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  • Gute Vorsätze – schlechte Idee?

    Gute Vorsätze – schlechte Idee?

    Warum wir uns jedes Jahr etwas vornehmen – und warum es oft trotzdem nicht klappt.

    Vielleicht sieht dein Jahresanfang ungefähr so aus: Kaum ist Silvester vorbei, sitzt irgendwo in dir eine kleine Innendienst‑Abteilung, die den Stift zückt: „So, dieses Jahr machen wir das ordentlich. Weniger Zucker. Mehr Bewegung. Achtsamer. Früher ins Bett.“ Auf dem Papier klingt das großartig. In der Realität meldet sich dann oft der Alltag – und nach ein paar Wochen ist von den heldenhaften Plänen eher ein müdes Schulterzucken übrig. Manchmal bleibt vor allem dieses Gefühl: „Schon wieder nicht durchgezogen.“ Dass es so läuft, ist eher Regel als Ausnahme: Untersuchungen zeigen, dass viele Neujahrsvorsätze schon in den ersten Monaten scheitern, selbst wenn der Start voller guter Absichten ist (Norcross & Vangarelli 1988; Medical News Today 2021). Wenn du dich darin wiedererkennst, liegt das ziemlich sicher nicht daran, dass ausgerechnet du „zu schwach“ bist.

    Gute Vorsätze: Schlechte Idee?

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    Spannender ist die Frage: Passen diese Vorsätze überhaupt zu der Art, wie Menschen ticken – mit Körper, Nervensystem, Biografie, Beziehungen – oder verlangen wir da etwas von uns, das an unserer Natur vorbeigeht (Norcross & Vangarelli 1988)? In diesem Text schauen wir genau dorthin. Was passiert in dir, wenn du dir etwas vornimmst? Warum reicht ein klarer Entschluss im Kopf so oft nicht, um das eigene Verhalten im echten Alltag zu verändern? Und wie könnte es aussehen, wenn der Start ins neue Jahr weniger nach innerem Feldwebel klingt und mehr nach einem freundlichen „Lass uns schauen, was für dich gerade wirklich geht“? Die Antwort hat erstaunlich wenig mit eiserner Disziplin zu tun – und sehr viel mit Rhythmen, Hinweisreizen und den kleinen Möglichkeiten, die dein jetziges Leben dir tatsächlich anbietet (Wood & Neal 2007; Lally & Gardner 2013).

    1. Der Denkfehler hinter guten Vorsätzen

    Die Idee hinter guten Vorsätzen klingt erstmal bestechend einfach: Ein Mensch fasst einen Entschluss – und ab morgen läuft der Rest wie ein neues Programm. Der innere Dialog geht dann ungefähr so: „Jetzt reicht es, ab 1. Januar mache ich Sport.“ Im Hintergrund arbeitet ein stilles Modell mit: oben „altes Verhalten“, unten „neues Verhalten“. Schalter umlegen, fertig. Dieses Bild ist verständlich, aber es hat mit der Art, wie Menschen tatsächlich ticken, nur begrenzt zu tun (Norcross & Vangarelli 1988).

    Wenn man genauer hinschaut, ist Verhalten eher ein komplexes Zusammenspiel als ein Ein‑Knopf‑System. Ob du am Abend spazieren gehst oder auf dem Sofa landest, hat mit deiner Energie, deiner Stimmung, deinen Schmerzen, deinem Stresspegel zu tun – aber auch mit der Umgebung, in der du dich bewegst, mit der Uhrzeit, mit den Menschen um dich herum, mit dem, was du dir über Jahre angewöhnt hast (Wood & Neal 2007; Lally & Gardner 2013). Viele deiner Handlungen laufen nicht über bewusste „Jetzt aber los“-Entscheidungen, sondern über eingespielte Schleifen: bestimme Wege, bestimmte Tageszeiten, bestimmte Situationen – und dein Körper weiß schon, was „dazu gehört“. Die Forschung zeigt sehr deutlich, dass stark eingeübtes Verhalten vor allem von solchen Kontextreizen gesteuert wird, nicht von den Zielen, die du dir im Kopf so schön formulierst (Wood & Neal 2007).

    Wenn du also sagst „Ich nehme mir vor, dreimal pro Woche zu joggen“, dann steht dieser Satz erstmal ziemlich allein im Raum. Dein Körper kennt zu diesem Zeitpunkt andere Gewohnheiten: vielleicht das Sofa nach der Arbeit, den Blick aufs Handy, das Glas Wein am Abend. Diese Muster sind nicht „falsch“, sie sind über Jahre entstanden – oft als Schutz, als Entlastung, als Art, mit Belastung klarzukommen. Ein einzelner Vorsatz kann diese gewachsenen Strukturen nicht einfach wegwischen. Genau hier liegt der Denkfehler: Der Vorsatz behandelt dich wie eine Maschine mit Befehlscode. In Wirklichkeit bist du ein lebendiges System, das auf Sinn, Sicherheit und Passung reagiert – auf das Gefühl: „Das gehört zu mir und ist im Moment wirklich machbar“ (Ryan & Deci 2000; Ng et al. 2012).

    Dazu kommt: Viele Vorsätze entstehen in Momenten, in denen es dir ohnehin nicht gut geht. Du bist genervt von Schmerzen, von deinem Körpergefühl, vom Gewicht, von Erschöpfung. Innen baut sich Druck auf, und der Kopf reagiert mit einem großen Bild in die Zukunft: „Ab Neujahr wird alles anders.“ Für einen Moment kann sich das anfühlen wie eine Erleichterung, fast wie ein Versprechen an dich selbst. Wenn dann der normale Alltag wieder einsetzt – mit genau den gleichen Anforderungen, Beziehungen und Erschöpfungsspitzen wie vorher –, zeigt sich, dass dein realer Möglichkeitsrahmen im Hier und Jetzt enger ist, als der Kopf es an diesem symbolischen Datum geplant hat (Wood & Neal 2007; Alageel et al. 2021).

