Traumatherapie II: Super wirksame Alternativen

Das Bild zeigt Hände am Nacken und sollen illusitrieren, daß In der Traumatherapie sensible integrativ therapiert wird
Die Traumatherapie Alternativen: Sanfte lösende Griffe

Die Traumatherapie-Alternativen: Komplementärmedizin und integrative Ansätze

Die Popularität der Traumatherapie Alternativen, also komplementären und integrativen Gesundheitsansätze, hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen1.

Definition I

Alternativmedizin und Komplementärmedizin sind Ergänzungen zu den Diagnosetechniken und Behandlungsmethoden der klassischen Medizin.

Und der Zuspruch zu diesen Techniken und Therapien wird immer größer2. Sie sind sie in der Regel günstiger. Hinzu kommt, daß klassische Fachkräfte für psychische Gesundheit sehr lange Wartezeiten haben. Doch der zunehmende Zuspruch ist nicht nur damit zu begründen. Es sind die, mittlerweile auch wissenschaftlich erforschten, Wirkungen.

Abschottung in der Schulmedizin

Nun sind die Methoden durchaus wissenschaftlich begründetet. Aber die Integration in das Gesundheitssystem stockt schon seit Jahren. Es scheint sich eine Mauer aufgebaut zu haben zwischen der „Schulmedizin“ und alternativen Verfahren. Und dies geschieht obwohl Patientinnen alternative Therapien mit ihren Ärzten besprechen und sie tatsächlich anwenden3. Doch viele Ärztinnen haben Skepsis oder sind einfach unwissend, sie kennen die aktuellen Studien nicht4. Dies führt zur Stigmatisierung: Komplementärmedizin und integrative Ansätze werden vom medizinischen Fachpersonal negativ bewertet.

Medizinische Stigmatisierung

Wenn eine Therapie von anderen durch gesellschaftlich oder gruppenspezifisch negativ bewertete Merkmale charakterisiert wird, wird sie dadurch diskriminiert.

Nicht selten verschweigen Patientinnen gegenüber ihren Ärztinnen den Einsatz von Techniken der Komplementärmedizin oder integrative Ansätze5678. Patientinnen haben zum Teil regelrecht Angst vor einer Offenlegung.

Definition II

Komplementärmedizin und integrative Gesundheitsansätze sind eine Gruppe verschiedener medizinischer und gesundheitlicher Systeme, Praktiken und Produkte, die derzeit nicht als Teil der konventionellen Medizin angesehen werden. Im Englischen hat sich der Begriff Complementary Integrated Health, kurz CIH, etabliert.

Die Patientin im Mittelpunkt

Im neueren Verständnis steht die Patientin mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt. Das nennt man patientenzentrierte Versorgungsmodelle. So verändert sich allmählich die Art und Weise, wie Therapiepläne für Patientinnen entwickelt werden. Anfänglich standen dabei nur streng wissenschaftlich belegbare Therapien (evidenzbasiert) im Fokus. Dies sollte zu einer „patientenzentrierten Wissenschaftlichkeit“ führen.

Evidenzbasierte Medizin

„Auf empirische Belege gestützte Heilkunde“ (englisch evidence-based medicine) soll die Wirksamkeit der medizinischen Therapie durch wissenschaftliche Belege sichern. Dabei werden verschiedene Wirksamkeitsgrade (Evidenzgrade) unterschieden.

Mittlerweile hat sich der Blick deutlich geweitet. Denn nicht nur rein evidenzbasierte Techniken sind geeignet, Menschen mit ihrem Trauma zu helfen. Neuere patientenzentrierte Ansätze betonen durchaus die Verwendung von präventiven und ganzheitlichen Wellnessmodellen, die über die Verwendung evidenzbasierter Behandlungen hinausgehen. Es gibt zu viele individuelle Einflussfaktoren, die bei einer Therapieplanung zu berücksichtigen sind9. Zu forderst sind hier ethnische, religiöse und kulturelle Faktoren zu nennen. Immer mehr werden die Patientinnen bei der Therapieplanung gefragt10.

