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Kompressionsstrümpfe, Stützstrümpfe & Antithrombosestrümpfe

Kompressionsstrümpfe, Stützstrümpfe & Antithrombosestrümpfe sind keine einfachen Beinkleider. Erfahre hier mehr über die Unterschiede und Wirkungen dieser Spezialstrümpfe.

Kompressionsstrümpfe sind Spezialstrümpfe, die das Auftreten von Ödemen, Venenentzündungen und Thrombosen verhindern und deren weiteres Fortschreiten verhindern sollen.

Also machen wir uns mal „auf die Socken„… Was unterscheidet nun diese speziellen Strümpfe von einem blossen Bekleidungsstück. Es ist die medizinische Wirkung! Und da liegt auch schon das Problem: Mit medizinischen Dingen kann viel Geld generiert werden! Und so sind nicht alle Versprechungen über die Wirkungen nachzuweisen.

Da wo Kompressionsstrümpfe sinnvoll sind, sind sie sehr effektiv und absolut notwendig!

Reiner Schwope im Profilbild
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Letzte Textaktualisierung: 28.11.2019

Auf die Socken machen“ kommt von den Römern. Da schlüpften die Damen in leichte Schuhe, den Soccus.

Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass Kompressionsstrümpfe einen Druck auf das Gewebe erzeugen. Dieser wirke dann auf die Venen. Doch wenn Du Dir das Venensystem mal genauer ansiehst, erkennst Du, die Hauptgefäße liegen sicher untergebracht sehr nah am Knochen.

Zu sehen sind die tiefen und oberflächlichen Beinvenen. Henry Gray (1821–1865)"Anatomy of the Human Body" 1918
Tiefe und oberflächliche Beinvenen

Und bevor ein Druck von aussen dort ankommt, muß der schon immens sein. Worauf aber übt ein Kompressionsstrumpf dann Druck aus? Auf das Zwischenzellwasser. Und klar, auch auf alle sich dort befindlichen Zellen.

Fertigungsprinzip

Bei einem Kompressionsstrumpf ist der ausgeübte Druck von peripher nach zentral abnehmend. So ist der Gewebedruck in Richtung der Schwerkraft grösser. Der Druck, den Medizinische Kompressionsstrümpfe ausüben, sind dem Krankheitsgrad des Patienten angepasst. Sie sind in Kompressionsklassen eingeteilt. Sie reichen von der leichteren Kompressionsklasse I bis zur schwersten IV. Gängige Abkürzungen sind „CCL“, „Ccl“ oder „KKL“. Heute sind syntethische Fasern aus Gründen der Haltbarkeit üblich. Es gibt zwei Strickverfahren: Das rundliche und das flache. Der Vorteil beim Rundstrickverfahren ist die Nahtlosigkeit. Der Vorteil der flachen Strickweise ist die größere Anpassbarkeit an die Beinform. Daraus ergeben sich auch die Einsatzbereiche.

Infographik:  Kompressionsklassen und -drücke
Infographik: Kompressionsklassen und -drücke
Info-box IKompressions-klassen
KlasseIntensitätDruck in mmHGKompression in KPa
Ileicht18-212,4-2,8
IImittel22-333,1-4,3
IIIkräftig34-464,5-6,1
IVsehr kräftig>49>6,1
Info-box II Einsatz der Kompressionsklassen
IBeginnende Venenschwäche
IIOberflächliche Krampfadern
IIISchäden der tiefen Beinvenen oder des Verbindungssystems
IVSchwere Beinschwellungen (Ödeme)

Wirkungspinzipien

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden verordnet und angemessen, wenn eine Entstauungstherapie erfolgreich abgeschlossen ist. Die Entstauungstherapie ist in der Regel eine Kombination von Lymphdrainage und Entwässerungstherapie. In dieser Zeit werden Kompressionsbandagierungen oder Adaptive Kompressionsbandagen eingesetzt. Sie gewährleisten den Erhalt der Drainage. Also einfach gesagt, das Gewebe soll sich nicht wieder mit Wasser auffüllen. Sowohl die Kompressionsbandagierungen als auch der medizinische Kompressionsstrumpf dienen sie hierbei als Widerlager. Ohne dieses Widerlager ist der Einsatz wenig sinnvoll. Das Widerlegen ist die Muskelbewegung. In Immobilität ist der Einsatz also zumindestens fraglich! So ist es verständich, dass nur in Regionen komprimiert wird, wo es erforderlich ist. Deshalb gibt es verschiedene Strümpfe in Sanitätshäusern, bei Orthopädietechnikern und Apotheken:

  • Wadenstrümpfe (AD)
  • Halbschenkelstrümpfe (AF)*
  • Schenkelstrümpfe (AG)*
  • Strumpfhose für beide Geschlechter (AT)
  • Sonderformen
    • Caprihose
    • Radlerhose
    • Leggings

*mit silikonbesetzten Halteband (Haftrand), früher oder alternativ mit Strumpfhalter

Indikationen

Wann kommen medizinische Kompressionsstrümpfe aus fachlicher Sicht zum Einsatz?

Venenerkrankungen

– Chronisch-venöser Insuffizienz (CVI)

Eine chronische periphere venöse Insuffizienz liegt vor, wenn die Venen nicht in der Lage sind, sauerstoffarmes Blut zum Herzen zurückzupumpen.

– Krampfadern

Krampfadern sind sacculäre und erweiterte Venen, die sich erheblich ausdehnen können und schmerzhafte venöse Entzündungen verursachen können. Einmal entwickelt, verschwinden sie nicht von alleine. Die Bildung von Krampfadern ist ein äußerlich sichtbares Zeichen für venöse Schwäche.

Bei Krampfadern kommt es noch zu einer möglichen Komplikation: Der Entzündung der Vene.

Phlebitis ist der Begriff, der verwendet wird, wenn eine Entzündung und Gerinnung in einer Vene, meistens einer Beinvene, aufgrund einer Infektion, Entzündung oder eines Traumas auftritt. Menschen mit Krampfadern sind häufiger betroffen. Eine Entzündung tritt plötzlich auf, wodurch der Thrombus fest an der Venenwand haftet und die Gefahr besteht, dass eine oberflächliche Vene verstopft wird.

Zur Ergänzung der Wadenmuskelpumpe dienen die Kompressionsstrümpfe als Widerlager. Ich nenne deshalb die Beinmuskulaturdas zweite Herz„. Wegen seiner Wichtigkeit ist die chronisch-venöse Insuffizienz häufigster Grund für die Verordnung. Dies ist aber erst nach Abschwellen der Ödeme durch Lymphdrainage und Kompressionstherapie möglich. So wird der Therapieerfolg erhalten. Sehr wichtig zur Vermeidung von Sekundärkomplikationen1

Postthrombotisches Syndrom

Eine tiefe Venenthrombose tritt auf, wenn der Blutfluss abnimmt (insbesondere in den unteren Extremitäten), wodurch sich Blut in den Beinen ansammelt und sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) bildet. Es gibt wandständige und frei flottierende (frei bewegliche) Tromben. Letztere können sich leichter lösen und eine Embolie versursachen.

Die Unterstützung der unter der Haut liegenden (subcutanen) Venen erhöht den gleichmäßigen Blutfluss. Das nennt man fachmedizinisch den Gesamtquerschnitt des Venensystems zu reduzieren. Ob dadurch die Gefahr weiterer Thrombosen verhindert werden kann, ist fraglich2Dies ist aber im Vergleich zur Aktivierung durch regelmäßige Bewegung sekundär. Zudem ist eine pharmakologische Einstellung mit Blutgerinnungshemmern nötig.

Lymphödem

Ein Ödem ist ein Zustand, bei dem die in den kleinen Blutgefäßen und Kapillaren auftretenden entgegengesetzten Kräfte eine Netto-Ultrafiltration von Plasmawasser in die Weichgewebe verursachen oder einfacher ausgedrückt: Ein Lymphödem tritt auf, wenn ein Körperteil aufgrund einer abnormalen Ansammlung von Lymphflüssigkeit anschwillt. Dies tritt auf, wenn die normale Ableitung von Lymphflüssigkeit zurück in das Blut gestört wird, dann schwillt üblicherweise der Arm, das Bein, der Hals oder der Bauch an.