    Genau deshalb betont die Gesundheitspsychologie seit Jahren: Wirksame Veränderung beginnt nicht beim Idealmenschen in deinem Kopf, sondern bei dem Menschen, der du gerade bist – mit deiner aktuellen körperlichen, psychischen und sozialen Situation. Empfehlungen, die an deine vorhandenen Ressourcen und Vorlieben anknüpfen, zu deinem Alltag passen und sich im Jetzt halbwegs stimmig anfühlen, werden deutlich häufiger umgesetzt und über längere Zeit beibehalten als starre Standardpläne, die auf „man sollte“ beruhen (Alageel et al. 2021; Lindelöf et al. 2019). Übertragen auf den Jahresanfang heißt das: Entscheidend ist nicht, wie kraftvoll sich dein Vorsatz anhört, sondern ob er in das Leben passt, das du heute tatsächlich lebst – mit allen Grenzen, Möglichkeiten und Eigenheiten (Ng et al. 2012; Alageel et al. 2021).

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    Und noch etwas Wichtiges: Veränderung passiert nicht im Kopfkino, sondern im Erleben. In der Praxis arbeite ich deshalb selten mit langen Grübel‑Schleifen („Was wäre die perfekte Lösung?“), sondern mit kleinen, konkreten Experimenten: etwas tun – und dann spüren, wie es sich anfühlt. Nicht erst alles zu Ende denken, bevor du den ersten Schritt gehst, sondern einen sehr kleinen Schritt machen und deinen Körper, deine Stimmung, deinen Alltag dazu befragen: „War das stimmig für mich oder nicht?“ Diese Rückmeldung aus dem Tun ist oft ehrlicher und hilfreicher als jede Kopfentscheidung, weil sie zeigt, was in deinem jetzigen Leben wirklich Platz hat.

    2. Evolutionär betrachtet: Hunger, Spiel und Bewegung

    Stell dir ein Tier vor, das Hunger hat. Es setzt sich nicht hin und schreibt eine innere Liste: „Heute sollte ich mal wieder etwas jagen.“ Es merkt Hunger – ein körperlicher Impuls entsteht, und der Körper geht los. Über Millionen von Jahren war das auch beim Menschen so: Bedürfnisse tauchten als spürbare Signale auf, nicht als moralische Aufgaben. Essen, Ruhen, Bewegen, Spielen – all das war eingebettet in Tagesrhythmen, Jahreszeiten und die Anforderungen der Umgebung (Lieberman 2013; Raichlen & Alexander 2017).

    Bewegung entstand ursprünglich nicht als Trainingsplan, sondern aus Neugier, Erkundung und Notwendigkeit. Kinder zeigen uns bis heute ein Stück dieser alten Logik: Sie rennen los, weil etwas spannend aussieht, sie klettern, weil es zieht, sie drehen sich im Kreis, weil ihnen danach ist. Freude, Spiel und Kontakt sind die Motoren, nicht das schlechte Gewissen. Studien zur körperlichen Aktivität deuten darauf hin, dass diese „lustvolle“ Bewegung – also Aktivität, die als angenehm und passend erlebt wird – eine sehr stabile Grundlage für regelmäßige Bewegung im Erwachsenenalter ist (Raichlen & Alexander 2017; Brand & Ekkekakis 2018).

    Und genau da fängt etwas an, was mir in der Arbeit sehr am Herzen liegt: sich wieder zu spüren. Nicht nur im Kopf zu wissen „Ich sollte mich mehr bewegen“, sondern zu merken: Wie fühlt sich dein Körper gerade an? Wo ist Spannung, wo Müdigkeit, wo vielleicht ein ganz leiser Zug in Richtung Neugier auf Bewegung? Wie spricht dein Rücken zu dir, dein Bauch, dein Atem? Es geht nicht darum, noch eine Aufgabe oben drauf zu packen, sondern eher darum, dir zuzuhören – im Tun, in der Bewegung, in den kleinen Veränderungen. Wenn du möchtest, darf jede Übung, jede neue Gewohnheit eine Einladung sein, dich ein Stück besser kennenzulernen, statt dich strenger zu beurteilen.

    Spüren und Denken bei Übung und Training

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    Unsere heutige Lebenswelt hat viele der ursprünglichen Reize leiser gedreht. Wir müssen nicht mehr gehen, um Nahrung zu beschaffen, wir sitzen in Gebäuden, arbeiten am Bildschirm, bewegen uns oft nur noch in dafür vorgesehenen „Fenstern“: Fitnessstudio, Laufrunde, Kurs. Dein Körper spürt zwar weiterhin Müdigkeit, Unruhe oder Anspannung, aber er bekommt selten ein klares, spielerisches Angebot, wie er darauf antworten könnte. Stattdessen legen wir abstrakte Pläne über diese Signale: „Ab Montag gehe ich dreimal pro Woche joggen.“ Für das Nervensystem ist dieser Plan zunächst vor allem eins: ein Satz. Kein echter Reiz, keine kleine Entdeckung, keine gelebte Erfahrung – noch nicht (Ekkekakis 2017; Ng et al. 2012).

    Deshalb arbeite ich in der Praxis selten nach dem Motto „erst perfekt planen, dann funktionieren“, sondern eher so: etwas Kleines tun – und dann spüren, wie es dir damit geht. Ein kurzer Gang vor die Tür, eine kleine Bewegung an der Wand, ein paar Schritte im Flur. Nicht als Prüfung, ob du „diszipliniert genug“ bist, sondern als freundliches Experiment: „Wie reagiert mein Körper jetzt darauf? Wird irgendwo etwas weiter, ruhiger, wacher? Oder braucht er gerade etwas anderes?“ Verhaltensforschung zeigt, dass Menschen deutlich aktiver bleiben, wenn Bewegung an Freude, Passung und Alltagskontext anknüpft, statt als Pflichtübung erlebt zu werden (Ekkekakis 2017; Rhodes & Kates 2015). Dein Körper reagiert auf gelebte Erfahrungen – „Das tut gut, das fühlt sich ein Stück nach mir an“ – viel stärker als auf abstrakte Befehle. Wenn du magst, kann genau das dein eigentlicher „Vorsatz“ sein: dir im Tun zuzuhören und das, was sich stimmig anfühlt, behutsam größer werden zu lassen.