Mind-Body-Heilansätze

Seit Tausenden von Jahren werden Mind-Body-Heilansätze erfolgreich angewendet11. Die moderne Schulmedizin lehnte sie strikt ab. Angeblich fehlten Beweise für deren Wirksamkeit. Aus der Nichtbeachtung wurde nicht selten Verachtung12. Und dies obwohl nicht alle schulmedizinischen Verfahren nachweislich wirken13.

Mind-Body-Verfahren

Mind-Body-Medizin

Es sind moderne Therapieansätze aus den USA die auf uralten Verfahren basieren. Sie wirken auf Körper, Seele und Geist durch Achtsamkeit. Die Körperwahrnehmung, Ruhe und Bewegung in Alltagssituationen wird bewusst wahrgenommen und durch entsprechende Verfahren ergänzt. Hier steht vor allem der Aspekt der Selbstfürsorge im Mittelpunkt. Dabei werden die eigenen Ressourcen behutsam und achtsam eingesetzt. 

Über den Umweg der klinischen Psychologie gab es jedoch einen Zustrom von Geist-Körper-Ansätzen. Bekannt sind diese aus der traditionellen chinesischen Medizin, der buddhistischen Psychologie und der Energiemedizin (u.a.):

  • Meditations- und Entspannungstechniken
  • Achtsamkeits-, Akzeptanz- und Bindungstherapie
  • Augebasierte Desensibilisierung und Wiederaufbereitung von Bewegungen
  • Emotionale Therapie
  • Dialektische Verhaltenstherapie
  • Stressreduzierung auf Achtsamkeitsbasis
  • Progressive Entspannung
  • Biofeedback und Neurofeedback

Da es viele Studien gibt, habe ich eine Metaanalyse zu Hilfe genommen14.

Metanalyse

Ist eine Zusammenfassung von Primärstudien. Die Daten werden strukturiert und Informationen aller Daten werden in den Metadaten gebündelt. Daraus entsteht eine Gesamtaussage aller Studien. Sie enthält quantitative und statistische Aussagen. So werden vorliegende Forschungsarbeiten zusammengefasst und präsentiert.

In dieser wurden dreiunddreißig Studien mit insgesamt 1329 Teilnehmern überprüft. Der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens für eine posttraumatische Belastungsstörung war

  • stark
    • wiederholte transkranielle Magnetstimulation
  • gut
    • Akupunktur
    • Hypnotherapie
    • Meditation
    • Visualisierung.
  • nicht eindeutig
    • Biofeedback
    • Entspannung
    • emotionale Freiheit und Gedankenfeldtherapien
    • Yoga
    • Naturprodukte

Ähnliche Ergebnisse liefern andere Metaanalysen15. Im Gegensatz zu obiger Analyse sieht eine weitere Metaanalyse mit 1173 Gesamtteilnehmern vielversprechende Ansätze nicht nur bei Mediation, sondern auch für Yoga1617. Andere Studien unterstützen den positiven Effekt von Yoga18192021. Auch für verschiedene Meditationen (Achtsamkeit, Mantra und Mitgefühlsmeditation) gibt es eine genauere Studie22. Es werden aber nicht nur die Wirksamkeit sonder auch die Wirkweise untersucht, zum Beispiel das Sinken von Stresshormonen23.

Es liegt in der Natur der Sache, dass es wenig wirkliches Interesse an Studien für Komplementärmedizin und integrative Ansätze gibt. Es fehlen die Interessengruppen und -verbände. Erschwerend sind auch die konzeptionellen und methodischen Herausforderungen für gute Studien 24.

Wirksame Techniken:

Ich selber arbeite mit einer Kombination folgender Techniken:

  • Bewegung
    • Yoga
    • Ausdauer (aerobe dynamische)
    • Tai Chi/Qi Gong
  • Atemübungen
  • Achtsamkeitsübungen
  • Akupressur
    • Emotional Freedom Techniques (EFT)
    • Psychoeducation (PE)
  • Entspannungsverfahren
    • Meditation
    • Tiefenspannungsverfahren (SER)
    • Autogenes Training
    • Progressive Muskelentspannung
  • Musiktherapie
  • Ernährung

Drei weniger bekannte Elemente möchte ich näher vorstellen:

Emotional Freedom Techniques

Emotional Freedom Techniques ist die Bezeichnung eines therapeutischen Konzeptes aus dem Bereich der „energetischen Psychologie“ und stellt eine Methode zur Linderung und Behandlung von Stress und psychischen Störungen durch Stimulation von Akupressurpunkten dar. 

