroffenen deutlich mindern… Es zeigt sich, dass 61,3 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten von Rückenschmerzen berichten…15,5 % der Befragten berichten von chronischen Rückenschmerzen… 45,7 % (gaben) an, dass sie im vergangenen Jahr Nackenschmerzen hatten.“
Neben der häufigen Überlastung sind mechanische Funktionsstörungen ein häufiger Grund für Fehlbewegungen. Diese werden durch eine Minderung der Koordination hervorgerufen. In der Folge kommt es zu Nackenbeschwerden und zu einer Minderung der Beweglichkeit.
Die Studie
Es wurde die Wirksamkeit zweier Techniken bei stationären chronischen Nackenschmerzen verglichen.
20 PatientInnen mit chronischen Nackenschmerzen im Alter von 35 bis 55 Jahren wurden nach dem Zufallsprinzip in eine von zwei Gruppen zugeordnet.
Ausgeschlossen wurden im voraus PatientInnen mit:
Traumata
Frakturen im Nacken, oberen Rücken oder der Schulter
Chirurgische Eingriffe im Nacken, oberen Rücken oder der Schulter
Hauterkrankungen im Trapeziusbereich
Patienten mit Spondyloarthritis, lumbaler Spinalkanalstenose oder Skoliose
Active Release-Technik (10 Teilnehmer im Durchschnittsalter 46 Jahre)
Active-Release-Technik: Der Patient sitzt auf einem Hocker. Die Hände sind auf dem Oberschenkel parkiert. TherapeutIn stabilisiert die Schulter mit der Hand von hinten. Der Hals wird gestreckt. Der empfindliche Bereich des Trapezmuskel wird mit dem Daumen berührt mit dem Ziel einer Dehnung mit tiefer Spannung. Der Patient beugt und dreht den Hals zu beugen. Drei bis fünf Wiederholungen.
Anschließend Heißpackung für 20 Minuten.
Myofasziale Release-Technik (10 Teilnehmer im Durchschnittsalter 46 Jahre)
Myofasziale Release-Technik: Der Patient sitzt aufrecht auf einem Stuhl. Die Hände sind auf dem Oberschenkel parkiert. TherapeutIn übt mit dem Unterarm und/oder ulnarer Rand der Handfläche Druck aus und zum gleitet in Richtung Halsbasis und/oder in Richtung obere Schulterblattregion. PatientIn beugt und dreht den Kopf entgegengesetzt. Drei bis vier Wiederholungen.
Anschließend Heißpackung für 20 Minuten.
Es wurden drei Sitzungen pro Woche in vier Wochen durchgeführt.
Messungen
Es wurden nach den Auswirkungen auf die Schmerzintensität und den Bewegungsumfang gemessen. Die Messungen fanden am Anfang und am Ende statt. Die Schmerzen wurden mit der Schmerzskala erfasst.
Die Bewegung wurde mit einem Maßband an einer Wand gemessen. Die in der Praxis übliche Messung mit einem Winkelmesser oder Sensoren wurde nicht angewendet.
Ergebnisse
Es gab Unterschiede zwischen den beiden Methoden hinsichtlich der Beugung (Flexion) und die Unterschiede begünstigten
Beweglichkeit
Beide Techniken wirken und es kommt zu einer Verbesserung. Die aktive Release-Technik wirkt besser.
Schmerzen
Beide Techniken wirken und es kommt zu einer Verbesserung. Die aktive myofasziale Release-Technik wirkt besser.
Fazit
Beide Techniken sind geeignet und sollten jeweils gezielt eingesetzt werden. Die aktive Release-Technik bei Einschränkungen der Beweglichkeit und die myofasziale Release-Technik bei Schmerzen.
Praxis
Es ist hier ein weiterer Nachwies gelungen, wie beide Techniken gezielt eingesetzt werden können. Neben den erwähnten Techniken gibt es selbstverständlich noch viele weitere Techniken. Im Einzelfall wird jeder Patient eine individuelle Therapie erhalten.
Ich nutze beide Techniken gezielt. Die Tiefenwirkung bei den Grifftechniken der Craniosakralen Therapie erhöht dabei die Sicherheit der geweblichen Reaktion maßgeblich. Das haben mir in meiner beruflichen Laufbahn schon viele Patienten bestätigen können. Zudem können spezielle Tiefenentspannungsprozesse, wie zum Beispiel der CV4-Griff, das vegetative Nervensystem direkt beeinflussen.
Das Zungenbein ist ein Knochen unter der Zunge. Welche Rolle hat es bei Nackenschmerzen und zervikogene Kopfschmerzen? In einer Untersuchung wurden der „Cervicogenic headache“. kurz CGH und die Rolle des Zungenbeines untersucht.
Inhaltsverzeichnis
Der Name des Zungenbein
Das Zungenbein ist ein kleiner Knochen am Mundboden unterhalb der Zunge. Es ist 2 bis 3 cm groß. In der embryonalen Entwicklung entsteht das Zungenbein aus den Knorpeln des 2. und 3. Kiemenbogens. Er hat die Form eines kleinen „u“. U-förmig heißt altgriechisch ῡ̔οειδής = (h)*yo(e)ides, denn das y wird im Griechischen υ geschrieben, wie i ausgesprochen und daraus entstand dann das Hyoideum.
*werden nicht mitgesprochen
Das Zungenbein ist ein Verbindungsknochen
Es hat keine gelenkigen Verbindungen wie die meisten restlichen Knochen im Körper. Es ist also nicht mit dem restlichen Skelett verbunden. Seine Verbindungen bestehen ausschließlich aus Muskeln und Bändern. Kleiner Nebenfakt: Viele anatomische Anschauungsmodelle verzichten auf diesen Knochen aus diesem Grund.
Zungenbein Funktion
Das Zungenbein ermöglicht das Atmen, Sprechen und Schlucken. Es dient der Kraftübertragung sowie Koordination zwischen Muskeln des Mundbodens und des Kehlkopfes.
50 Patienten mit zervikogenen Kopfschmerzen wurden nach dem Zufallsprinzip in die Studie aufgenommen. Es wurde ein Bewegungstest am Hals durchgeführt. Bei allen Patienten wurde eine Mobilisierung des Zungenbeins und eine Faszienentspannung durchgeführt. Der Bewegungsumfang der Halswirbelsäule wurde sowohl vor als auch nach dem Eingriff untersucht, und die Ergebnisse statistisch verglichen.
Ergebnisse
Es gab eine signifikante Verbesserung der Beugung, Streckung und Drehung im Hals.
Fazit
Die Mobilisierung des Zungenbeins und die Faszienrelaxationstechnik können den zervikalen Bewegungsumfang und die Ungleichheit (Asymmetrie) der zervikalen Bewegung verbessern. Dies führt zu einer funktionellen Verbesserung. Eine funktionelle Verbesserung bewirkt eine Verringerung der ursächlichen Spannung für den Kopfschmerz.
Weiterführende Gedanken
Das Zungenbein steht funktionell mit der Sprache und Expression des Individuums in Verbindung. Störungen im Ausdruck als auch in der Sprache, Atemrestriktion und Gefühle wie „der Hals ist wie zugeschnürt“ als auch andere Veränderungen der freien Entfaltung des Individuum verändern die vordere Spannung im Halsbereich. Der vordere und hintere Halsbereich sind neuronal direkt verschaltet, weshalb es unabdingbar ist dies in einer umfänglichen Therapie zu berücksichtigen.