Phase 1: Entstauung des Lymphödems

Die Entstauungstherapie ist sehr komplex. Die zentralen Elemente sind Lymphdrainage und Entwässerung. Das ist ein Verfahren, welches Herz und Kreislauf stark belastet (u.a.). Gewebetechniken können die Drainage deutlich verbessern.

Ich arbeite sehr erfolgreich mit speziellen craniosacralen osteopathischen Techniken.

Phase 2: Kompressionstherapie

Nach erfolgreicher Entstauung3 sollen Kompressionsstrümpfe den Behandlungserfolg erhalten4.

Sonderfälle

– Lipödem

Es handelt sich nicht um ein klassisches Ödem. Es ist eine Störung der Fettverteilung oder Vermehrung. Dies ist in der Regel genetisch angelegt. Es sind fast ausschließlich Frauen betroffen. Die Kompressionsstrümpfe sind nur ein Teil der komplexen physikalischen Therapie.

– Lipodermatosklerose

Unter Lipodermatosklerose versteht man die Entzündung des Unterhautfetts, eine Form der Pannikulitis.

– Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft setzt der Körper Hormone frei. Zudem erhöht der expandierende Uterus den Druck auf die Bauchvenen (Vena cava inferior). Dies ist die Hauptvene, welche das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen führt.

– Economy-Class-Schlaganfall–Syndrom

Das „Economy Class“-Syndrom ist nicht ausreichend untersucht. Doch es gibt Hinweise für die Ursache dieser Schlaganfälle. Es geht um eine mögliche Verbindung zwischen des rechten und linken Vorhofes des Herzens. Man schätzt rund 30 % haben ein solches persistierende Foramen ovale (PFO). Normalerweise schließt es sich nach der Geburt, denn dann entfaltet sich die Lunge und das Blut soll vom rechten Herzen in die Lungenarterie fliessen. Der Name „Economy-Class-Schlaganfall-Syndrom“ ist entstanden, weil es gerade gesunde und junge Reisenden erlitten. Vor allem nach langen Flugreisen trat dies auf. Dazu ist es wichtig zu verstehen, dass die Lunge kleinere Embolien selbst abbauen kann. Das Gehirn ist dafür nicht ausgelegt. Mittels Echokardiogramm (spezielle Ultraschalluntersuchung) kann bestimmt werden, ob ein solcher Defekt vorliegt.

Strümpfe mit Silber

Dies Strümpfe haben spezielle silberne Fasern. Die sollen nicht den Wert erhöhen. Das Silber erhöht den antimikrobiellen Schutz.

Kontraindikationen

Bei bestimmten Erkrankungen kann das Tragen (je nach Schwere der Erkrankung) kontraindiziert sein 5:

  • obstruktiver Arterienerkrankung (Bei einer artiellen Verschlusskrankheit ist ab einer bestimmten Durchblutungsminderungen ebendiese abgeschnürt. Gemessen wird der ankle brachial pressure index (ABPI) und der sollte > 1,0 sein)
  • Herzinsuffizienz
  • infektiöse Venenentzündung (septische Phlebitis)
  • nässende Hautentzündung (Dermatitis)
  • Nervenerkrankung mit Sensibilitätsstörungen (periphere Neuropathie)

Anziehanleitung durch Fachpersonal

Am Anfang sollte Fachpersonal das Ankleidungen begleiten.

Hilfen

Schon junge kräftige Menschen müssen sich sehr anstrengen, die Strümpfe anzuziehen. Deshalb sind An- und Ausziehhilfen extrem wichtig. Sie erleichtern den Umgang mit den medizinischen Kompressionsstrümpfen. Zudem wird das Material geschont. Sie werden meistens auch gleich mit verordnet und angepasst. Es gibt Gestelle aus Metall oder Plastik. Zudem Gleiter aus gleitfähigen künstlichen Fasern (Ballonseide). Spezielle Gummihandschuhe oder Handschuhe mit gummierter Handinnenfläche helfen manuell.

