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Kompressionsstrümpfe, Stützstrümpfe & Antithrombosestrümpfe

Erfahre alles über medizinische Kompressionsstrümpfe, Antithrombosestrümpfe und Stützstrümpfe.

Wie wirken Kompressionsstrümpfe?

Kompressionsstrümpfe üben Druck auf das Gewebe und die Blutgefäße aus. Der Flüssigkeitseinstrom aus den Blutkapillaren (kleinste Blutgefäße) in das Gewebe wird reduziert. Die venösen Blutgefäße werden auf einen kleineren Durchmesser komprimiert.

Warum muss man Kompressionsstrümpfe tragen?

Dadurch schliessen die Venenklappen (Rückflußverhinderer) besser. Die Fließgeschwindigkeit des Blutes wird höher. Der Rückstrom des Blutes wird erleichtert. Venen und Lymphgefäße werden entlastet. Dadurch kann das Gewebe nicht anschwellen.

Kompressionsstrümpfe wirken auf die oberflächlichen Beinvenen und erhöhen den Blutfluss in den tiefen Beinvenen
Kompressionsstrümpfe wirken auf die Beinvenen

Kompressionsstrümpfe sind Widerlager für die Wadenmuskelpumpe . Die Beinmuskulatur ist das „zweite Herz„. Ohne Muskelbewegung ist die Wirkung des Kompressionsstrumpf gering.

Die verschiedenen Kompressionsklassen

Bei einem medizinischen Strumpf nimmt der Druck von peripher nach zentral ab. Es gibt vier Kompressionsklassen:

Info-box IKompressions-klassen
KlasseIntensitätDruck in mmHGKompression in KPa
Ileicht18-212,4-2,8
IImittel22-333,1-4,3
IIIkräftig34-464,5-6,1
IVsehr kräftig>49>6,1

Für welches Krankheitsbild wird welche Klasse eingesetzt (grob)?

Infobox II Kompressionsklassen
Beginnende Venenschwäche=I
Oberflächliche Krampfadern=II
Schäden der tiefen Beinvenen oder des Verbindungssystems=III
Schwere Beinschwellungen (Ödeme)=IV
Abkürzungen für die Kompressionsklassen sind „CCL“, „Ccl“ oder „KKL“.

Aus Gründen der Haltbarkeit werden synthetische Fasern verwendet. Es gibt das Rundstrickverfahren (Vorteil: nahtlos) und das Flachstrickverfahren (Vorteil: große Anpassbarkeit).

Meistens genutzt: Kompressionsstrümpfe Klasse II

Kompressionsklassen + Strickverfahren = Krankheitsbilder:

Info Box „Indikationen“KKLFestigkeitStrickart
LymphödemII-IVhochRund- oder Flachstrick, abh. von Stadium und Beinform
LipödemIIhochRund- oder Flachstrick
Ödeme in der SchwangerschaftI-IIgeringRundstrick
(kompensierte) pAVK & CVII-IIhochRund- oder Flachstrick
postthrombotisches SyndromII-IIIhochRund- oder Flachstrick, abh. von Schweregrad und Beinform
Thrombophlebitis, ThromboseIImittel/hochRundstrick
Ulcus crusisII-IIIhochUlkus-KS, Rund- oder Flachstrick, abh. von Beinform
nach Varizen-OPIImittelRundstrick
Varikose ohne KomplikationenIIgering/mittelRundstrick

Es gibt verschiedene Höhen:

  • Wadenstrümpfe (AD)
  • Halbschenkelstrümpfe (AF)*
  • Schenkelstrümpfe (AG)*
  • Strumpfhose für beide Geschlechter (AT)
  • Sonderformen
    • Caprihose
    • Radlerhose
    • Leggings

*mit silikonbesetzten Halteband (Haftrand), früher oder alternativ mit Strumpfhalter

Die Forschung arbeitet aktuell an:

  • Formgedächtnispolymeren („Switch-Spring-Frame-Modell“)1.
  • Eine genauere Vorhersage des Drucks unter Berücksichtigung der Verformung2.