Schon in den 70er Jahren wurden an den klassischen Systemen Mängel wahrgenommen. Das mechanische Modell war eindeutig unzulänglich. Die rein biologische und medizinische Herangehensweise integrierte wesentliche Faktoren nicht:
psychologische
geschlechtsspezifische
emotionale
kulturelle
soziale
Das heute vorherrschende biomedizinische Krankheitsmodell lässt keinen Raum für die sozialen, psychologischen und verhaltensbezogenen Dimensionen von Krankheit. Es wird ein biopsychosoziales Modell vorgeschlagen, das eine Blaupause für die Forschung, einen Rahmen für die Lehre und einen Entwurf für Maßnahmen in der realen Welt der Gesundheitsversorgung bietet.
Engel 1977{G L Engel: The need for a new medical model: a challenge for biomedicine. Science 08.04.1977 196(4286):129-36}
In der Realität betreffen Krankheiten und Leiden Menschen mit individuellen menschlichen Erfahrungen. Die Wissenschaft mit ihren pathologischen Dateneinheiten kann nur Teil der Erkenntnislehre sein.
Wenn Muskel-Skelett-Schmerzerkrankungen nicht mechanisch betrachtet werden, dann müssen viele weitere Faktoren bei der Therapie berücksichtigt werden:
kognitive
geschlechtsspezifische
psychologisch
soziale
kulturelle
Daraus ergibt sich ein umfangreiches Programm:
Patientenzentrierte Versorgung
Reduzierung von „Red Flag“-Bedingungen
Angst vor körperlicher Arbeit
Schon- und Vermeidungsverhalten
Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz
Depression
sozialer Rückzug
Passivität
Krankheitsfixierung
Doktor-Hopping
Einnahme zu vieler Arzneien
Bewertung psychosozialer Faktoren
Einsatz bildgebender Verfahren nur im Einzelfall
Vorrang der körperlichen Untersuchung
regelmäßig Re-Befundung, um den Patientenfortschritt zu ermitteln
geeignete Lehr-/Lernmethoden zu Aufklärung und Information
Analyse der körperlichen Aktivität/Bewegung
manuelle Therapie nur als Ergänzung zu anderen Behandlungen,
Priorisierung der konservativen Therapie gegenüber eines operativen Vorgehens.
Arbeitsfähigkeit erhalten
Das biopsychosoziale Modell sollte auch die Grundlage der internationalen Klassifizierung der Krankheiten in der Version zehn der Weltgesundheitsorganisation einfließen. Aber erst in der elften ist dies ansatzweise gelungen. Durch die fehlenden Kenntnisse mit der neuen Codierung und der Externalisierung der Kodierer ist der Erfolg auch der neuen Version mehr als fraglich.
Die Liste ist natürlich nur ein Ansatzpunkt und ersetzt keine echte Befundanalyse und -auswertung.
Für den langen Zeitraum von den 70er Jahren bis heute und der Wichtigkeit einer eindeutigen Therapieaussage für Menschen mit Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die vorliegenden Forschungen wirklich sehr gering. Die Datenlage ist mehr als dünn.
Eindeutig kann man aber eine Grundaussage treffen. Physiotherapeutinnen sowie Ärztinnen für Physikalische und Rehabilitative Medizin werden meistens für die Beurteilung und Behandlung von Muskel-Skelett-Erkrankungen aufgesucht. Bei allen ist in der Regel der Schmerz das vorherrschende Merkmal. Dies in den Fokus zu nehmen ist ein wichtiger erster Schritt. Dabei sind das subjektive Gefühl, die objektive Bewertung und die medizinischen Faktoren zu balancieren.
Physiotherapie ist funktional und kosteneffektiv bei der Beurteilung und Behandlung von Muskel-Skelett-Erkrankungen. In der Regel kommen dabei drei Komponenten zum Einsatz:
Das Sammeln von Daten in systematischen und standardisierten Prozessen liefert Erkenntnisse. Das sind empirische Belege. Alles, was offen sichtbar wird, ist evident.
Ist der Zusammenhang zwischen Maßnahme und Wirkung nachvollziehbar?
Liegen ausreichend Beweise und Erfahrungen vor?
Gibt es einen erbrachten Nachweis des Nutzens?
Dies betrifft
Durchführung: Art und Weise
Gewichtung der einzelnen Komponenten
Dies ist ein wissenschaftliches Paradigma. Der Mensch wird mechanisch betrachtet. Die individuelle Persönlichkeit spielt dabei keine Rolle.
Biopsychosozialer Ansatz
Der Mensch ist ein körperliches, fühlendes und beseeltes Lebewesen und lebt in einer ökologischen, sozialen Umwelt. Die biomedizinisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung versucht die Ergänzung um diese Faktoren. Dies wird als evidenzbasierter biopsychosozialer Ansatz bezeichnet.
Die vorherrschende aktuelle Humanmedizin strebte die gewissenhafte, explizite und umsichtige Nutzung der aktuell besten Evidenz an. Dies führte dann zu einer Entscheidung über die Versorgung einzelner Patienten.
Im biopsychosozialen Ansatz nicht explizit integriert sind ethische Grundsätze.
Theorie und Praxis
Die überwiegende Zahl der Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen befürworten den biopsychosozialen Ansatz. Auch wünschen sie sich weitere Forschungen zu diesem Thema.
In der klinischen Praxis wird sie in der Regel nicht angewendet. Gründe dafür sind:
Es fehlt die Zeit
Die Arbeitsbelastung ist oft sehr hoch
Die Vermittlung der Forschung in die Praxis fehlt
Hoher administrativer Aufwand und ungenügende Kodierungssysteme
Grundsätzlich ergibt sich daraus ein Widerspruch: Der Einsatz des biopsychosozialen Ansatzes verbessert die therapeutischen Erfolgsaussichten und doch fehlen die Instrumente der Umsetzung:
geeignete Fort- und Weiterbildungen nach erworbenem Berufsabschluss
Die Ausbildung und Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen
Die Überzeugung, dass Forschung und klinische Entwicklung nützlich sind
hohe Änderungsbereitschaft für effektivere Methoden
Hinderlich für die Umsetzung in die Praxis ist zudem auch die fehlende Forschung zu den Ergebnissen der Umsetzung.
Was ist die Kunst der Therapie? Sie ist die Bezeichnung für die höchste Kompetenz, die eine Therapeutin erreichen kann. Grundlegend wird umfassendes Fachwissen benötigt. Darüber hinaus gibt es noch viele Rahmenfaktoren. Sie spielen eine entscheidende Rolle. Ich zeige acht wichtige Punkte auf.
Inhaltsverzeichnis
8 Punkte
1. Qualität
Qualitätssicherungssysteme im Gesundheitssystem mit oder ohne Siegel sind Sicherungen gegen Qualitätslecks in einem Ablaufplan. Besser ist ein beständiges Monitoring durch eine Fachkollegin. Idealerweise wird durch Supervision und/oder Gruppentreffen die Ziele und Maßnahmen bei einzelnen Kolleginnen erörtert. Therapeutinnen nutzen solche Feedbacksysteme proaktiv.