Psychoeducation

Ist die methodische und didaktische Vermittlung der natürlichen Mechanismen bei einer psychischen Veränderung.

Tiefenentspannungsverfahren

Durch sanfte Kontakte oder intuitive Bewegung werden Störfelder (zellulär, geweblich, organisch oder ganzer Körper) aktiviert, bearbeitet und gelöscht.

Welche einzelne Elemente für welche Patientin günstig und geeignet sind, kann nur durch einen eindeutigen „Befund“ festgestellt werden.

Befund

Aus dem Gesamtbild der Untersuchungen entsteht der Befund. Er bezeichnet medizinisch relevante, körperliche oder psychische Erscheinungen, Gegebenheiten, Veränderungen und Zustände.

Die schematische Anwendung einer oder mehrerer Elemente ist nicht geeignet, da nicht auf das Individuum angepasst.

Fußnoten

  1. „Introduction to the Special Issue: Complementary Medicine and Integrative Health Approaches to Trauma Therapy and Recovery“(Sandra Mattar, Paul A. Frewen)Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy, 12(8), 821-824
  2. „Trends in the Use of Complementary Health Approaches Among Adults: United States, 2002–2012″(Tainya C. Clarke, Ph.D., M.P.H., Lindsey I. Black, M.P.H., Barbara J. Stussman, B.A., Patricia M. Barnes, M.A., Richard L. Nahin, Ph.D., M.P.H.)Natl Health Stat Report USA. 2015 February 10; (79): 1–16.
  3. „Complementary and alternative medicine contacts by persons with mental disorders in 25 countries: Results from the World Mental Health Surveys“(de Jonge, P., Wardenaar, K. J., Hoenders, H. R., Evans-Lacko, S., Kovess-Masfety, V., Aguilar-Gaxiola, S., Al-Hamzawi, A., Alonso, J., Andrade, L. H., Benjet, C., Bromet, E. J., Bruffaerts, R., Bunting, B., Caldas-de-Almeida, J. M., Dinolova, R. V., Florescu, S., de Girolamo, G., Gureje, O., Haro, J. M.,…)WHO World Mental Health Survey Collaborators. (2018). Complementary and alternative medicine contacts by persons with mental disorders in 25 countries: Results from the World Mental Health Surveys. Epidemiology and Psychiatric Sciences, 27(6), 552–567
  4. „Disease prevention and health promotion: How integrative medicine fits“(Ali, A., & Katz, D. L.)American Journal of Preventive Medicine 2015, 49(5, Suppl 3), S230–S240
  5. „Perceptions about Complementary Therapies Relative to Conventional Therapies among Adults Who Use Both: Results from a National Survey“(David M. Eisenberg, MD, Ronald C. Kessler, PhD, Maria I. Van Rompay, BA, Ted J. Kaptchuk, OMD, Sonja A. Wilkey, MD, Scott Appel, MS, Roger B. Davis, ScD)Annals of internal medicine 2001
  6. „Actors influencing the use of complementary and alternative medicine and whether patients inform their primary care physician“(PatriciaThomsonaJennyJonesbJosie M.EvansaStephen L.Leslie)Complementary Therapies in Medicine
    Volume 20, Issues 1–2, February–April 2012, Pages 45-53
  7. „Nondisclosure of complementary and alternative medicine use to primary care physicians: Findings from the 2012 National Health Interview Survey.“(Jou, J., & Johnson, P. J.)Journal of the American Medical Association Internal Medicine 2016, 176(4), 545–546.
  8. „Factors influencing the use of complementary and alternative medicine and whether patients inform their primary care physician.“(Thomson, P., Jones, J., Evans, J. M., & Leslie, S. L.)Complementary Therapies in Medicine 2012, 20, 45–53.
  9. „Concepts and a model for the comparison of medical systems as cultural systems“(Arthur Kleinman)Social Science & Medicine. Part B: Medical Anthropology Volume 12, 1978, Pages 85-93