Wie geht man vor?

Ein Arzt verordnet die Therapie. Zuerst erfolgt Lymphdrainage. Das ist eine spezielle Technik zur Gewebeentwässerung. Andere Gewebetechniken können die Drainage deutlich verbessern. Ich arbeite mit speziellen Techniken aus der craniosacralen Therapie. Die Lymphdrainage belastet Herz und Kreislauf. Viele Patienten sind anschliessend sehr müde. Kompressionsbandagierungen oder adaptive Kompressionsbandagen sichern den Behandlungserfolg. Ergänzend kann Yoga3 unterstützen. Ggf. wird dies durch eine pharmakologische Entwässerungstherapie unterstützt. Nach erfolgreicher Lymphdrainagetherapie werden medizinische Kompressionsstrümpfe angepasst. Sie sichern den Behandlungserfolg45. Anmerkung: Es muss nicht ein paar Kompressionsstrümpfe getragen werden, wenn der Befund einseitig ist.

Kompressionsstrümpfe anpassen lassen

Sanitätshäuser, Orthopädietechniker oder Apotheken bieten diesen Service. Hier sind Fachkräfte, die das Messverfahren beherrschen.

Werden Kompressionsstrümpfe von der Krankenkasse bezahlt?

Die vom Arzt verordneten medizinischen Kompressionsstrümpfe werden von der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung übernommen. Eine Kompressionsstrumhose auf Rezept . Mit einer ärztlichen Verordnung ist bei der gesetzlichen Krankenversicherung eine Zuzahlung von zehn Prozent der Kosten, mindestens fünf bis höchstens zehn Euro zu zahlen (Deutschland). Die Preise gehen von Wadenstrümpfe Segment B-D KKL I, Maßanfertigung, flachgestrickt bei € 50,– bis Strumpfhosen KKL IV, Maßanfertigung, flachgestrickt € 500,– (Stand 2020).

Kompressionsstrümpfe DM …

Kompressionsstrümpfe in Einheitsgrößen bieten Drogerieketten wie zum Beispiel „DM“ sowie andere Anbieter. Sie werden nicht individuell angepasst und sind nur für den Sport-, Arbeit– und Freizeitbereich.

Welche Diagnose für Kompressionsstrümpfe?

Venenerkrankungen

– Chronisch periphere venöse Insuffizienz (CVI)

Die Venen können das venöse (sauerstoffarme) Blut nicht befördern.

Wegen seiner Wichtigkeit ist die chronisch-venöse Insuffizienz häufigster Grund für die Verordnung. Sie vermeiden Sekundärkomplikationen6.

Wichtiger Hinweis: Viele Menschen haben nach einem Tag harter Arbeit oder nach langem Stehen schwere und müde Beine. Zum Teil sind sie auch geschwollen. Dies kann Zeichen der Überlast sein. Es kann aber auch auf eine chronische venöse Insuffizienz hinweisen.

– Krampfadern

Die Venen sind erweitert (sacculär). Sie können sich nicht zurück bilden und können schmerzhafte venöse Entzündungen (Phlebitis) verursachen. Es können sich Blutpropfen (Thromben) bilden. Krampfadern sind Zeichen für venöse Schwäche. Meist sind Beine und Füße betroffen.

Postthrombotisches Syndrom

Immobilität (Abnahme des Blutflusses), Infektionen, Entzündungen oder Traumen können einen Thrombus hervorrufen. Blutpropfen können fest an der Wand anliegen oder frei in die Blutbahn ragen (flottierend). Letztere können sich ablösen und einen Embolus bilden. Dieser kann in der Lunge eine Embolie verursachen.