2. Individuum
Codierungen im Gesundheitssystem dienen betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Für die Diagnose und Therapie sind sie nicht förderlich. Individuelle Personen mit gleicher Grunderkrankung haben Unterschiede in der Diagnose. Die Therapie muss das Individuum als auch die diagnostischen Feinheiten widerspiegeln.
3. Wissenschaft
Die wissenschaftliche Belegbarkeit gilt für bestimmte Therapien in Bezug zu einer Größe an Menschen. Sie sind nicht eins zu eins auf jeden Menschen anwendbar (erfahre mehr über individuelle Einflussfaktoren in meinem Artikel „wirksame Alternativen in der Traumatherapie„).
Wissenschaftliche Belegbarkeit
Wissenschaftliche Arbeiten dienen der Steigerung des gesicherten Wissens. Ich nutze diese in meinen Artikeln und in meiner täglichen therapeutischen Tätigkeit. Sie zeigen die Wirksamkeit verschiedener Anwendungen in der Therapie. Das Gelernte wird bewertet und in den Kontext des vorhandenen Wissens gestellt. Die Anwendung muss individuell geprüft werden.
Zu berücksichtigen ist auch, daß 68 Prozent der Forschung und Entwicklung in den OECD-Ländern durch die Industrie übernommen werden{Science Check in der Higgs Zeitschrift}.
4. Behandlungsschemata
Behandlungsschemata sind grobe Orientierungshilfe für die Berufsanfängerin. Mit Hilfe einer Fachkollegin wird ein solches Schema angepasst. Ziel eines Schemas ist die Verfeinerung und Differenzierung.
5. Personal
Ein Personalwechsel bei Urlaub und Krankheit ist teilweise nicht vermeidbar. Dies gilt aber nur für wirklich notwendige Therapien. Dann sollte eine persönliche Übergabe erfolgen in der idealweise beide Therapeutinnen gemeinsam therapieren.
Wie auch in anderen therapeutischen Bereichen sollte nach zwei oder drei Terminen eine Behandlungsvereinbarung getroffen werden. Ein Abbruch kann nur in gegenseitigem Einvernehmen statt finden.
6. Diagnose und Befund
Eine Behandlung auf Basis einer Heilmittelverordnung oder eines Rezepts ist nicht fachgerecht. Jede Patientin hat Anspruch auf einen Befund. Neben den technischen Daten ist ein ausführliches Gespräch wichtig. Hierbei werden verschiedene Kontexte, wie zum Beispiel auch psychosomatische oder psychosoziale, mit einbezogen. Es sollte für die Therapie ein Raum geschaffen werden, in dem sich die Patientin sicher und geborgen fühlt.
Die Befundaufnahme kann durchaus mehr als einen Termin beanspruchen. Re-Befundungen sichern den Therapieverlauf. Im Abschlussbefund wird erfasst, welche Ziele erreicht wurden.
7. Fehler auf der Verordnung
Nicht selten wird in einem Befund ein von der Verordnung abweichender Zustand festgestellt. Das erfordert eine entsprechende Information zur Ärztin oder anderem Fachpersonal. Es werden die datenschutzrechtlichen Notwendigkeiten berücksichtigt. Informationen der Patientinnen unterliegen der absoluten Verschwiegenheit.
8. Zeit
Eine Therapieeinheit benötigt schon aus rein motorischen Gründen mindestens 60 Minuten. Aber auch andere Verfahren sind nicht schnell und sicher durchzuführen.
Lehr- und Lernverfahren
Viele Patientinnen fühlen sich in der Therapie nicht verstanden. Vielleicht ist Dir das auch schon mal so gegangen. Die Gründe dafür sind sehr einfach: Jeder blickt aus seinem Winkel und erklärt ein und Dasselbe ganz unterschiedlich. Die Mediziner schauen auf die medizinischen Parameter, die Therapeutinnen auf objektive Daten, und die Patientin erlebt das eigene Empfinden.
Da liegt es fast schon in der Natur der Sache, dass es hier zu Differenzen kommt. Kommen dann noch Fehler in der Vermittlung von Informationen dazu, wird die Schräglage noch größer. Und nicht selten fallen sprichwörtlich Patientinnen einfach „hinten runter“. Ich setze mich deshalb für mehr Kompetenz in der Diagnose und Therapie ein:
Die Aussage von Patientinnen ist vollumfänglich aussagekräftig, wenn die Therapeutin ihre Sprachkompetenz entsprechend ausbildet.
Es gibt viele geeignete Fragetechniken und Erklärungsmodelle, die Therapeutinnen erlernen können.
Kommunikationskompetenz in der Diagnose und Therapie
Die Erwartung von Patientinnen fachlich korrekt geführt zu werden ist absolut verständlich.
Therapeutinnen können geeignete Lehr-/Lernverfahren erwerben.
Von einer Patientin kann ich nicht erwarten, dass sie subjektive Empfindungen objektiviert. Du siehst weiter unten, warum das auch gar nicht möglich ist. Du brauchst in der Therapie, in der Übung und im Training nur die Bereitschaft, Dich auf eine therapeutische Reise einzulassen. Und nicht wenige Patientinnen berichten mir, dass ihnen das ganz neue Lebensräume erschlossen hat.
Subjekt und Objekt
Das subjektive Empfinden, die objektive Wahrnehmung und die medizinischen Parameter stehen in einer Beziehung. Aber wir können sie nicht gleichsetzen. Diesen Fehler machen nicht nur Laien, sie ist besonders auch bei Gesundheitsprofis zu beobachten.
REINER SCHWOPE
Entwickelt wurde das Modell für Patientinnen mit Herz-/Kreislauferkrankungen. Ich nenne es die therapeutische Triangel. Das Grundprinzip ist für jede Therapie, Gymnastik, Übung oder Training geeignet. Ich erkläre Dir erstmal, wie es bei Patientinnen mit Herzerkrankungen eingesetzt wird.
Es besteht grundsätzlich die Schwierigkeit das subjektive Empfinden zu den objektiven Wahrnehmungen (und medizinischen Parametern) einzustufen. Deshalb brauchte es ein Mittel genau das zu tun. Wir nutzen Befragungen und Skalen. Nicht selten führen Patientinnen auf Empfehlung ein Tagebuch ihrer Empfindungen. Das erhöht die Informationsdichte für die Therapeutin deutlich.
Bei einem Ausdauertest und/oder Ausdauertraining wird nach einer bestimmten Zeit (meistens sechs oder zehn Minuten) gefragt, wie anstrengend das ist. Die meisten kennen bestimmt den Ausdauertest auf einem Standfahrrad (Ergometer). Zur Beurteilung der Anstrengung hat sich hier die Borg-Skala bewährt:
Bei einem großen Querschnitt gesunder Menschen multiplizierst Du einfach mit zehn, und Du hast die wahrscheinliche, dazu passenden Herzfrequenz. Diese lässt sich auch noch einfach messen, indem der Puls getastet wird oder eine Manschette Blutdruck und Pulswert misst.