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    3. Müssen ist keine Motivation

    „Ich muss jetzt joggen gehen.“ Allein beim Aussprechen liegt schon etwas Schweres in der Luft. Dieses „Müssen“ trägt den inneren Widerstand in sich – als würde ein Teil in dir sofort antworten: „Eigentlich will ich gerade etwas ganz anderes.“ Viele Menschen kennen diesen Tonfall, wenn es um Bewegung, Ernährung oder Entspannung geht: „Ich muss mehr Sport machen“, „Ich muss endlich gesünder essen“, „Ich muss mal runterkommen.“ Auf den ersten Blick klingt das vernünftig und verantwortungsvoll. Auf den zweiten merkst du vielleicht: Es entzieht deinem Erleben den Boden, weil es dich eher unter Druck setzt, als dich wirklich mitzunehmen.

    In der Motivationspsychologie wird zwischen kontrollierter und autonomer Motivation unterschieden. Kontrolliert ist alles, was sich nach Druck, Schuld, äußerem Erwartungsdruck oder innerem Antreiber anhört. Autonom ist das, was sich innerlich stimmig, selbst gewählt, sinnvoll oder interessant anfühlt – also da, wo du von innen her ein „Ja, das passt zu mir“ spüren kannst (Ryan & Deci 2000; Ng et al. 2012). Langfristig stabile Verhaltensänderungen werden deutlich häufiger dann beobachtet, wenn Menschen einen Sinn in ihrem Verhalten sehen und das Gefühl haben, aus eigener Überzeugung zu handeln, statt einer inneren oder äußeren Stimme zu folgen, die sagt: „Du musst.“ Für den Alltag heißt das: Sobald ein Satz mit „Ich müsste eigentlich …“ beginnt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Verhalten zwar kurz angeschoben, aber nicht dauerhaft getragen wird.

    Wenn wir freundlich ehrlich sind, bleibt von all dem „Müssen“ am Ende erstaunlich wenig übrig. Dein Körper muss irgendwann auf die Toilette – das ist tatsächlich nicht verhandelbar. Aber er muss nicht joggen, er muss nicht ins Fitnessstudio, er muss nicht meditieren. Er kann all das tun, wenn es in einem bestimmten Kontext Sinn ergibt, wenn sich etwas gut anfühlt, wenn eine leise Neugier wach wird oder wenn spürbar wird: „Das tut mir gut.“ In der physiotherapeutischen Arbeit erlebe ich immer wieder: Empfehlungen, die stark gegen ein klares inneres Nein gehen, werden höchstens kurz umgesetzt. Kleine, passende Veränderungen dagegen – etwas, das sich „innerhalb des Möglichkeitsrahmens des Jetzt“ anfühlt – werden viel eher ausprobiert, wiederholt und langsam verankert (Ng et al. 2012).

    Wenn man es theologisch denken mag, könnte man sagen: In der „Ökonomie des Tuns“, wie sie uns vermutlich zugedacht war, standen Handeln und Spüren dicht beieinander. Arbeiten, gehen, säen, ernten, sich bewegen, mit anderen leben – und dabei immer wieder merken: Wie fühlt sich das an? Bin ich satt, müde, zufrieden, verbunden? Es ging weniger darum, in jedem Moment eine perfekte „Performance“ abzuliefern, sondern darum, in einem lebendigen Rhythmus von Tun und Sein zu bleiben. Unser Leben heute hat sich davon radikal entfernt. Viele Tätigkeiten sind entkörperlicht, vieles findet im Kopf oder auf Bildschirmen statt. Dazu kommen digitale Reize, die süchtig machen können: soziale Medien, Dauer‑Benachrichtigungen, der ständige Sog ins Außen (Aalbers et al. 2019; Elhai et al. 2017). Sie beanspruchen unsere Aufmerksamkeit, ohne uns wirklich zu nähren. In diesem Klima wirkt jedes zusätzliche „Du musst jetzt noch …“ wie eine weitere Schicht Druck auf ein ohnehin überreiztes System.

    Hilfreich ist deshalb ein Perspektivwechsel: weg vom inneren Feldwebel, hin zu einer neugierigen, freundlichen Haltung dir selbst gegenüber. Statt „Ich muss mehr Bewegung in meinen Alltag bringen“ könnte die Frage lauten: „Wo gibt es schon eine kleine Spur von Lust oder Erleichterung, die mit Bewegung zu tun hat?“ Vielleicht ist es der kurze Gang zum Fenster, der Moment auf dem Balkon, das Gefühl nach ein paar Schritten im Flur. In der Praxis arbeite ich gern so, dass wir etwas sehr Kleines konkret ausprobieren – eine Mini‑Bewegung, eine kurze Sequenz – und dann gemeinsam schauen: „Wie fühlt sich das an? Wo im Körper meldet sich ein zartes Ja, wo vielleicht ein Nein?“ Anstatt gegen den inneren Widerstand anzurennen, suchen wir vorhandene, wenn auch kleine, positive Impulse und verstärken sie. Das verändert die Qualität von Veränderung: weg vom Kampf, hin zu feinerem Spüren und spielerischem Experimentieren. Aus Sicht moderner Motivationsforschung ist genau diese Verschiebung – vom „Müssen“ hin zum „Dürfen“ und „Wollen“ – einer der wichtigsten Schlüssel dafür, dass neue Gewohnheiten bleiben dürfen, statt nach ein paar Wochen wieder zu verschwinden (Ryan & Deci 2000; Ng et al. 2012).

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    4. Die Büffelherde und die menschliche Natur

    Douglas Adams beschreibt in „Per Anhalter durch die Galaxis“ diese herrlich absurde Szene: Einmal im Jahr zieht eine Büffelherde durch eine Landschaft – einfach so, ohne Plan, von irgendwo her nach irgendwo hin. Die Büffel haben keine Anweisung zu ziehen , sie folgen einem Rhythmus, der größer ist als sie selbst. Für die Menschen, die dort leben, hat dieses Ereignis eine ganz konkrete Bedeutung: Wenn die Büffel ziehen, ist Jagdzeit. Nicht, weil jemand sich heroisch vorgenommen hat, „ab dem 1. des Monats disziplinierter zu jagen“, sondern weil der Kontext sich verändert. Die Herde ist da – und mit ihr öffnet sich ein Fenster, in dem eine bestimmte Handlung plötzlich sinnvoll, möglich und naheliegend wird.