Ob die Bildung von Thrombosen bei bettlägerigen Patienten durch Kompressionsstrümpfe verhindert werden kann, ist fraglich7Sicher wirken Bewegung und pharmakologische Einstellung (Blutgerinnungshemmer). Im Gegensatz zu partiellen Problemen gibt es bei den Venen keinen Zusammenhang mit einer Gefäßobstruktion8.

Lymphödem

Es wird mehr Flüssigkeit in den kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren) abgegeben als wieder aufgenommen (Kapillaren, Lymphgefäße). Es kommt zur Netto-Ultrafiltration. Es besteht ein höhere Wahrscheinlichkeit ein Lymphödem durch Adipositas zu bekommen9

.

Sonderfälle

– Schwangerschaft

Durch die Veränderung des Hormonhaushaltes und dem erhöhtem Druck auf die Bauchvenen (der expandierende Uterus auf Vena cava inferior) kommt es zu Ödemen (Wassereinlagerungen im Körpergewebe). 

– Lipödem

Ist eine genetisch bedingte Störung der Fettverteilung oder Vermehrung (meist Frauen). Die Therapie ist komplex.

– Lipodermatosklerose

Unter Lipodermatosklerose versteht man die Entzündung des Unterhautfetts (Pannikulitis).

– Economy-Class-Schlaganfall-Syndrom

Es gibt Hinweise für die Ursache von Schlaganfällen von gesunden und jungen Reisenden bei langen Flügen (nicht ausreichend untersucht). 30 % der Bevölkerung haben ein persistierende Foramen ovale (schließt sich normal nach der Geburt). Ein Formalen ovale ist ein Loch im Herzen (meist nicht gefährlich). Bei einem solchem Loch kann Blut von der linken in den rechten Vorhof des Herzens fliessen (sieht man im Echokardiogramm). Das rechte Herz pumpt in die Lunge (kann kleinere Embolien abbauen), das linke Herz pumpt in den Körper und das Gehirn.

– Obstruktive Schlafapnoe

Tritt bei Flüssigkeitsüberladung im peripheren Gewebe häufig auf. Eine Chronische Veneninsuffizienz fördert die obstruktive Schlafapnoe10.

Kontraindikationen

Bei bestimmten Erkrankungen kann das Tragen (je nach Schwere der Erkrankung) kontraindiziert sein 11:

  • obstruktive Arterienerkrankung (Bei einer artiellen Verschlusskrankheit ist ab einer bestimmten Durchblutungsminderung ebendiese abgeschnürt. Gemessen wird der ankle brachial pressure index (ABPI) und der sollte > 1,0 sein.
  • Herzinsuffizienz
  • infektiöse Venenentzündung (septische Phlebitis)
  • nässende Hautentzündung (Dermatitis)
  • Nervenerkrankung mit Sensibilitätsstörungen (periphere Neuropathie)

Wie zieht man Kompressionsstrümpfe an?

Am Anfang sollte Fachpersonal das Ankleidungen begleiten.

An- und Ausziehhilfen erleichtern den Umgang mit den medizinischen Kompressionsstrümpfen und schonen das Material.

  • Gestelle (Metall oder Plastik)
  • Gleiter (gleitfähige künstliche Ballonseide)
  • Spezielle Gummihandschuhe oder Handschuhe mit gummierter Handinnenfläche

Die medizinischen Kompressionsstrümpfe werden vor dem Aufstehen angezogen. Das Strumpfmaterial nicht durch Ringe oder spitze Nägel beschädigt werden. Falten sollen vermieden werden. Das Gewebe soll gleichmäßig und eng anliegen damit die medizinische Kompression perfekt wirkt. Im Gegensatz zum normalen Strumpf wird abgerollt, gezogen und verteilt. Ggf. sollte eine Etappe wiederholt werden, da in der nächsten Etappe nicht mehr auf die darunter liegende eingewirkt werden kann. Die Kompressionsversorgung nicht maximal hoch ziehen (Kniestrümpfe bis zwei Zentimeter unter der Kniekehle / Schenkelstrümpfe bis zwei Zentimeter unter die Gesäßfalte). Das Tragen von Kompressionsstrümpfe wird täglich und den ganzen Tag empfohlen. Erst vor dem zu Bett gehen werden sie ausgezogen.