Die objektive Therapeutin kann nun Messungen durchführen:
Herzfrequenz
Laktat im Blut: Das ist die Milchsäureausschüttung bei Energieproduktion ohne Sauerstoff
Blutdruck
Atemfrequenz
Atemtiefe
Sauerstoffsättigung
Messung und Aufzeichnung von Parametern der Lungenfunktion (Spirometrie)
Ergänzend nimmt die Therapeutin andere sichtbare Zeichen auf:
Hautdurchblutung/Schwitzen
Atemtechnik/Sprechvermögen
Bewegungsausführung
Das subjektive Empfinden der Patientin und die objektive Wahrnehmung werden nun im Kontext der medizinischen Daten (der Diagnose und verschiedenen Testverfahren) übereinander gelegt. Die Ergebnisse können unglaublich weit auseinander liegen. Denn es gibt krankheitsbedingte und psychologische{„Psychophysical bases of perceived exertion.“(BORG, G.)Medicine and Science in Sports and Exercise 1982 14 (5), S. 377–381} Einflussfaktoren, die unsere Wahrnehmung und Leistungsabgabe merklich beeinflussen.
Die natürliche Verzerrung unserer Wahrnehmung
Die Reize und Reaktionen in Deinem Körper unterliegen bewussten, halbbewussten und unterbewussten Verarbeitungsmustern. Diese können wir nur sehr begrenzt beeinflussen. Die Veränderung der Verarbeitungsmuster benötigt auch noch viel Zeit. Sie kann nur durch Therapie, Übung und Training erreicht werden kann. Einfluss haben natürlich auch Unfälle, Lebensschicksale und Erkrankungen. Wir sind Individuen, und so verarbeiten wir Reize. Ohne Reizsetzungen verändern sich keine Verarbeitungsmuster.
Es erfordert also gezielte Hilfen, wie zum Beispiel die Borg-Skala, um das subjektive Empfinden soweit zu objektivieren, dass es „messbar“ wird.
Individuelle Therapie!
Deine subjektive Wahrnehmung in der Therapie muss analysiert werden, damit wir sie verstehen und die Therapie entsprechend anpassen können. Die Therapeutin hat die Aufgabe dies individuell in der Therapie durchzuführen.
Exakte Steuerung führt zum Ziel!
Nochmal kurz zurück zu einer Herzpatientin: Will man nun eine Patientin maßvoll üben/trainieren, dann erfordert das wirklich eine genaue Steuerung. Aus dem Ergebnis des Leistungstest wird unter Berücksichtigung des subjektiven Leistungsvermögen ein Übungsplan erstellt.
Ein einfaches Beispiel
Die Patientin A empfindet die Leistung als „sehr leicht“ ist aber nach den medizinischen Werten bei 13 („etwas schwer“). Die Therapeutin hilft die Körperwahrnehmung zu sensibilisieren und die Leistungsanforderung in den Fokus zu nehmen. Bei gleichem 13er medizinischen Wert empfindet Patientin B die Anstrengung als „sehr, sehr schwer“. Hier sucht die Therapeutin nach Gründen und hilft der Patientin diese gezielt anzugehen. Beide Beispiele sind natürlich eine grobe Vereinfachung.
In der Übung wird jeder Patientin dann ein eigener Plan erstellt. Es ist ein exakter Widerstand in einer bestimmten Geschwindigkeit für eine bestimmte Zeit zu halten. Hier ein Beispiel: Dauertechnik auf dem Ergometer mit 50 Watt für 10 Minuten Tempo 80 Umdrehungen.
Man muss es quasi auf den Punkt bringen. Will man nun bei der gleichen Frau die Fettverbrennung anregen, sind die Daten anders: 30 Minuten 15 Watt Tempo 60 Umdrehungen. Die Werte variieren im Verlauf der Therapie. Regelmäßige meist wöchentlich Re-Befundungen sind dafür nötig. Unterschiede in der Tagesform werden trotzdem berücksichtigt.
Doch neben den Zielen ist es genauso wichtig die individuellen Parameter mit einzubeziehen. Erst im Prozess der Zeit, also des Übens oder Trainierens steuert man langsam in Richtung der objektiven Parameter. Die Begleitung ist also ein zentraler Bestandteil in der Therapie.
Effektive Übung/Training erfordert exakte Dosierung. Das Einbeziehen der individuellen Empfindungen ist sehr wichtig. Eine Übung, eine Gymnastik oder ein Training sind idealerweise genau so angepasst, das sie Dir entspricht. Landläufig sagen wir dann gern: Trainiere im grünen Bereich. Wir führen den Körper aus der „Komfortzone“ heraus ohne ihn zu überfordern. Diese Steuerung erfordert viel Feingefühl. Therapie, Übung und Training darf und muss den Körper genau da „kitzeln“, wo das Ziel liegt.
Was ist mit den anderen motorischen Bereichen?
Am Beispiel der Ausdauer konnte ich Dir zeigen, wie eine exakte individuelle Übung- und Trainingssteuerung funktioniert. Nun, auch wenn sich die Parameter ändern, das Prinzip bleibt für alle motorischen Beanspruchungen gleich:
Flexibilität („Dehnfähigkeit“ und Gleitfähigkeit der Strukturen)
Koordination
Intramuskulär (in einem Muskel)
Extramuskulär (mehrere Muskeln)
Ganzkörper/Körperteile (Bewegungsmuster)
Gleichgewicht
Kraft
Schnelligkeit
Bevor ich auf die Anwendung im Bereich der Therapie komme möchte ich noch eine andere Frage beantworten:
Trainingssteuerung in der „Fitnessindustrie“ und im Breitensport
Fachleute kennen im Prinzip keine Fitness. Und Breitensport dient der Breite der Bevölkerung. Es ging bei den historischen Entscheidungen (Beispiel Trimm-Dich 130 Bewegung) mehr um eine Massenbewegung. Die Masse sollte sich mehr bewegen. Egal wie und wie effektiv. Und im Fitnessstudio möchte man das Anforderungsprofil auch nicht zu hoch ansetzen, denn damit holt man seinen Kundinnen durchaus aus einer „Komfortzone“.
Fitness
Fitness wird im Allgemeinen das körperliche und oft auch geistige Wohlbefinden verstanden. Es ist das Vermögen aus, im Alltag leistungsfähig zu sein und Belastungen standzuhalten.
Steuerung in der Therapie
In der Therapie ist die Steuerung nochmal deutlich komplexer als beim Üben oder im Training. Auf Basis der ärztlichen Diagnose wird ein detaillierter Befund erstellt. Jede Patientin ist mit ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele einzigartig. Die sehr differenzierten therapeutischen Ziele müssen mit individuellen Maßnahmen ausgeführt werden. Dabei ist das aufmerksame Wahrnehmen, sich Zeit nehmen und selber in Ruhe sein unabdingbar.
Es gibt viele Befindungen zu berücksichtigen. Denken wir an den Schlaf, wie erholt wir sind oder ob wir voller Tatendrang sind. All dies muss individuell erfasst werden. Ein besonders Befinden wird noch genauer beleuchtet. Es ist der Schmerz. Der Schmerz ist ein wichtiges Signal des Körpers und/oder der Seele.
Schmerzen
Besonders das Schmerzempfinden ist in der Therapie zu berücksichtigen. Deshalb wird die Schmerzquantität und -qualität genau erfasst. Sie wird zeitlich Verlauf erfasst. Dadurch kann man den Verlauf oder die Therapie kontrollieren.
Schmerzintensität
Wie stark ist der Schmerz? Zur Erfassung kann eine Schmerzskala verwendet werden.