Spezielle Strümpfe

Antithrombosestrümpfe

Schon der bekannte Berliner Arzt Rudolf Ludwig Carl Virchow erkannte das wichtige Trias (Dreieck) zur Genese der tiefen Bein-Beckenvenenthrombose. Es sind die Veränderungen der Blutzusammensetzung, der Venenwand (Endothel) und des Blutflusses. Beim Blutfluss ist damit eine Verlangsamung bis hin zum Stillstand (Stase) gemeint. Aufgrund dieser Überlegungen wurden die medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) als physikalisches Mittel zur Prävention von venösen Thrombosen der unteren Extremität in den 1970er und 1980er Jahren eingeführt. Und sie werden bis heute verwendet. Im Gegensatz zu den klassischen Kompressionsstrümpfen in Hautfarbe werden diese Strümpfe in weiß hergestellt.

Der lokale Anpressdruck ist in der Fesselregion bei 15 – 18 mmHg. Das ist deutlich unter der Kompressionsklasse I. Und er nimmt zum Körperkern (also von distal nach proximal) ab. Fasst man aktuelle Leitlinien und Studien zusammen, gibt es keinen Grund (fehlende Evidenz) für eine Wirkung dieser Strümpfe. Eine venöse Thromboembolie (VTE) kann durch Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTPS) nicht vermieden werden. Sie können beim Ankleiden oder durch Kompression sogar Schäden verursachen6. So gelten folgende Regeln zur Vermeidung einer Thrombose:

  • Frühmobilisation
  • Flüssigkeitzufuhr erhöhren (Hydratation)
  • Blutgerinnung minimieren (Antiaggregatorischen und antikoagulatorischen Medikamenten)

Es gibt wie immer auch eine Ausnahme von der Regel. Wenn das Blutungsrisiko hoch ist und pharmakologische Maßnahmen kontraindiziert sind, dann wird der Einsatz von Kompressionsstrümpfen in Betracht gezogen7. In diesem Fall ist aber der Einsatz von intermittierender pneumatischer Kompressionsvorrichtungen und venöser Fußpumpen angezeigt.

Werden im klinischen Umfeld Antithrobosestrümpfe angelegt, sollte das Fachpersonal (Ärzte, Krankenschwestern, Therapeuten) das Anlegen beherrschen. Die Größe wird erst bestimmt, wenn die Beine in Rückenlage entstaut sind (mindestens 15 Minuten). Dann erst wird vermessen. Zudem ist darauf zu achten, dass bei offenen Wunden aseptisch gearbeitet wird. Die Schulung des Fachpersonals ist wichtig8.

Strümpfe für Sport und Freizeit

Gemäß einer Studie verbessern Strümpfe mit konstanter Kompression im Bereich des Wadenmuskels die Laufleistung bei unterschiedlichen Stoffwechselschwellen signifikant. Der zugrunde liegende Mechanismus wurde jedoch nur teilweise durch eine etwas höhere aerobe Kapazität erklärt9. Andere Untersuchungen konnten den Effekt nicht belegen10Weitere Untersuchungen zeigen eine Förderung der Regeneration. Sie mindern den Muskelkater und vermeiden die Übersäuerung bei anaerober Belastung11. Aber: Es gibt keine vergleichende Studie zu anderen Regenerationsverfahren. Daher empfehle ich weiter die klassischen im Fokus zu haben

  • Strukturlängenübungen (früher Dehnung)
  • Aktive Übungen
  • Hochlagerung zur Entlastung und zur Förderung des Abflusses
  • Wechselbäder und andere Kneipp-Anwendungen

Strümpfe für Diabetiker

Sowohl die Durchblutung (Mikroangiopathie) als auch die Schmerzwahrnehmung (Neuropathie) sind bei Diabetikern gemindert. Dies kann zu Folgeschäden führen. Häufig werden diese durch kleine Verletzungen ausgelöst. So kann es zum offenen Bein kommen. Das ist dann eine chronische Wunde (Ulcus cruris). Bekannt ist das als Diabetisches Fußsyndrom. Es sind die Folgen der Vielzahl der Schädigungen an den unteren Extremitäten.