Die Pflege der Kompressionsstrümpfe

Ein handelsübliches Buntwaschmittel für Handwäsche (Vorsicht keine hohe Dosierung) wird empfohlen. Wäschezusätze (Weichspüler, optische Aufheller oder Fleckentferner) dürfen nicht verwendet werden. Die Strümpfe müssen ausreichend gespült werden. Die nassen Kompressionsstrümpfe werden anschliessend in ein Handtuch eingewickelt. Durch Druck auf die Rolle wird das Wasser in das Handtuch gepresst. Auswringen kann die Fasern schädigen.

Spezielle Strümpfe

Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS, weiße Farbe) oder Antithrombosestrümpfe

Sie wurden in den 1970er und 1980er Jahren eingeführt. Sie sollen ins. bei frisch operierten Patienten venöse Thrombosen verhindern. Der Anpressdruck ist geringer als bei Kompressionsstrümpfen (Fesselregion 15 – 18 mmHg). Es fehlt eine Evidenz für die Wirkung dieser Strümpfe. Eine venöse Thromboembolie (VTE) kann durch Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) nicht vermieden werden. Zur medizinischen Kompression fehlt der Druck. Sie können beim Ankleiden oder durch Kompression sogar Schäden verursachen12. So gelten folgende Regeln zur Vermeidung einer Thrombose:

  • Frühmobilisation
  • Flüssigkeitzufuhr erhöhen (Hydratation)
  • Blutgerinnung minimieren (Antiaggregatorischen und antikoagulatorischen Medikamenten)

In Ausnahmefälle sind Kompressionsstrümpfe sinnvoll13. Besser sind intermittierende pneumatische Kompressionsvorrichtungen oder Elektrostimulation (NMES=neuromuscular electrical stimulation device). Sieht aus wie eine Armbanduhr und stimuliert die darunter liegende Muskulatur14.

Die Schulung des Fachpersonals ist wichtig15. So darf die Größe erst bestimmt, wenn die Beine in Rückenlage entstaut sind (mindestens 15 Minuten). Bei offenen Wunden muss aseptisch gearbeitet werden.

Strümpfe für die Arbeit

Kompressionsstrümpfe verhindern wirksam berufsbedingte Ödeme der unteren Extremitäten. Sie schwächen zudem Schmerzen und Müdigkeit ab16.

Kompressionsstrümpfe für Sport und Freizeit

Bei den Einsatzbereichen für Sport und Freizeit gelten die gleichen Regeln wie für die Arbeit. Bei allen Tätigkeiten, wo langes Sitzen oder Stehen erforderlich ist, wirken Kompressionsstrümpfe gegen Schmerz und Müdigkeit.

Kompressionsstrümpfe Laufen

Gemäß einer Studie verbessern Strümpfe mit konstanter Kompression im Bereich des Wadenmuskels die Laufleistung bei unterschiedlichen Stoffwechselschwellen signifikant. Der zugrunde liegende Mechanismus wurde jedoch nur teilweise durch eine etwas höhere aerobe Kapazität erklärt17. Andere Untersuchungen konnten den Effekt nicht belegen18Weitere Untersuchungen zeigen eine Förderung der Regeneration. Sie mindern den Muskelkater und vermeiden die Übersäuerung bei anaerober Belastung19. Aber: Es gibt keine vergleichende Studie zu anderen Regenerationsverfahren. Daher empfehle ich weiter die Klassischen im Fokus zu haben:

  • Strukturlängenübungen (früher Dehnung)
  • Aktive Übungen
  • Hochlagerung zur Entlastung und zur Förderung des Abflusses
  • Wechselbäder und andere Kneipp-Anwendungen

Strümpfe für Diabetiker

Sowohl die Durchblutung (Mikroangiopathie) als auch die Schmerzwahrnehmung (Neuropathie) sind bei Diabetikern gemindert. Dies kann zu Folgeschäden führen. Häufig werden diese durch kleine Verletzungen ausgelöst. So kann es zum offenen Bein kommen. Das ist dann eine chronische Wunde (Ulcus cruris). Bekannt ist das als Diabetisches Fußsyndrom. Es sind die Folgen der Vielzahl an Schädigungen an den unteren Extremitäten.