Therapie findet grundsätzlich im schmerzfreien Bereich statt. Es gibt nur sehr wenige begründete Ausnahmen. Beispiele sind die Triggerpunktbehandlung, Bindegewebsmassage und das Training bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit.
Schmerzqualität
Schmerzen sind primär sensorische Wahrnehmungen. Sie sind stechend, brennend, drückend, ziehend, pochend, hämmernd, pulsierend, schneidend,… und werden von den Schmerzrezeptoren vermittelt. Die als Nozizeption bezeichnete Schmerzwahrnehmung gibt Hinweise auf die Ursache für die Krankheit (Ätiologie). Sind die Nerven selber betroffen, dann handelt es sich um neuropathische Schmerzen. Sie sind häufig kribbelnd, brennend oder elektrisierend.
Schmerzkontexte und Affekt
Schmerzintensität und Schmerzqualität werden zudem in einen Kontext mit den Alltagsaktivitäten, der Schlafqualität, den Stimmungen und der Belastung erfasst.
Die Schmerzen führen zu einer Veränderung der Gemütslage (Affekt). Wir empfinden Schmerzen als heftig, quälend, lähmend, vernichtend. Aus diesem Grund wird auch erfasst, wie der Schmerz toleriert wird.
Schmerzakzeptanz
Schmerzen und die Schmerzwahrnehmung werden grundsätzlich nicht manipuliert! Schmerzen sind Zeichen einer krankhaften Veränderung, einer Überbelastung oder einer geweblichen Veränderung.
Im Einzelfall kann eine Schmerzschulung erforderlich sein. Ein leicht ziehender Schmerz bei einem Training der peripheren lokalen Ausdauer bei Zustand einer peripheren Durchblutungsstörung ist zielführend. Eine Schmerzunterdrückung zum Beispiel durch Medikamente ist bei Überlast nicht günstig.
In der Praxis hat sich das Führen eines Schmerztagebuches bewährt. Wichtig ist auch die Berücksichtigung einer Schmerzmedikation.
Schmerzlokalisation
Wo im Körper ist der Schmerz?
Es werden die schmerzhaften Areale und die ausstrahlenden Schmerzen notiert.
Wachstumsschmerzen, Frakturen, Fissuren, Osteoporose, Osteochondrome, Osteosarkome, multiples Myelom bzw. Plasmozytom
Veränderungen bei einer Erkrankung
Weiter oben bin ich von einer regulären und in gewisser Weise vorhersagbaren Triangel ausgegangen. Merkmal einer Erkrankung ist aber die Veränderung der Vorhersagbarkeit. Die „gesunde“ Einheit von subjektiven Empfinden, objektiver Wahrnehmung und medizinischen Daten geraten mit der Erkrankung in ein zunehmendes Ungleichgewicht. Oder andersherum gesagt, das zunehmende Ungleichgewicht ist eins der wesentlichen Symptome einer Erkrankung.
Für eine patientenorientierte Therapie ist das Dreieck aus medizinischen Parametern, der objektiven Wahrnehmung und dem subjektiven Empfinden maßgebend.
Ein Trauma kann Dein Leben komplett verändern. Sicherheiten verlieren sich im Nirgendwo. Ruhe und Gelassenheit gehen in einen unergründbaren Warnzustand über. Du hast keine Kontrolle mehr! Traumatherapie hilft sowohl akut als auch längerfristig wieder in den Normalzustand zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
Auslöser
Typische Auslöser für ein Trauma sind das Erleben von körperlicher und seelischer Gewalt, zum Beispiel in Form von gewalttätigen Angriffen. Dafür ist die Traumatherapie entstanden. Im engeren Kreis gehört auch die sexualisierte Gewalt in Form von Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch dazu. Die Einschränkung der persönlichen Freiheit durch Entführung, Geiselnahme oder Gefangenschaft (insb. politisch und im Krieg) bis zu Folter und Konzentrationslager sind wie Katastrophen (natürliche oder durch Menschen verursachte) weitere Ursachen. Aber auch normale Unfälle oder die Diagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit können zu einem Auslöser werden.
Die Psychotraumatologie ist die Lehre der Folgen eines Traumas. Trauma stammt aus gem griechischen τραύμα/trawma und bedeutet Verletzung, Wunde. Die Folgen sind eine Kombination von körperlichen, neurologischen und psychischen Veränderungen. Traumatische Ereignisse haben auf das Erleben und Verhalten von Individuen und sozialen Systemen unterschiedlich starken Einfluss. Im Gegensatz zur allgemeinen Annahme ist nicht die Intensität sondern das individuelle Erleben ausschlaggebend.
Nicht jeder entwickelt nach einem Trauma eine Störung. Ungefähr jeder fünfte bleibt traumatisiert. Das nennt man dann fachlich korrekt eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Die Prävalenz ist in der Epidemiologie und medizinischen Statistik eine Kennzahl für die Krankheitshäufigkeit. Sie ist ursachenspezifisch etwa wie folgt{„S3 – LEITLINIE Posttraumatische Belastungsstörung ICD-10: F43.1″GUIDO FLATTEN, URSULA GAST, ARNE HOFMANN, CHRISTINE KNAEVELSRUD, ASTRID LAMPE, PETER LIEBERMANN, ANDREAS MAERCKER, LUISE REDDEMANN, WOLFGANG WÖLLER)202TRAUMA&GEWALT 5.Jahrgang Heft3/2011}:
50 % Kriegs-, Vertreibungs- und Folteropfer/Vergewaltigung
Die Intensität eines Ereignisses ist nicht ausschliesslich maßgebend. Gemäß dem diagnostischen und statistischen Handbuch psychischer Störungen (DSM-IV) liegt ein Trauma erst dann vor, wenn eine Person mit tatsächlichem oder drohendem Tod konfrontiert wurde, ernsthaft verletzt wurde, oder die eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit bedroht wurde, und sie in Folge intensive Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen verspürt.
Einteilung nach International Classification of Desease (ICD-11)
6B4Z Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind, nicht näher bezeichnet
6B4Z Störungen, die spezifisch Stress-assoziiert sind, nicht näher bezeichnet 6B43 Anpassungsstörung
QE51.0 Belastung in Beziehung mit Ehepartner oder Partner
QF21 Schwierigkeiten oder Bedarf an Unterstützung bei allgemeinen Lebensaufgaben oder Lebensführung
6D10.Z Persönlichkeitsstörung, Schwere nicht näher bezeichnet
Die Intensität erhöht nur die Wahrscheinlichkeit eines Traumaerlebnisses{„Results of hierachical regression analysis with trauma index and temperamental traitsas a predictor of PTSD“(Andrzej Eliasz, Andrzej Eliasz, Sarah E. Hampson, Boele de Raad)Advances in Personality Psychology S. 28 2005}. Kollegen vom Upledger Institut haben das bei Ihrem Einsatz in Bosnien bestätigt. Der aktuelle Ansatz stellt deshalb auch die Verarbeitungsmöglichkeit mehr in den Vordergrund. So können auch scheinbar belanglose Ereignisse zu einem Trauma führen.
Viele Patienten mit einem Trauma werden nicht erkannt. Es besteht immer noch die falsche Annahme, ein Trauma muss objektiv als Solches eingestuft werden können.