    Genau dieser Zusammenhang ist spannend, wenn es um Verhaltensänderung beim Menschen geht. Auch dein Leben spielt sich nicht in einem leeren Raum ab, in dem Vorsätze frei schweben, sondern in Landschaften aus Situationen, Rhythmen und Gelegenheiten. Es ist ein Unterschied, ob du dir im Kopf vornimmst: „Ich sollte mehr gehen“, oder ob du merkst: „Hier ist ein Weg, den ich sowieso laufe – ich könnte einen kleinen Bogen dranhängen.“ Der Auslöser ist dann nicht der nackte Vorsatz, sondern eine konkrete Situation: der Weg zur Arbeit, die Treppe im Haus, der Hund, der raus will, der Garten, der dich anschaut. In der Verhaltensforschung wird immer wieder deutlich, wie wichtig solche Kontexte und Hinweisreize sind: Sie sind deine persönliche Büffelherde. Wenn sie da ist, fällt Handeln leichter; wenn sie fehlt, bleibt der Vorsatz abstrakt.

    Übertragen auf Neujahr könnte man sagen: Viele Vorsätze scheitern, weil sie so tun, als gäbe es das ganze Jahr über gleich viele Büffel – also gleich gute Bedingungen. Die innere Stimme sagt: „Ich müsste einfach mehr Disziplin haben“, statt zu fragen: „In welchen Momenten meines Tages ist die Gelegenheit für eine kleine Bewegung, eine kleine Veränderung, ohnehin schon da?“ Wenn du beginnst, deine eigenen Büffelzüge wahrzunehmen – die Wege, die du sowieso gehst, die Routinen, die ohnehin stattfinden, die Phasen im Jahr, in denen sich etwas leichter anfühlt –, verändert sich der Charakter von Veränderung. Sie wird weniger zu einem jährlichen Großprojekt und mehr zu einem präzisen Reagieren auf Situationen, die etwas ermöglichen, was vorher nicht möglich war. Vielleicht hätte Douglas Adams genau das gefallen: dass der Weg zu mehr Lebendigkeit nicht in heroischen Vorsätzen liegt, sondern in der stillen Kunst, zu bemerken, wann die Herde gerade durch dein eigenes Leben zieht – und dann mitzugehen.

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    5. Außenreize statt Innenzwang

    Die Natur arbeitet von außen nach innen. Licht trifft auf die Netzhaut, Temperatur auf die Haut, Geräusche auf das Ohr, Gerüche auf die Schleimhäute – und erst dann beginnt im Inneren etwas zu schwingen. Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, auf Reize zu antworten, nicht auf abstrakte Befehle. Der Körper kennt „es ist hell“, „es ist kalt“, „da bewegt sich etwas“, „da ruft mich jemand“. Weniger vertraut ist ihm die reine Kopfansage: „Ab morgen bin ich ein disziplinierter Mensch.“ Wenn wir uns also wundern, dass sich Vorsätze nicht umsetzen, lohnt ein Blick darauf, wie wenig sie oft mit den tatsächlichen Reizen und Situationen unseres Alltags verknüpft sind (Wood & Neal 2007; Lally & Gardner 2013).

    In der Verhaltensforschung wird immer wieder beschrieben, dass Gewohnheiten vor allem dann stabil sind, wenn sie an konkrete Außenreize gekoppelt sind: an einen Ort, eine Tageszeit, einen Ablauf oder ein bestimmtes Objekt (Wood & Neal 2007). Statt „Ich mache jeden Tag Übungen“ funktioniert eher „Wenn ich morgens im Bad fertig bin, mache ich zwei einfache Bewegungen vor dem Waschbecken.“ Der Spiegel, das Waschbecken, die feste Reihenfolge – all das sind Hinweisreize, die das neue Verhalten tragen. Ähnlich in der Bewegungstherapie: Wer einen Spaziergang an eine sowieso vorhandene Hunderunde oder den Weg zum Bäcker hängt, braucht weniger Willenskraft, als wenn der Spaziergang jedes Mal neu „aus dem Nichts“ gestartet werden muss. Der Außenreiz öffnet die Tür, das Verhalten muss nicht mehr gegen den ganzen Tag ankämpfen (Wood & Neal 2012; Lally & Gardner 2013).

    Für Veränderungsprozesse heißt das: Statt sich innerlich noch mehr zu drängen, kann es hilfreicher sein, die Umgebung so zu gestalten, dass sie einlädt. Ein Stuhl, der zum Aufstehen und Hinsetzen in sicherer Höhe einlädt, eine Matte, die sichtbar im Raum liegt, Schuhe, die bereitstehen, Licht, das einen bestimmten Bereich attraktiv macht. In der therapeutischen Praxis geht es genau darum: Angebote zu schaffen, die im aktuellen Leben und im aktuellen Zustand realistisch sind – physisch, psychisch und geistig (Ng et al. 2012; Alageel et al. 2021). Dann wird aus „Ich zwinge mich zur Übung“ eher „In dieser Situation bietet es sich an, etwas Kleines zu tun“. Veränderung wird nicht mehr aus reinem Innenzwang herausgepresst, sondern entsteht aus einem Zusammenspiel von Innen und Außen, das sich stimmig anfühlt.