  10. „Opening Statement by Stuart Bondurant for the Complementary and Alternative Medicine in the United States Report“(Stuart Bondurant, M.D.) Complementary and Alternative Medicine in the United States Institute of Medicine 12.01.2005
  11. „The integration of Complementary and Alternative Medicine (CAM) into the practice of psychology: A vision for the future.“(Barnett, J. E., & Shale, A. J.) Professional Psychology2012: Research and Practice, 43(6), 576–585
  12. Use of complementary therapies by registered psychologists: An international study.“(Stapleton, P., Chatwin, H., Boucher, E., Crebbin, S., Scott, S., Smith, D., & Purkis, G.). Professional Psychology: Research and Practice 2015, 46(3), 190–196.
  13. „Cognitive behavioral therapy for the treatment of post-traumatic stress disorder: a review“(Nilamadhab Kar)Neuropsychiatr Dis Treat. 2011; 7: 167–181
  14. „Complementary and Alternative Medicine for Posttraumatic Stress Disorder Symptoms: A Systematic Review“(Helané Wahbeh, N.D., MCR., Angela Senders, N.D., Rachel Neuendorf, M.S., Julien Cayton, B.A.)FOCUS Volume 16, Issue 1 Complementary and Integrative Medicine 24 Jan 2018
  15. „Efficacy of complementary and alternative medicine therapies for posttraumatic stress disorder.“(Strauss, J. L., Coeytaux, R., McDuffie, J., Nagi, A., & Williams, J.)Evidence-based Synthesis Program (ESP) Center Durham Veterans Affairs Healthcare System, Department of Veterans Affairs 2011
  16. „Meditation and yoga for posttraumatic stress disorder: A meta-analytic review of randomized controlled trials.“(Gallegos, A. M., Crean, H. F., Pigeon, W. R., & Heffner, K. L.)A meta-analytic review of randomized controlled trials. Clinical Psychology Review 2017, 58, 115–124.
  17. „Yoga as a potential psychosocial tool: Results from a quasi experimental study on victims of flood affected state of Kerala“(Mathew)Advances in Integrative Medicine 21 January 2021
  18. „A Yoga Intervention for Posttraumatic Stress: A Preliminary Randomized Control Trial“(Farah Jindani, Nigel Turner, Sat Bir S. Khalsa)Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine
    Volume 2015, Article ID 351746
  19. „LIGHTNESS AND LIBERATION: HOW SURVIVORS OF INTERPERSONAL TRAUMA EXPERIENCE THE SELF FOLLOWING REGULAR YOGA PRACTICE“(Tessa L. Winslow)In School and Counselling Psychology University of Saskatchewan Saskatoon December 2020
  20. „A Pilot Study of a Randomized Controlled Trial of Yoga as an Intervention for PTSD Symptoms in Women“(Karen S. Mitchell Alexandra M. Dick Dawn M. DiMartino Brian N. Smith,…) Journal of traumatic stress 25 March 2014
  21. „Moderators of treatment efficacy in a randomized controlled trial of trauma-sensitive yoga as an adjunctive treatment for posttraumatic stress disorder.“(Nguyen-Feng, V. N., Hodgdon, H., Emerson, D., Silverberg, R., & Clark, C. J.). Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy 2020, 12(8), 836–846.
  22. „The Theoretical and Empirical Basis for Meditation as an Intervention for PTSD“(Ariel J. Lang, Jennifer L. Strauss, Jessica Bomyea, …)Behavior Modification June 5, 2012 Volume: 36 issue: 6, page(s): 759-786
  23. „Reexamining the effect of emotional freedom techniques on stress biochemistry: A randomized controlled trial.“(Stapleton, P., Crighton, G., Sabot, D., & O’Neill, H. M.). Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy 2020, 12(8), 869–877.
  24. „Conceptual and methodological issues in research on mindfulness and meditation“(Davidson, R. J., & Kaszniak, A. W.)American Psychologist 2015, 70(7), 581–592

Von Reiner Schwope

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