Bei den Traumata werden einmalige (zum Beispiel Unfall) als Typ I bezeichnet und wiederholende (zum Beispiel Misshandlungen) als Typ II.
Wirkungen
Akute Symptome sind Erinnerungslücken, Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Die Symptome sind individuell unterschiedlich. Eines eint sie: Das körperliche Erleben wird abgespalten. So entstehen somatoforme Störungen. Es kann ein Gefühl der Taubheit, körperliche Beschwerden bis zur Nichtexistenz eintreten. Dies betrifft Körperteile, Körperregionen oder den gesamten Körper. Viele haben dabei das Gefühl, nicht sie selbst zu sein (Depersonalisation). Oder sie sind der Welt entrückt/fern (Derealisation).
Traumatiefe
Denk-, Handlungs- und Verhaltensabläufe
Gefühl
Panik
zerfallen in weitgehend unkontrollierte Einzelerscheinungen
nicht angebunden, nicht orientiert und kann einfach nicht
Gefahr
nur mäßige Präsenz
defensiv, nur mäßig angebunden, man kann ohne Lust
Sicherheit
volle Präsenz
aktiv, angebunden und man kann mit Freude
Dies ist eine Vereinfachung der komplexen Mechanismen bei einem Trauma
Langfristig bekommen Viele Depressionen, eine Angststörung oder Suchterkrankung. Dies kann zu starken Dissoziationen (dissoziative Störungen) führen. Dissoziationen sind das Auseinanderfallen von psychischen Funktionen, die normalerweise zusammenhängen. Es können Schmerzsyndrome auftreten. Und letztendlich kann sich auch die gesamte Persönlichkeit verändern.
Dissoziative Störungen
6B61.0 Dissoziative Amnesie mit dissoziativer Fugue
6B61.Z Dissoziative Amnesie, nicht näher bezeichnet
6B62 Trance-StörungDissoziative Trance
6B64 Dissoziative Identitätsstörung
6B65 Partielle dissoziative Identitätsstörung
6E65 Sekundäres dissoziatives Syndrom
9C83.67 Dissoziative vertikale Divergenz
6B61.1 Dissoziative Amnesie ohne dissoziative Fugue
6B60.Z Dissoziative Störung mit neurologischen Symptomen
6D11.1 Distanziertheit bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
6D11.2 Dissozialität bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
6D11.3 Enthemmung bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
6D11.4 Anankasmus bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
6D11.0 Negative Affektivität bei Persönlichkeitsstörung oder -problematik
In Folge kann es auch zu Essstörungen oder Substanzabhängigkeit kommen. Gemütserregung oder Gefühlswallung können sich stark verändern. Diese Störungen der Affekte können weitreichende Folgen haben.
Weitere Störungen
C20.Z Körperstressstörung, nicht näher bezeichnet
EC90.4 Psychogener Pruritus
6B8YSonstige näher bezeichnete Fütter- oder Essstörungen
6B8ZFütter- oder Essstörungen, nicht näher bezeichnet
6C4G.6 Psychotische Störung durch unbekannte oder nicht näher bezeichnete psychoaktive Substanzen
6C4Z Störungen durch Substanzgebrauch, nicht näher bezeichnet
8A63.Y Krampfanfall durch sonstige näher bezeichnete akute Ursache
MB24.6Z Affektstörung, nicht näher bezeichnet
VV04 Emotionale Funktionen
6C90.0Z Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten und chronischer Reizbarkeit oder Wut, nicht näher bezeichnet Disruptive Affektregulationsstörung
6D10.Z Persönlichkeitsstörung, Schwere nicht näher bezeichnet Wechselhafter Affekt
MB24.60 Eingeschränkter Affekt
MB24.61 Stumpfer Affekt
MB24.62 Flacher Affekt
MB24.63 Labiler Affekt
MB24.64 Unangemessener Affekt
MB24.8 Gesteigerter Affekt
MB28.A Negative Affektivität
MD11.3 Atem anhaltenRespiratorische Affektkrämpfe
6E62 Sekundäres affektives Syndrom
Einige Traumapatienten entwickeln Suizidgedanken. Zwei Grundtendenzen sind in jedem Fall zu sehen: Die Verbindungsabnahme und der Aktivierung der Erregung
Soziale Verbundenheit nimmt ab Anstieg an Spannung
Zu den seelischen Problemen erhöht sich das Risiko für körperliche Erkrankungen. Wird eine posttraumatische Belastung chronisch, kommt es zu einer Stressaktivierung (Trauma assoziiert). Insbesondere ist dies für Herz-Kreislauferkrankungen und immunologische Erkrankungen belegt.
Chronisch
Chronos (griechisch Χρόνος Zeit) ist in der griechischen Mythologie die Personifizierung der Zeit. Chronische Krankheiten haben keinen klar bestimmbaren Ausgangspunkt, sondern entwickeln sich langsam und schleichend.
Die Physiologie der Veränderung
Die grundlegende Veränderung ist sehr tief in unserem Nervensystem platziert. Dort geht es um Zentren und Steuerungen, die weit ab der bewussten Kontrolle liegen. Die Bewegung (Motorik) können wir veranlassen, doch nur bedingt steuern. Der Einfluss auf die Bewegungsprogramme wie Gehen, Stehen und andere Alltags- und Gebrauchsbewegungen geht nur über Übung und Training. Im sensiblen Bereich haben wir nur noch einen sehr geringen Einfluss. Im vegetativen Nervensystems haben die meisten Menschen überhaupt keinen Einfluss mehr. Diese tief liegenden Automatiken sind gut geschützt vor unserem Einfluss. Und das ist im Prinzip auch gut so. Doch was tun, wenn es dort durch ein Trauma zu einer Störung kommt?
Therapie
Um diesen fehlenden Zugang in das somatische Erleben wiederzufinden, brauchen wir Hilfe. So, wie man bei einem Beinbruch eine Krücke braucht. Es ist eigentlich ganz einfach. In der modernen Medizin gibt es dafür folgende Empfehlung für eine Trauma adaptierte Therapie:
Akut
Bei Vorliegen einer Psychose (Halluzinationen, Wahn, Realitätsverlust oder Ich-Störungen) oder der Selbstgefährdung (akute Suicidalität) wird die stationäre Aufnahme in einer Psychiatrie empfohlen. Besteht eine solche Gefahr nicht, ist die ambulante Therapie oder eine Tagesklinik geeigneter.
Stabilisation & Information
Stabilisation
Basis der Therapie ist eine tragfähige therapeutische Beziehung zu einer (Traumatherapie-)erfahrenen Therapeutin oder Therapeuten. Wichtig ist als Erstes eine sichere Umgebung. Dabei sollte eine Selbst- und Fremdgefährdung vermieden werden. Mögliche Ressourcen beim Betroffenen (intrapersonell) als auch im sozialen Umfeld (interpersonell) werden aktiviert. Es werden Techniken zur Kontrolle negativer Gedanken und Emotionen vermittelt (intrusive Phänomene) und ggf. Distanzierungstechniken vermittelt.
Information
Die Vermittlung von grundlegenden (basalen) Informationen über traumatypische Symptome und Verläufe erfolgt durch geeignete Lehr-Lernverfahren (Psychoedukation). Dazu gehört auch die Aufklärung über die von Affektregulation sowie das Selbst- und Beziehungsmanagement (soziale Kompetenzen).