    Ganz konkret lebe ich das im eigenen Alltag so: Meine Yogamatte liegt nicht zusammengerollt im Schrank, sondern so, dass sie jederzeit bereit ist, benutzt zu werden – oft reicht dann ein kurzer Blick, und der Körper „sagt“ schon: Jetzt wäre ein Moment dafür. Die Laufschuhe stehen griffbereit an einem festen Platz und nicht tief versteckt hinter Winterjacken; sie erinnern mich beim Vorbeigehen fast von selbst daran, dass ein kleiner Lauf oder ein schneller Gang möglich wäre. Auch mein Werkzeug für die Gartenarbeit ist so verstaut, dass es zum Arbeiten einlädt, statt erst mühsam zusammengesucht werden zu müssen – wenn die Schaufel sichtbar ist, ist der Schritt nach draußen viel kleiner. Dieses Prinzip gebe ich meinen Patientinnen und Patienten weiter: Was sichtbar, erreichbar und im Alltag verankert ist, wird mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich getan und wiederholt, als das, was hinter Türen und „irgendwann“ verschwindet (Lally & Gardner 2013; Sheeran et al. 2018). So wird aus einem Vorsatz weniger ein innerer Befehl und mehr eine natürliche Antwort auf eine Umgebung, die mitarbeitet, statt im Weg zu stehen.

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    6. Warum „gute Vorsätze“ scheitern – und was besser funktioniert

    Wenn Menschen erzählen, dass ihre Neujahrsvorsätze „mal wieder“ gescheitert sind, klingt das oft so, als hätten sie persönlich versagt. Als wäre da irgendwo ein innerer Defekt: „Bei mir klappt es halt nie.“ In Wirklichkeit scheitern viele Vorsätze nicht an mangelndem Charakter, sondern an ihrer Bauart. Sie sind zu abstrakt („Ich will fitter werden“), zu weit weg vom wirklichen Alltag, zu sehr gegen gewachsene Gewohnheiten gerichtet und oft ohne emotionalen Kern. Sie sagen kaum etwas darüber, wie sich das neue Verhalten anfühlen soll, wo es im Tag seinen Platz findet und was es im Jetzt konkret bedeutet. Das Ziel steht hübsch am Horizont, der Weg dorthin bleibt neblig. Untersuchungen zu Neujahrsvorsätzen zeigen, dass reine Absichtserklärungen ohne Struktur, Kontext und emotionale Verankerung selten über die ersten Wochen hinaus Bestand haben (Norcross & Vangarelli 1988; Oscarsson et al. 2020).

    Ein weiterer Stolperstein: Viele Vorsätze sind „Weg‑von‑Projekte“. „Kein Zucker mehr“, „nicht mehr so viel sitzen“, „weniger Handy“. Die Forschung unterscheidet zwischen Zielen, die etwas vermeiden wollen, und solchen, die auf etwas zugehen – Annäherungsziele wie „mehr frisches Essen“, „jeden Tag ein bisschen Bewegung“, „eine Handy‑freie Stunde nur mit mir“ (Oscarsson et al. 2020). Annäherungsziele sind oft freundlicher zum Nervensystem, weil sie etwas Positives in Aussicht stellen, statt nur Verlust und Verzicht zu betonen. Kurz gesagt: „Weg von“ erzeugt eher Spannung und Mangel, „hin zu“ schafft eher Neugier und Sinn.

    Was besser funktioniert, ist meist weniger glanzvoll – dafür echter. Veränderungen, die sich an deiner wirklichen Lebensrealität orientieren, beginnen selten mit einem heroischen „ab jetzt immer“, sondern eher mit einem stillen „unter diesen Bedingungen wäre dieses kleine Mehr möglich“. Statt „dreimal pro Woche joggen“ vielleicht „jeden zweiten Tag zehn Minuten zügig gehen“ – auf einem Weg, den du sowieso kennst. Statt eine perfekte Ernährung auf einen Schlag umzubauen, vielleicht eine Mahlzeit am Tag so verändern, dass dein Körper hinterher spürbar aufatmet. Aus psychologischer Sicht geht es darum, Verhalten in kleine, erreichbare Schritte zu übersetzen, die zu deinen jetzigen Rhythmen, Vorlieben und Grenzen passen (Oscarsson et al. 2020). Und wieder gilt: nicht nur denken, sondern ausprobieren – tun, spüren, nachjustieren. So wird aus einem großen Vorsatz ein erfahrener Prozess, in dem dein Körper, deine Stimmung und dein Alltag mitreden dürfen. Und genau diese gelebten Erfahrungen verändern auf Dauer mehr als jede noch so schön formulierte Liste am 1. Januar.

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    7. Vom Müssen zum Wollen: Ein Perspektivwechsel

    Ein gutes Ziel fühlt sich nicht wie eine Drohung an, sondern wie eine leise Einladung. „Ich muss mich mehr bewegen“ klingt nach Druck – und dein Körper hört mit. Oft zieht sich innerlich sofort etwas zusammen. „Ich merke, dass mir Bewegung guttut“ hat einen ganz anderen Klang: Hier entsteht eine Verbindung zwischen Erfahrung und Wunsch. In der Motivationsforschung zeigt sich immer wieder, dass Verhalten stabiler wird, wenn es sich autonom und stimmig anfühlt, also aus einem inneren „Ja“ heraus entsteht und nicht aus Angst vor Schuld oder Versagen (Ryan & Deci 2000; Ng et al. 2012). Das ist kein psychologischer Luxus, sondern eine sehr praktische Grundlage, wenn etwas länger halten soll als ein paar Januarwochen.

    In der therapeutischen Arbeit bedeutet das für mich: Es geht nicht darum, Menschen „auf Linie zu bringen“, sondern gemeinsam mit ihnen zu spüren, wo heute – in diesem Körper, in dieser Lebenslage – ein kleines Wollen vorhanden ist. Vielleicht nicht für das große Trainingsprogramm, aber für einen kurzen Gang, eine einfache Übung im Sitzen, einen Moment bewusster Atmung. Vielleicht zeigt sich dieses Wollen erst im Tun: Wir probieren etwas Kleines, und danach schauen wir zusammen, wie es sich anfühlt. Es geht darum, Vorlieben auszubauen, statt Widerwillen zu überdecken. Wer gern draußen ist, beginnt eher mit einem Spaziergang als mit dem Laufband. Wer Musik liebt, findet vielleicht über Klang zurück in Bewegung. Wer sich gerade psychisch dünnhäutig fühlt, braucht eher sanfte, kurze Impulse als fordernde Programme. Studien zu person‑zentrierten Ansätzen und Selbstbestimmung zeigen, dass solche an den aktuellen Möglichkeiten orientierten Schritte häufiger umgesetzt und langfristig fortgeführt werden als starre Vorgaben (Lindelöf et al. 2019; Alageel et al. 2021).

