Schmerzen am Steissbein Coccygodynie

Schmerzen am Steissbein: Coccygodynie

Chronische Schmerzen des Steißbein können viele Ursachen haben. Dabei sind einige schwieriger in der Therapie als andere. Entsprechend den Ursachen gibt es eine Reihe von Therapien.

Das Steißbein (Os Coccygeus) ist ein Knochen unterhalb des Kreuzbeines (Os Sacrum). Das Kreuzbein und das Steißbein sind verknöcherte Wirbel. Sie verlängern also die Wirbelsäule nach unten. Früher hatten die einzelnen Steißbeinwirbel auch noch die Aufgabe, den Schwanz zu bilden. Entsprechend gibt es auch noch Muskeln und Bänder zum Bewegen des Steißbeines. Diese Muskeln haben heute keine Funktion, spielen aber bei der energetischen Arbeit im Wurzelenergiezentrum (Muladhara-Chakra) eine wichtige Rolle.

Lateinisch heißen die chronischen Schmerzen am Steißbein Coccygodynie. Sie treten im Bereich der nervalen Versorgung des sacralen Nervengeflechtes (Plexus pundendus) auf.

Schmerzen am Steissbein: Coccygodynie 1
Schmerzen am Steissbein: Coccygodynie 3

Hauptbahnen des Nervus Pudendus bei der Frau (vereinfachte schematische Darstellung)

Der Unterabschnitt des Lenden-Kreuz-Geflechts (Sacral 1–4)wird auch als Plexus pudendus bezeichnet. Der Nerv verläuft in der Beckenhöhle nach vorne unten in Richtung Beckenboden und durch das große Beckenloch (Foramen infrapiriforme) in den Schambereich(Canalis pudendalis/Alcock-Kanal). Er steuert motorisch und vermittelt sensible Sinneseindrücke.

Die meisten Betroffenen klagen über Schmerzen beim Sitzen, beim Stuhlgang und/oder beim Geschlechtsverkehr. Es sind meistens Frauen betroffen (80%).

Ursachen

Typische

Die klassischen, typischen Ursachen für Schmerzen am Steißbein sind:

  • Schlecht verheilte Verletzungen
  • Frakturen
  • Angeborene Fehlbildungen
  • Basale Bandscheibenvorfälle
  • Tumore
  • Mechanische Überlastung (nach Geburten oder Unfällen)
  • Chronische Verstopfung
  • Erkrankungen der Ansatzsehnen der Muskeln des Beckenbodens oder der Beckenorgane

Bei Schmerzen mehr aus dem Gesäß sollte man an Überbelastungen durch Sportarten mit Trittbewegungen wie Fußball denken. Der Muskel Obturator internus kann bei solchen Belastungen anschwellen.

Adipositas ist ein Risikofaktor und so sind mehr übergewichtige Menschen betroffen.

Ohne erkennbaren Grund

Häufig ist aber keine nachweisbare Ursache vorhanden. Dann werden die Beschwerden als idiopathisch bezeichnet. Erfahrungsgemäß wurden alte Verletzungen, Überbelastungen und sogar auch Frakturen häufig nicht bewusst wahrgenommen. Und noch ein weiterer, tiefer liegender Faktor spielt hier eine Rolle. Es sind die Erkenntnisse aus der Erforschung des chronischen Beckenschmerzsyndroms (CBSS):

Beckenschmerzsyndrom

In den letzten Jahren wurden auch vermehrt tiefer liegende Zusammenhänge hergestellt[1]Mag. Heidi Halbedl: Mindfulness-based Bodyscan-Training in der Beckenboden-Physiotherapie bei provozierter Vulvodynie. Eine Machbarkeitsstudie 2022.

  • Beckenboden
  • Muskeln vor allem der Beckeninnenseite
    • M. obturator internus
    • M. Piriformis
    • M. Iliopsoas
  • Beckenorganen
  • Beckenknochen
  • Geschlechtsorganen

Dabei spielt das Verstehen von Chronifizierungen eine wichtige Rolle. Diese sind gekennzeichnet durch eine gesteigerte Sensibilisierung. Ein schmerzfreier Stimulus wird dann als schmerzhaft wahrgenommen und es treten noch weitere Folgen auf:

  • Ausweitung des Schmerzgebietes
  • Längere Schmerzwahrnehmung
  • Auftreten von spontanen Schmerzen

Zur besseren Verständlichkeit ist es wichtig, die Schmerzverarbeitung besser zu verstehen. Ein Schmerzempfinden ist nicht nur eine senso­rische Wahrnehmung. Ein wichtiger Faktor sind die emotionalen Verarbeitungszentren. Schon negative Gedanken beeinflussen den Schmerz. Es genügt schon ein ängstlicher Gedanke um Schmerzen hervorzurufen. Verhaltensmuster mit emotionalen Schwierigkeiten können sehr tief eingreifen.

Diagnose

Die klinische Diagnose enthält eine Reihe von Untersuchungen:

  • Fragebefund
  • Palpation
  • Manuelle Untersuchung
    • rectal
    • gynäkologisch
  • Muskeltestverfahren
  • Bewegungstest Becken/LWS/Bein
  • Röntgen / Computertomographie / Kernspintomographie

Therapie

  • Örtliche Infiltrationen
    • Kortikoide
    • Lokalanästhetika
  • Schmerzmittel in Tablettenform
  • Versorgung mit Sitzring
  • Physiotherapie
  • Psychotherapie
  • Letztes Mittel: Operative Entfernung des Steißbeins.

Ich persönlich arbeite vorwiegend mit der craniosacralen Therapie und insbesondere dem Einsatz des somatoemotionalen Releases. Dies immer auf Basis einer exakten Befunderhebung.

Es zeigt sich, dass sich der Einsatz komplementärmedizinischer Verfahren bei vielen Klientinnen zu guten Ergebnissen führt. Es sind Disziplinen und Methoden, welche auf alternativen Modellen der Entstehung von Krankheiten und deren Behandlung. Sie stehen in Ergänzung zur Schulmedizin.

References

References
1 Mag. Heidi Halbedl: Mindfulness-based Bodyscan-Training in der Beckenboden-Physiotherapie bei provozierter Vulvodynie. Eine Machbarkeitsstudie 2022

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