Es gibt eine Reihe von Therapieverfahren, die in der Traumabearbeitung klassisch eingesetzt werden. In der Basis geht es um die Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Traumaereignis. Einige Therapie legen den Fokus auf die Schonung, andere mehr auf die Konfrontation. Es gibt Ansätze das Gehirn bewusst zu manipulieren oder das Erlebnis neu zu überschreiben/ergänzen. Ein weiterer Fokus ist die Reduzierung der Auswirkung im Alltag.
Alle klassische Therapien in der Übersicht
Kognitive Verhaltenstherapie: Dosierte Konfrontation mit dem Trauma und bewusste Änderungen von Denk- und Verhaltensmustern.
Kognitive Therapie (nach Ehlers und Clark): Ungünstige Gedanken und Verhaltensweisen werden gemeinsam identifiziert und besprochen, damit sie durch günstigere Gedanken und Verhaltensweisen ersetzt werden können.
Langdauernde Konfrontation in sensu (nach Foa und Rothbaum): Wiederholte Erinnerung und Auseinandersetzung mit dem Trauma fördert eine Verarbeitung der Geschehnisse.
Langdauernde Konfrontation in vivo: Das Trauma wird nachgestellt oder der Patient begibt sich in objektiv gefährliche Situationen.
EMDR (nach Shapiro): Das „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ soll beide Gehirnhälften intensiv stimulieren. Dadurch werden blockierte oder nicht integrierte Erinnerungen an das Trauma „gelöst“ und verarbeitet.
Somatic Experiencing nach Peter Levine: Anhaltende (körperliche) Reaktionen auf das Trauma werden aufgegriffen und zu einer Lösung geführt.
Schonende Traumatherapie nach Martin Sack: Die Belastung der Patienten wird durch spezielle Techniken während der Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen möglichst gering gehalten.
Psychodynamische Psychotherapie: Es werden die unbewussten Wirkungen des Traumas auf den Patienten herausgefunden und behandelt.
Psychodynamische imaginative Traumatherapie (nach Reddemann): Es werden Vorstellungsbilder entwickelt, welche die traumatischen Symptome besser kontrollierbar machen und dadurch mehr psychische Stabilität geben.
Imagery Rescripting nach Smucker: Durch beruhigende Vorstellungsbilder wird die Bewältigung der traumatischen Erfahrungen erleichtert. Die Traumbilder werden „neu geschrieben“.
Narrative Konfrontation (narrative Expositionstherapie): Die getrennten Elemente des Traumas werden zu einer Geschichte zusammengefügt und in die eigene Lebensgeschichte integriert.
Life Review-Technik bei älteren Patienten (nach Maercker und Zöllner): Die Bilanz aus den positiven und negativen Erinnerungen wird in Gegenüberstellung gebracht.
Gestalttherapie: Die Wechselwirkung von Körper, Geist und Seele sowie der Kontakt in das soziale Umfeld werden in Zusammenhang gebracht.
Ergänzungen
Die Therapie wird häufig durch die Gabe von Medikamenten unterstützt. Die Regel weniger ist besser gilt heute als überholt. Die pharmakologische Wirkung wird individuell skaliert.
Begleitend kann eine therapeutische Unterstützung zur Bewältigung des Alltags hilfreich sein, wie zum Beispiel eine Begleitung in schwierigen Situationen. Es kann auch eine Eingliederungshilfe nötig sein. Ebenso werden der Partner, Familienangehörige, Kollegen und Freunde durch Therapie unterstützt. Die Therapie sollte den kulturellen Hintergrund mit einbeziehen.
Alle Ergänzungen im Überblick
Familien- und Paartherapie: Wenn Partner und die nahen Angehörigen durch die Symptomatik stark belastet werden.
Kultursensitive Therapie: Angepasst an den sozialen und kulturellen Hintergrund des Patienten.
Der therapeutische Prozess zur Unterstützung von Trauer, Neubewertung und sozialer Neuorientierung wird durch geeignete Maßnahmen begleitet. Ich arbeite mit folgenden Techniken:
Psychopharmakotherapie sowie eine klassische Verhaltenstherapie sind als alleinige Therapieverfahren nicht geeignet. Es sind immer auch Ergotherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, Körper- und Bewegungstherapie, Physiotherapie in enem Behandlungszimmer zu berücksichtigen.
Die Konfrontation mit der Erinnerung (Trauma) zur Verarbeitung und Neubewertung des Geschehenen muss im Kontext zur Stabilität des Betroffenen gesehen werden!
Es besteht eine Kontraindikation zur Behandlung, wenn bestimmte Emotionen nicht erlebt werden können (mangelnde Affekttoleranz), das Ich-Gefühl gestört ist (schwere Dissoziationsneigung wie akute Psychosen), gegen sich selbst gerichtete Aggressionen vorliegen (unkontrolliert autoaggressives Verhalten) oder mangelnde Distanzierungsfähigkeit zum traumatischen Ereignis besteht. Das Gleiche gilt, wenn eine hohe psychosoziale und körperliche Belastung vorliegt. Ebenso ist bei akutem Substanzkonsum (Medikamente, Alkohol, Drogen) keine Therapie sinnvoll.
Alternativmedizin und Komplementärmedizin sind Ergänzungen zu den Diagnosetechniken und Behandlungsmethoden der Schulmedizin. Sie sind Erweiterungen zu der Medizin, wie sie im Medizinstudium oder an Fachschulen unterrichtet wird. Sie stehen prinzipiell nicht im Gegensatz, wie manche Schulmediziner behaupten. Daher auch der französische Begriff Komplementär (complémentaire) = ergänzend. Es sind verschiedene Verfahren wie Naturheilkunde, Körpertherapieverfahren, Entspannungsverfahren aber auch Yoga und die traditionelle chinesische Medizinen (TCM). Die Osteopathie als auch die Craniosacrale Therapie finden wir sowohl in der Schulmedizin als auch bei den alternativen Verfahren.
Wenn eine Therapie von anderen durch gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird, wird sie dadurch diskriminiert.
Komplementärmedizin und integrative Gesundheitsansätze sind eine Gruppe verschiedener medizinischer und gesundheitlicher Systeme, Praktiken und Produkte, die derzeit nicht als Teil der konventionellen Medizin angesehen werden. Im Englischen hat sich der Begriff Complementary Integrated Health, kurz CIH, etabliert.
Die Patientin im Mittelpunkt
Im neueren Verständnis steht die Patientin mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt. Das nennt man Patienten zentrierte Versorgungsmodelle. Dies ist ein weiterer Punkt für ergänzende Therapieverfahren. Denn es verändert sich allmählich die Art und Weise, wie Therapiepläne für Patientinnen entwickelt werden. Anfänglich standen dabei nur Therapien im Fokus, die im Studium unterrichtet wurden. Dies sollte zu einer „Patienten zentrierten Wissenschaftlichkeit“ führen.
Mittlerweile hat sich der Blick jedoch deutlich geweitet. Es werden nicht nur rein evidenzbasierte Techniken unterstützt. Es geht heute mehr um die Frage, wie der individuelle Mensch mit seinem Trauma unterstützt werden kann.