    Wenn aus „Ich muss“ langsam „Ich darf“ und „Ich will ein bisschen ausprobieren“ wird, verändert sich auch die innere Beziehung zu dir selbst. Fehler oder Pausen werden dann nicht mehr automatisch als Scheitern gewertet, sondern als Teil eines Lernwegs. An die Stelle von Selbstvorwürfen kann eine freundlichere Frage treten: „Was war heute einfach zu viel? Und was wäre im nächsten Schritt milder für mich – und trotzdem in Richtung dessen, was mir wichtig ist?“ Auf dieser Ebene sind gute Vorsätze keine starren Gebote mehr, sondern Orientierungen, die immer wieder neu mit deinem wirklichen Leben abgeglichen werden. Aus Sicht moderner Gesundheitspsychologie sind es genau diese flexiblen, selbst mitgestalteten Wege, die am ehesten dazu führen, dass Veränderung bleibt – weil sie zu dem Menschen passt, der sie lebt (Ng et al. 2012).

    In meiner Arbeit ermutige ich Menschen oft zu einer einfachen inneren Messlatte: Wenn 70 bis 80 Prozent von einer Idee in die Umsetzung gehen, ist das bereits ein voller Erfolg. Unter Realitätsbedingungen – mit Schmerzen, Verpflichtungen, Müdigkeit, digitalen Reizen – ist es schlicht unwahrscheinlich, dauerhaft 100 Prozent zu schaffen. Sich für 70 oder 80 Prozent bewusst auf die Schulter zu klopfen, ist keine Ausrede, sondern eine Form von Ehrlichkeit und Selbstfürsorge. Alles darüber ist Bonus, nicht Pflicht.

    Ich freue mich zum Beispiel gerade selbst darüber, dass meine wöchentliche Bildschirmzeit am Smartphone bei etwa 20 Minuten liegt. Unter dieser Schwelle sind relevante Effekte auf Schlaf, Psyche, Aufmerksamkeit oder Herz‑Kreislauf nach aktuellem Wissensstand eher unwahrscheinlich; wichtiger sind dann meist andere Belastungsfaktoren im Alltag (Helsana 2023).

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    8. Einladung statt Belehrung

    Vielleicht ist es Zeit, das Prinzip „gute Vorsätze“ einmal auf den Kopf zu stellen: weg von der inneren Ansage, hin zu einer Einladung. Belehrung – von außen oder als strenge Stimme im eigenen Kopf – hinterlässt bei vielen Menschen eine Mischung aus Schuldgefühl und Widerstand. „Du solltest wirklich …“, „In deinem Alter müsstest du …“, „Ein verantwortungsvoller Mensch macht …“. Diese Sätze mögen sachlich nicht völlig falsch sein, aber sie gehen am Erleben vorbei. Sie sprechen den Kopf an, oft gegen den Körper. Eine Einladung funktioniert anders. Sie sagt: „Schau, hier gäbe es eine Möglichkeit. Probier aus, wie sie sich anfühlt.“ Das Ziel bleibt dasselbe – mehr Gesundheit, mehr Lebendigkeit, mehr Beweglichkeit –, aber der Weg wird anders betreten.

    In einem einladenden Ansatz stehen Wahrnehmung und Erfahrung im Vordergrund. Statt zu sagen „Du musst dreimal pro Woche üben“, könnte die Frage lauten: „An welchem Punkt deines Tages wäre ein kleiner Moment Bewegung denkbar, der dir eher guttut als dich überfordert?“ Statt „Ab sofort kein Zucker mehr“ eher: „Wie fühlt sich ein Tag an, an dem eine Mahlzeit frischer, bunter, lebendiger ist als sonst?“ Veränderung beginnt dann nicht mit einer Vorschrift, sondern mit einer konkreten Erfahrung im Möglichkeitsrahmen des Jetzt. Dieser Rahmen umfasst deinen Körper, deine Psyche und deine geistige Verfassung: Manchmal ist viel möglich, manchmal nur sehr wenig – aber fast immer gibt es irgendeine kleine Bewegung in Richtung dessen, was dir wichtig ist. In Therapie erlebe ich oft, wie entlastend es ist, wenn aus „Du musst“ ein „Wir schauen gemeinsam, was heute geht“ wird.

    Wenn wir Neujahr so denken, verändert sich der Ton: Weniger gute Vorsätze – mehr gute Impulse. Weniger Kontrolle – mehr Wahrnehmung. Weniger „Ich muss mich überwinden“ – mehr „Ich schaue, wo heute ein kleines Ja in mir ist.“ Aus therapeutischer Sicht ist das keine Verweichlichung, sondern eine sehr präzise Art zu arbeiten: Sie nimmt ernst, wie Menschen tatsächlich funktionieren, und baut Veränderung auf dem auf, was jetzt schon da ist, statt auf einem Idealbild, das irgendwann einmal vielleicht erreicht werden soll. Genau dort beginnt oft der Moment, in dem Verhalten sich nicht mehr wie Zwang anfühlt, sondern wie eine stimmige Antwort auf das eigene Leben – und in dem du dich mitgenommen fühlst, statt getrieben.

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    9. Eine Patientengeschichte: Vom großen Vorsatz zur kleinen Spur

    Nennen wir sie Anna, 54. Sie kommt im Dezember in die Praxis, der Rücken tut weh, die Schultern fühlen sich an wie Holz, der Schlaf ist flach. Irgendwann im Gespräch schaut sie kurz weg und sagt fast entschuldigend: „Ab Januar mache ich alles anders. Mehr Sport, gesünder essen, abends kein Handy mehr.“ In ihrer Stimme liegen gleichzeitig Entschlossenheit und Erschöpfung. Der Vorsatz steht wie ein großes Leuchtschild vor ihr – aber ihr wirklicher Alltag, so wie sie ihn gerade lebt, kommt darin kaum vor.