Spezielle Kompressionsstrümpfe für Diabetiker können dem entgegenwirken. Es handelt sich um Konfektionsware mit geringer Kompressionswirkung. Der Druckbereich liegt bei 18-15 mmHg. Die Strümpfe sind an empfindlichen Stellen gepolstert. Vor allem am Fuß kann das die Haut schützen. Zum besseren Erkennen von Verletzungen sind die Strümpfe weiß.

Stützstrümpfe

Stützstrümpfe gelten als veraltet. Doch es gibt noch einen klassischen Einsatzbereich: Bei vormals adipösen Menschen nach starker Gesichtsabnahme wird bandagiert oder ein Stützstrumpf angelegt.

Kompressionsstrümpfe Flug

Insbesondere bei langen Flügen in engen Sitzreihen nimmt die Gefahr einer Blutstauung zu. Es kann sich eine Thrombose entwickeln. Studien zeigen jedoch keine eindeutige Wirkung20. Durch das Tragen kann aber die Ödembildung verringert werden. Günstig ist die Kompressionssklasse II.

Strümpfe mit Silber

Dies Strümpfe haben spezielle silberne Fasern. Das Silber erhöht den antimikrobiellen Schutz.

Kurzgefasst

Nochmal die häufigsten verwendeten Begriffe bei den Strümpfen

  • Antithrombose:
    • Antiembolie:Wird von nicht ambulanten oder postoperativen Patienten getragen, um Blutansammlungen in den Beinen zu verhindern, die zu einer Venenthrombose führen könnten.
    • Unterstützung: Diese sehr leichten Kompressionsstrümpfe können rezeptfrei und ohne ärztliche Verschreibung erworben werden.
  • Maßgeschneiderte Kompressionsstrümpfe: Nur für eine Person speziell angefertigt
    • Rundstrick: Die Strümpfe haben keine Naht. Das erhöht die Ästhetik
    • Flachstrick: Diese Strümpfe haben eine Naht. Dadurch sind sie optimal anpassbarbar.
  • Lymphödem: Diese Strümpfe dienen der Behandlung von Ödemen infolge des Auftretens von Lymphödemen zum Beispiel bei einer Lymphknotenentfernung.

Geschichte

Die Anwendung der Kompressionstherapie ist nicht neu. Bereits in der Jungsteinzeit (5000-2500 v. Chr.) wurden in den Zeichnungen der Höhlen von Tassili in der Sahara Bilder von Soldaten mit verbundenen unteren Extremitäten gefunden. Der Edwin Smith Papyrus aus dem Jahr 1600 v. Chr. enthielt zusätzliche Hinweise auf eine mechanische Kompressionstherapie der Beine21.