Evidenzbasierte Medizin
„Auf empirische Belege gestützte Heilkunde“ (englisch: evidence-based medicine) soll die Wirksamkeit der medizinischen Therapie durch wissenschaftliche Belege sichern. Dabei werden verschiedene Wirksamkeitsgrade (Evidenzgrade) unterschieden.
Es sind moderne Therapieansätze aus den USA, die auf uralten Verfahren basieren. Sie wirken auf Körper, Seele und Geist durch Achtsamkeit. Die Körperwahrnehmung, Ruhe und Bewegung in Alltagssituationen wird bewusst wahrgenommen und durch entsprechende Verfahren ergänzt. Hier steht vor allem der Aspekt der Selbstfürsorge im Mittelpunkt. Dabei werden die eigenen Ressourcen behutsam und achtsam eingesetzt.
Über den Umweg der klinischen Psychologie gab es jedoch einen Zustrom von Geist-Körper-Ansätzen. Bekannt sind diese aus der traditionellen chinesischen Medizin, der buddhistischen Psychologie und der Energiemedizin (u.a.):
Meditations- und Entspannungstechniken
Achtsamkeits-, Akzeptanz- und Bindungstherapie
Augenbasierte Desensibilisierung und Wiederaufbereitung von Bewegungen
Ist eine Zusammenfassung von Primärstudien. Die Daten werden strukturiert, und Informationen aller Daten werden in den Metadaten gebündelt. Daraus entsteht eine Gesamtaussage aller Studien. Sie enthält quantitative und statistische Aussagen. So werden vorliegende Forschungsarbeiten zusammengefasst und präsentiert.
In dieser wurden dreiunddreißig Studien mit insgesamt 1329 Teilnehmern überprüft. Der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens für eine posttraumatische Belastungsstörung war
Und auch nicht so bekannte Verfahren, wie die Musiktherapie zeigen positive Ergebnisse{„Trauma-Informed Care in Music Therapy: Principles, Guidelines, and a Clinical Case Illustration“( Annie Heiderscheit, Kathleen M Murphy)Music Therapy Perspectives 21 July 2021}, wenn die Therapeutin angemessen geschult ist. Das Verfahren der narrativen Expositionstherapie stammt aus Schwer- und Mehrfachtraumatisierung insb. organisierter Gewalt (Krieg){„Investigating the Efficacy and Experiences With Narrative Exposure Therapy in Severe Mentally Ill Patients With Comorbid Post-traumatic Stress Disorder“(Maria Mauritz, Peter Goossens, Ruud Jongedijk, Hester Vermeulen and Betsie van Gaal)Psychological Therapies, a section of the journal Frontiers in Psychiatry 28 April 2022}.
Du bekommst immer eine individuelle Unterstützung durch mich. Am Anfang beginnen wir immer mit einer ruhigen und ausführlichen Befundaufnahme. Im Prozess praktiziere immer mit besonderem Aspekt auf Deiner Sicherheit. Dazu gehört die Anwendung der non violent Communication nach M. Rosenberg, also die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation.
Advanced craniosacrale Therapie
Die Craniosacral Therapie ist ein sanfter, praktischer Ansatz zur Bewertung und Verbesserung des Craniosacral-Systems. Das besteht aus den Membranen und der Zerebrospinalflüssigkeit. Es umgibt und schützt das Gehirn und das Rückenmark.
Craniosacrale Therapie
CST kommuniziert mit Zellen, Gewebe, Organe und den gesamten Organismus. Veränderungen, wie zum Beispiel Spannungserhöhungen, können beeinflusst werden. In der Folge werden Schmerzen gelindert und Störungen der Funktion behoben. Es werden die natürlichen und angeborenen Heilungsprozesse des Körpers angeregt. Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des ganzen Körpers wird gesteigert. Die Lebensqualität und Gesundheit werden gesteigert.
Somatoemotionale Tiefenentspannung
Der Somatoemotional Deep Release ist die Kommunikation mit den Zellen, Geweben, Organen und den gesamten Organismus mit der Frage nach Emotionen, Erinnerungen und Seelenerfahrungen, welche die natürliche Entfaltung des Individuums behindern.
Somatoemotional deep release
Viele körperliche Symptome können nicht vollständig gelöst und geheilt wurden, bis auch eine Emotionen, Erinnerungen und Seelenerfahrungen gelöst sind. Geeignet ist die Technik bei chronischen Erkrankungen und subklinischen Mustern. Das können schwache Immunität, Energiemangel, mangelndes Selbstvertrauen, Depressionen oder Angstzustände sein.
Es besteht eine Verbindung zwischen physischem Gewebe und emotionalen und mentalen Aspekten. Diese können durch entsprechende Techniken der Kommunikation und Körperarbeit erreicht werden. Diese vereinen physikalische Therapie oder Psychotherapie. So können alle Aspekte der menschlichen Natur (physisch, mental, emotional und spirituell) erreicht werden. Kernmerkmal ist die Absichtslosigkeit, Hier- und Jetztsein, Sanftheit und Kreativität. Es fördert Heilungsprozesse bei Krankheit, hilft Probleme zu lösen und unterstützt das persönlichen Wachstum. Ziel ist das Erreichen eines erfüllten Lebens mit gesunder Körperaktivität, Körperhaltung und Bewegung. SomatoEmotional Release® und die Werkzeuge von CST kombinieren alle – in einem Ansatz, der enorme Veränderungen und Wachstum im Leben einer Person ermöglichen kann.
Ergänzende Techniken
Zur Schmerzlinderung setzte ich häufig die Tiggerpunktbehandlung ein. Zum Energieausgleich nutze ich die Akupressur (Punkte aus der traditionellen chinesischen Medizin).
Durch meine langjährigen Erfahrung nutze ich auch alle Formen der Bewegung für Deinen Heilungsprozess. Hier suchen wir nach einer für Dich geeigneten Form. Häufig setzte ich dabei Yoga oder Tai Chi/Qi Gong Übungen ein. Es gibt aber aus der klassischen Übungstherapie und Trainingstherapie viele nutzvolle Unterstützungen. die den Heilungsprozess deutlich beschleunigen können.
Je nach Notwendigkeit unterrichte ich Entspannungsverfahren (Autogenes Training, progressive Muskelentspannung,…) oder Tiefenentspannungsverfahren(Tra Tak), Atemübungen, Meditation und Achtsamkeitsübungen.
Manchmal nutze ich auch Elemente aus der Theatertherapie oder Musiktherapie.
Psychoeducation
Psychoedukation (PE) ist die Intervention mit systematischer, strukturierter und didaktischer Wissensvermittlung für eine Krankheit und ihre Behandlung. Es werden die emotionale und motivationale Aspekte integriert, um Patienten zu befähigen, mit der Krankheit umzugehen und ihre Therapieadhärenz und -wirksamkeit zu verbessern.
Narrative Expositionstherapie (NET)
Durch intensives Wiedererfahren wird die Erfahrung aktualisiert. Gedanken, Gefühle, Bedeutungen, Empfindungen, Körperhaltung werden verbunden. Es werden alle Elemente der negativen Erlebnisse in der Distanz aktiviert, bis das Erlebte sich einordnen, begreifen und benennen läßt.
Die schematische Anwendung einer oder mehrerer Elemente ist nicht geeignet, da sie nicht auf das Individuum angepasst ist.
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