    An diesem Punkt geht es für mich nicht darum, den Vorsatz noch größer zu machen. Stattdessen schauen wir gemeinsam genauer hin. Wie sieht ein normaler Tag bei ihr aus? Wann steht sie auf, wie lange sitzt sie, wo sind Wege, wo sind kleine Pausen, wo sind die Momente, in denen alles zu viel wird? Dabei zeigt sich: Morgens ist sie müde, mittags steht sie unter Druck, abends ist sie ausgelaugt. Ein dreimaliges Trainingsprogramm pro Woche würde sich auf diese Struktur anfühlen wie ein weiterer schwerer Stein im Rucksack. Also lassen wir das große „Ab Januar alles anders“ erstmal stehen wie eine Idee im Hintergrund und stellen eine andere Frage: „Wo wäre in deinem jetzigen Tagesablauf ein Moment, der dich nicht noch mehr fordert, sondern eher ein kleines bisschen gut tut?“

    Anna denkt nach und sagt dann: „Vielleicht, wenn ich vor der Haustür ankomme, bevor ich reingehe. Da stehe ich sowieso kurz.“ Genau dort setzen wir an. Wir vereinbaren kein „Sportprogramm“, sondern ein Mikro‑Ritual: Jedes Mal, wenn sie abends vor der Haustür steht, bleibt sie einen Moment stehen, atmet ein‑, zwei‑, dreimal bewusst ein und aus und macht dann zwei, drei einfache Bewegungen, die wir gemeinsam ausprobieren – Schultern lösen, Wirbelsäule sanft aufrichten, einmal bewusst auf die Füße spüren. Das Ganze dauert weniger als eine Minute. Es passt in ihren Möglichkeitsrahmen: Sie ist ohnehin an diesem Ort, sie muss nichts extra organisieren, sie muss sich nicht überwinden, noch einmal rauszugehen. Es ist kein heroischer Plan, aber es ist real. Und es ist ihrer.

    Nach einigen Wochen erzählt Anna, dass dieses kleine Ritual zu einem inneren Anker geworden ist. An manchen Tagen bleibt es bei diesen wenigen Bewegungen – und das ist völlig in Ordnung. An anderen Tagen merkt sie plötzlich: „Eigentlich könnte ich auch noch einmal um den Block gehen.“ Nicht, weil sie es sich vorher streng vorgenommen hat, sondern weil aus der Erfahrung heraus – dem Gefühl von etwas mehr Raum im Körper, ein wenig mehr Atmen – ein kleiner Impuls entsteht. Sie beginnt, sich im Tun zu spüren, statt sich nur im Kopf zu bewerten. Aus dem großen, abstrakten Neujahrsvorsatz ist ein konkreter, alltagsnaher Einstiegsimpuls geworden, der sich in ihrem wirklichen Leben halten lässt. So beginnt Veränderung oft: nicht mit einem lauten Startschuss, sondern mit einer leisen Spur, die immer wieder begangen werden darf – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo.

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    Veränderung im Alltag beginnt oft als winzige Pause im bestehenden Tagesablauf – ein Moment zum Aufatmen, der wirklich in das jetzige Leben passt.

    10. Wie Veränderung im Alltag konkret beginnt

    Wenn man all diese Fäden zusammenzieht – Evolution, Rhythmen, Hinweisreize, Motivation, Patientengeschichten –, dann landet man bei etwas erstaunlich Einfachem: Veränderung beginnt dort, wo ein konkreter, kleiner Schritt in das Leben passt, das heute tatsächlich gelebt wird, und nicht in das Idealbild von „ab morgen“. Statt einen fertigen Plan über den Alltag zu stülpen, geht es darum, den Möglichkeitsrahmen des Jetzt genau anzuschauen: Wie geht es dem Körper gerade? Wie belastbar ist die Psyche? Wie voll ist der Tag, welche Verpflichtungen, welche Freiräume gibt es? Aus therapeutischer Sicht ist das kein „Kleinreden“, sondern eine Form von Präzision: Nur was in diesen Rahmen passt, hat eine realistische Chance, nicht nur einmal, sondern immer wieder umgesetzt zu werden.

    Wenn du ein Gefühl dafür bekommen möchtest, wie eine realistische Erfolgsquote in der Trainingsumsetzung aussehen kann – gerade mit Alltag, Alter und Gesundheit im Gepäck –, dann könnte dieses Video hilfreich für dich sein. Es knüpft an die Gedanken in diesem Artikel an und übersetzt sie in konkrete Beispiele aus dem Training.

    Erfolgsquote in der Trainingsumsetzung

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    In der Arbeit mit Patientinnen und Patienten bedeutet das, sehr konkret zu werden. Nicht „Sie sollten mehr Bewegung in Ihren Alltag bringen“, sondern: „An welcher Stelle Ihres Tages könnten zwei Minuten stehen oder gehen gut hineinpassen, ohne Sie zu überfordern?“ Nicht „Ab jetzt jeden Abend Entspannungsübungen“, sondern: „Gibt es einen Moment, an dem Sie ohnehin kurz allein sind – im Bad, im Flur, am Fenster – und an den wir eine kleine Übung koppeln könnten?“ Gleichzeitig werden Vorlieben ausdrücklich einbezogen: Wer Wasser liebt, beginnt vielleicht eher im Thermalbad als im Fitnessstudio. Wer Gärten mag, findet eher Zugang über einfache Gartenarbeit als über abstrakte Kräftigungsprogramme. Wer sich von Musik berühren lässt, lässt vielleicht zuerst Klang sprechen, bevor der Körper sich stärker bewegt. So wird aus dem abstrakten Wunsch „ich müsste“ ein konkretes „so könnte es für mich gehen“.

    Entscheidend ist dabei, Widerwillen nicht als Feind zu behandeln, den man brechen muss, sondern als Information: Wenn ein Vorschlag innerlich ein klares Nein auslöst, ist er für diesen Menschen in dieser Lebenslage im Moment nicht passend. Dann ist es hilfreicher, weiter zu suchen, zu verfeinern, kleiner zu werden, statt die Dosis Zwang zu erhöhen. Veränderung, die sich dauerhaft halten soll, entsteht an der Schnittstelle zwischen innerem Ja, äußeren Gelegenheiten und realistischer Belastbarkeit. Genau dort, im Möglichkeitsrahmen des Jetzt, liegen die guten Impulse, aus denen nach und nach etwas wachsen kann, das sich nicht wie ein Neujahrsvorsatz anfühlt – sondern wie ein Leben, das ein wenig mehr in die Richtung rückt, die wirklich gemeint ist.