  • Hippokrates (460-370 v. Chr.) behandelte die Beingeschwüre seiner Patienten mit engen Verbänden, die in seinem Corpus Hippocraticum (450–350 v. Chr.).
  • Galen (128/131-199/216) verwendete Kompressionsverbände aus Wolle und Leinen, um Blutansammlungen in den Beinen zu verhindern.
  • Oribassius (326-403) behandelte Ulzera in den Beinen mit engen Verbänden
  • Avicenna (980–1037) Verfasser der berühmten Bücher „Buch der Genesung“ und „Kanon der Medizin
  • Guy de Chauliac (1298-1368) beschrieb die Anwedung von Kompressionsverbänden zur Behandlung vergrößerter Beinvenen in seinem Buch Chirurgica Magna
  • Giovanni Michele Savonarola (1384–1468) gilt als Begründer der modernen Krampfadertherapie in der „Practica maior“ (Erstdruck 1479)22
  • Ambroise Paré (1510–1590)
  • Girolamo Fabrizio di Acquapendente (1537–1619) „Begründer der Embryologie“ entdeckte die Venenklappen ohne deren Funktion zu verstehen
  • William Harvey (1578-1657) „Entdecker des Blutkreislaufes“ entdeckte 1628 den Zusammenhang zwischen venöser Stauung und äußerem Druck. Durch diese Entdeckung kam es zur Entwicklung geschnürter Strümpfe, elastischer Bänder und feste Verbände mit Harz.
  • Der Berliner Arzt Rudolf Ludwig Carl Virchow (1821-1902) erkannte das wichtige Trias (Dreieck) zur Genese der tiefen Bein-Beckenvenenthrombose (veröffentlicht 1856). Es sind die Veränderungen der Blutzusammensetzung, der Venenwand (Endothel) und des Blutflusses. Beim Blutfluss ist damit eine Verlangsamung bis hin zum Stillstand (Stase) gemeint.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden neue textile Materialien für die Herstellung von Kompressionsstrümpfen eingeführt. Zuerst Natur- oder Zellulosefasern (Seide, Baumwolle, Kokosnuss) und später chemische Stoffe (Acryl, Nylon, Polyester). Sehr spät wurde entdeckt, dass durch Kompression auch tiefe Beinvenenthrombose verhindert werden können. Es war am Ende des 19. Jahrhunderts. Die deutschen Phlebologen Fisher und Lasker entdeckten, wie die Anwendung des äußeren Drucks die Bildung von Blutgerinseln verhindert. Erst jetzt wurden Kompressionsstrümpfe für die Behandlung der tiefen Venenthrombose eingesetzt23.

Und noch Eines zum Schluss: Woher kommt eigentlich der Begriff „Auf die Socken machen?“ Er kommt von den Römern. Da schlüpften die Damen in leichte Schuhe, den Soccus.