Spezielle Kompressionsstrümpfe für Diabetiker können dem entgegenwirken. Es handelt sich um Konfektionsware mit geringer Kompressionswirkung. Der Druckbereich liegt bei 18-15 mmHg. Die Strümpfe sind an empfindlichen Stellen gepolstert. Vor allem am Fuß kann das die Haut schützen. Zum besseren Erkennen von Verletzungen sind die Strümpfe weiß.

Stützstrümpfe

Stützstrümpfe gelten als veraltet. Doch es gibt noch einen klassischen Einsatzbereich: Bei vormals adipösen Menschen nach starker Gesichtsabnahme wird bandagiert oder ein Stützstrumpf angelegt.

Kompressionsstrümpfe bei Flügen

Insbesondere bei langen Flügen in engen Sitzreihen nimmt die Gefahr einer Blutstauung zu. Es kann sich eine Thrombose entwickeln. Studien zeigen jedoch keine eindeutige Wirkung12. Durch das Tragen kann aber die Ödembildung verringert werden.

Kurzgefasst

Nochmal die häufigsten verwendeten Begriffe bei den Strümpfen

  • Antithrombose:
    • Antiembolie:Wird von nicht ambulanten oder postoperativen Patienten getragen, um Blutansammlungen in den Beinen zu verhindern, die zu einer Venenthrombose führen könnten.
    • Unterstützung: Diese sehr leichten Kompressionsstrümpfe können rezeptfrei und ohne ärztliche Verschreibung erworben werden.
  • Maßgeschneiderte Kompressionsstrümpfe: Nur für eine Person speziell angefertigt
    • Rundstrick: Die Strümpfe haben keine Naht. Das erhöht die Ästhetik
    • Flachstrick: Diese Strümpfe haben eine NahtDadurch sind sie optimal anpassbarbar.
  • Lymphödem: Diese Strümpfe dienen der Behandlung von Ödemen infolge des Auftretens von Lymphödemen zum Beispiel bei einer Lymphknotenentfernung.

Geschichte

Die Anwendung der Kompressionstherapie ist nicht neu. Bereits in der Jungsteinzeit (5000-2500 v. Chr.) wurden in den Zeichnungen der Höhlen von Tassili in der Sahara Bilder von Soldaten mit verbundenen unteren Extremitäten gefunden. Der Edwin Smith Papyrus aus dem Jahr 1600 v. Chr. enthielt zusätzliche Hinweise auf eine mechanische Kompressionstherapie der Beine13.

  • Hippokrates (460-370 v. Chr.) behandelte die Beingeschwüre seiner Patienten mit engen Verbänden, die in seinem Corpus Hippocraticum (450–350 v. Chr.).
  • Galen (128/131-199/216) verwendete Kompressionsverbände aus Wolle und Leinen, um Blutansammlungen in den Beinen zu verhindern.
  • Oribassius (326-403) behandelte Ulzera in den Beinen mit engen Verbänden
  • Avicenna (980–1037) Verfasser der berühmten Bücher „Buch der Genesung“ und „Kanon der Medizin
  • Guy de Chauliac (1298-1368) beschrieb die Anwedung von Kompressionsverbänden zur Behandlung vergrößerter Beinvenen in seinem Buch Chirurgica Magna
  • Giovanni Michele Savonarola (1384–1468) gilt als Begründer der modernen Krampfadertherapie in der „Practica maior“ (Erstdruck 1479)14
  • Ambroise Paré (1510–1590)
  • Girolamo Fabrizio di Acquapendente (1537–1619) „Begründer der Embryologie“ entdeckte die Venenklappen ohne deren Funktion zu verstehen
  • William Harvey (1578-1657) „Entdecker des Blutkreislaufes“ entdeckte 1628 den Zusammenhang zwischen venöser Stauung und äußerem Druck. Durch diese Entdeckung kam es zur Entwicklung geschnürte Strümpfe, elastische Bänder und feste Verbände mit Harz.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wurden neue textile Materialien für die Herstellung von Kompressionsstrümpfen eingeführt. Zuerst Natur- oder Zellulosefasern (Seide, Baumwolle, Kokosnuss) und später chemische Stoffe (Acryl, Nylon, Polyester). Sehr spät wurde entdeckt, dass durch Kompression auch tiefe Beinvenenthrombosen verhindert werden können. Es war am Ende des 19. Jahrhunderts. Die deutschen Phlebologen Fisher und Lasker entdeckten, wie die Anwendung des äußeren Drucks die Bildung von Blutgerinseln verhindert. Erst jetzt wurden Kompressionsstrümpfe für die Behandlung der tiefen Venenthrombose eingesetzt15.

Fußnoten

  1. Postthrombotischem Syndrom: Konsequente und längerfristige Kompression mit medizinischen Kompressionsstrümpfen (Joachim Dissemond) Ulcus cruris – Genese, Diagnostik und Therapie. Uni-Med Verlag, Bremen 2007, ISBN 978-3-89599-298-8, S. 103
  2. Compression Stockings for Preventing the Postthrombotic Syndrome in Patients with Deep Vein Thrombosis (Berntsen CF, Kristiansen A, Akl EA, Sandset PM, Jacobsen EM, Guyatt G, Vandvik PO) Am J Med. 2016 Apr;129(4):447.e1-447.e20
  3. Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis (Kerstin Protz, Knut Kröger, Joachim Dissemond) Springer Verlag, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-49743-2, S. 94–95.
  4. Ödeme und Lymphdrainage Diagnose und Therapie Lehrbuch der Ödematologie (Ulrich Herpertz) 5. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7945-2912-4, S. 307–310.
  5. Safety and efficacy of mild compression (18 – 25 mmHg) therapy in patients with diabetes and lower extremity edema (Wu SC, Crews RT, Najafi B, Slone-Riviera N, Minder JL, Andersen CA) Compression Bulletin 24 J Diabetes Sci Technol 2012; 6: 641 – 647
  6. Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe – Gibt es eine Evidenz? Elastic compression stockings for prevention of deep vein thrombosis – Is there any evidence? (K.Kröger, C.Diehm, C.Moerchel) Dtsch Med Wochenschr 2011; 136: 276–279
  7. Prevention of Venous Thromboembolism: Focus on Mechanical Prophylaxis (Giuseppe Lippi, Emmanuel J. Favaloro, Gianfranco Cervellin) Semin Thromb Hemost 2011; 37(3): 237-251
  8. Compression Stockings Incorrectly Used In 29 Percent Of Patients, American Journal of Nursing August 23, 2008
  9. Effect of compression stockings on running performance in men runners (Kemmler W1, von Stengel S, Köckritz C, Mayhew J, Wassermann A, Zapf J.) J Strength Cond Res. 2009 Jan;23(1):101-5.
  10. Kompression und Sport – was ist belegbar? (Helmut Lötzerich) Vasomed Fachzeitschrift für Gefäßerkrankungen. 29. Jahrgang, Viavital Verlag, Köln, Januar 2017
  11. Efficacy of lower limb compression and compression treatment of manual massage and lower limb compression on symptoms of exercise-induced muscle damage in women (J. R. Jakeman, C. Byrne, R. G. Eston) J Strength Cond Res. 24(11), 2010, S. 3157–3165.
  12. Compression stockings for preventing deep vein thrombosis in airline passengers (Mike J Clarke, Cathryn Broderick, Sally Hopewell, Ed Juszczak, Anne Eisinga) Cochrane Systematic Review – Intervention Version published: 14 September 2016
  13. „Prevention of venous thromboembolism: Focus on mechanical prophylaxis“ (Lippi, G.; Favaloro, E. J.; Cervellin, G.) Seminars in Thrombosis and Hemostasis 2011 37 (3): 237–251.
  14. Michele Savonarola: Pratica maior. Venetiis, Vincenzo Valgrisi, 1561
  15. „The history and historical treatments of deep vein thrombosis“ (Galanaud, J. P.; Laroche, J. P.; Righini, M.) Journal of Thrombosis and Haemostasis. 2013 11 (3): 402–411

Von Reiner Schwope

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