Fußnoten

  1. „Fibers for Medical Compression“(Bipin Kumar Harishkumar Narayana Jinlian Hu)Handbook of Fibrous Materials, 03.04.2020
  2. „Experimental Evaluation and Analytical Model of the Pressure Generated by Elastic Compression Garments on a Deformable Human Limb“(Christopher J.Richards, Julie R.Steele, Geoffrey M.Spinks)Medical Engineering & Physics 17 May 2020
  3. „The effects of yoga on breast-cancer-related lymphedema: a systematic review“(Ausanee Wanchai, Jane M. Armer) Emerald Inside 24.04.2020
  4. Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis (Kerstin Protz, Knut Kröger, Joachim Dissemond) Springer Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-49743-2, S. 94–95.
  5. Ödeme und Lymphdrainage Diagnose und Therapie Lehrbuch der Ödematologie (Ulrich Herpertz) 5. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7945-2912-4, S. 307–310.
  6. Postthrombotischem Syndrom: Konsequente und längerfristige Kompression mit medizinischen Kompressionsstrümpfen (Joachim Dissemond) Ulcus cruris – Genese, Diagnostik und Therapie. Uni-Med Verlag, Bremen 2007, ISBN 978-3-89599-298-8, S. 103
  7. Compression Stockings for Preventing the Postthrombotic Syndrome in Patients with Deep Vein Thrombosis (Berntsen CF, Kristiansen A, Akl EA, Sandset PM, Jacobsen EM, Guyatt G, Vandvik PO) Am J Med. 2016 Apr;129(4):447.e1-447.e20
  8. „Prevalence of venous obstructions in (recurrent) venous thromboembolism: a case-control study“ (Pascale Notten, Rob H. W. Strijkers, Irwin Toonder, Hugo ten Cate & Arina J. ten Cate-Hoek) Thrombosis Journal volume 18, Article number: 23 (2020)
  9. „Lower extremity lymphatic function predicted by body mass index: a lymphoscintigraphic study of obesity and lipedema“ (Arin K. Greene & Christopher L. Sudduth) International Journal of Obesity (2020)
  10. „Subjects with venous insufficiency have high risk of obstructive sleep apnea in relationship to fluid shift (Elisa Perger, Sophie Blaise, Céline Vermorel, Gudrun Boge, Jean Louis Pepin, Stefania Redolfi, Jean Luc Bosson), Sleep Medicine 10 April 2020
  11. Safety and efficacy of mild compression (18 – 25 mmHg) therapy in patients with diabetes and lower extremity edema (Wu SC, Crews RT, Najafi B, Slone-Riviera N, Minder JL, Andersen CA) Compression Bulletin 24 J Diabetes Sci Technol 2012; 6: 641 – 647
  12. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe – Gibt es eine Evidenz? Elastic compression stockings for prevention of deep vein thrombosis – Is there any evidence? (K.Kröger, C.Diehm, C.Moerchel) Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 276–279
  13. Prevention of Venous Thromboembolism: Focus on Mechanical Prophylaxis (Giuseppe Lippi, Emmanuel J. Favaloro, Gianfranco Cervellin) Semin Thromb Hemost 2011; 37(3): 237-251
  14. „A Single-Centre Feasibility Randomised Controlled Trial Comparing the Incidence of Asymptomatic and Symptomatic Deep Vein Thrombosis Between a Neuromuscular Electrostimulation Device and Thromboembolism Deterrent Stockings in Post-Operative Patients Recovering From Elective Total Hip Replacement Surgery“(Thomas W Wainwright, Louise C Burgess, Robert G Middleton)National Center for Biotechnology Information 06.04.2020
  15. Compression Stockings Incorrectly Used In 29 Percent Of Patients, American Journal of Nursing August 23, 2008
  16. Evaluation of the effectiveness of wearing compression stockings for prevention of occupational edema in hairdressers“(Claudia Guimarães Agle, Cloud Kennedy Couto de Sá, Dejean Sampaio Amorim Filho, Marcondes Antonio de Medeiros Figueiredo)Journal Vascular Brasiliero 01.10.2019
  17. Effect of compression stockings on running performance in men runners (Kemmler W1, von Stengel S, Köckritz C, Mayhew J, Wassermann A, Zapf J.) J Strength Cond Res. 2009 Jan;23(1):101-5.
  18. Kompression und Sport – was ist belegbar? (Helmut Lötzerich) Vasomed Fachzeitschrift für Gefäßerkrankungen. 29. Jahrgang, Viavital Verlag, Köln, Januar 2017
  19. Efficacy of lower limb compression and compression treatment of manual massage and lower limb compression on symptoms of exercise-induced muscle damage in women (J. R. Jakeman, C. Byrne, R. G. Eston) J Strength Cond Res. 24(11), 2010, S. 3157–3165.
  20. Compression stockings for preventing deep vein thrombosis in airline passengers (Mike J Clarke, Cathryn Broderick, Sally Hopewell, Ed Juszczak, Anne Eisinga) Cochrane Systematic Review – Intervention Version published: 14 September 2016
  21. „Prevention of venous thromboembolism: Focus on mechanical prophylaxis“ (Lippi, G.; Favaloro, E. J.; Cervellin, G.) Seminars in Thrombosis and Hemostasis 2011 37 (3): 237–251.
  22. Michele Savonarola: Pratica maior. Venetiis, Vincenzo Valgrisi, 1561
  23. „The history and historical treatments of deep vein thrombosis“ (Galanaud, J. P.; Laroche, J. P.; Righini, M.) Journal of Thrombosis and Haemostasis. 2013 11 (3): 402–411

Von Reiner Schwope

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