    Vielleicht ist Neujahr gar nicht der Moment, an dem du „ein anderer Mensch“ werden musst, sondern eine leise Umarmung: Du darfst genau der Mensch sein, der du jetzt bist – und dir zugleich ein bisschen mehr Gutes gönnen. Dein Körper, dein Herz, dein Nervensystem wünschen sich nicht Optimierung, sondern Wärme, Entlastung, Spielraum. Sie kennen keine Stichtage, nur Augenblicke, in denen etwas weicher werden darf: ein Muskel, ein Atemzug, ein Gedanke über dich, der weniger hart ist.

    Stell dir vor, der Jahreswechsel wäre kein Tribunal, sondern eine Einladung: Du darfst lebendiger werden, ohne mehr leisten zu müssen. Du darfst dich häufiger freundlich anschauen, statt dich innerlich zu ermahnen. Du darfst Pausen machen, ohne sie dir erst zu verdienen. Vielleicht ist der wichtigste Schritt dieses Jahr nicht „mehr Disziplin“, sondern ein kleines inneres „Ja“ zu dir: Ja, ich darf müde sein. Ja, ich darf langsamer machen. Ja, ich darf spüren, was mir gut tut – und dem ein bisschen mehr Platz geben.

    In dieser Haltung werden gute Impulse zu etwas sehr Zärtlichem: Die Yogamatte, die du liegen lässt, ist keine Anklage, sondern eine weiche Einladung an deinen Körper: „Wenn du magst, bewegen wir uns gleich ein bisschen.“ Die Tasse Tee am Nachmittag ist kein Luxus, sondern ein stilles Zeichen: „Ich bin es wert, kurz zur Ruhe zu kommen.“ Der etwas verlängerte Weg oder die eine Mahlzeit, nach der dein Körper ein bisschen aufatmet, sind kleine Botschaften an dich: „Ich kümmere mich um dich.“ Veränderung fühlt sich dann nicht mehr wie Druck an, sondern wie ein wohliges Heimkommen zu dir selbst.

    So darf dieses Neujahr sich eher anfühlen wie eine Decke, die du dir um die Schultern legst, als wie ein Vertrag, den du unterschreiben musst. Du musst nichts beweisen. Du darfst Schritt für Schritt herausfinden, was dir gut tut – im Rahmen deines echten Lebens, mit all seinen Verpflichtungen, Eigenheiten und auch Begrenzungen. Wenn du dir einen Satz mitnehmen möchtest, dann vielleicht diesen: Du darfst in diesem Jahr milder mit dir sein. Aus dieser Milde wachsen oft ganz von selbst die Bewegungen, die dich freier, lebendiger und entspannter machen.

  • Parameter bei Übung und Training

    Parameter bei Übung und Training

    Trainingsparameter: Mehr Genauigkeit = mehr Erfolg!

    Durch genaue Bestimmung der Parameter Deines Trainings erzielst Du den optimalen Trainingsreiz. Trainingsparameter sind die Variablen beim Training.

    Hinweis zu meinen Artikeln:

    Meine Artikel für Dich sind keine schnellen und oberflächlichen Nachrichten. Statt eines kurzen Tweets oder eines kurzen Statusupdate erhälst Du bei mir einen ganzen Artikel mit viel Detailinformationen. Zudem gibt es bei gesundheitlichen Problemen selten eine einfache und schnelle Lösung. Der menschliche Organismus ist hochkomplex und da ist schon die Reduktion in einzelne Artikel schwierig.
    Wie auch in meinen Artikeln so ist auch meine Therapie. Ich nehme mir Zeit für die Befundung, die Therapie, die Übungen, die Alltags- und Gebrauchsbewegungen und selbstverständlich auch die methodische und didaktische Vermittlung. Meine PatientInnen schätzen genau das: Sehr genau und ganz exakt, dabei sanft und immer herzlich, ganz nach meinem Motto in der Therapie: „Fühle Dein Wesen in Bewegung und erlebe Dein Sein in der Therapie“.

    Häufigkeit

    Wie lange brauche ich eine Pause vor dem nächsten Training? Wann ist die Erholung erreicht? Und noch wichtiger, wann bin ich im Bereich der Superkompensation? Das bezeichnet die Anpassungsprozesse im Rahmen des Trainings. Denn der Körper passt sich den Anforderungen an. Diese Adaption heißt Superkompensation. Setzt Du den nächsten Reiz zu früh, vermindert sich Dein Erfolg. Setzt Du den nächsten Reiz zu spät, bleibt der Erfolg aus.

    Je nach Belastungsart und -ort ist das sehr unterschiedlich und wird durch Tests ermittelt. Als Faustregel gilt: einmal pro Woche erhaltender Reiz, zweimal die Woche gering aufbauender Reiz, ab dreimal aufbauender Reiz.

    Heterochronism of adaptation: Der Körper reagiert unterschiedlich auf einen Trainingsreiz, deshalb sind exakte Trainingsparameter wichtig!
    Das Modell der Superkompensation


    Dieses Prinzip wurde ursprünglich für die Glykogen–Superkompensation entwickelt. Es wird aber immer noch als Modell genommen. Die verschiedenen Funktionssysteme des Körpers antworten auf die gezielte Reizsetzung unterschiedlich. Die wird auch als „Heterochronismus der Wiederherstellung“ bezeichnet. Training ist die Anpassung der biologischen Prozesse (Superkompensationsprinzip) und immer auch Bewegungslernen!

    Motorische Leistungen

    Zwei Übende und davor die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten in jeweils einem Kreis aufgeführt.

    Je genauer die Art der motorischen Beanspruchung, desto gezielter der Trainingsreiz für Deinen Körper:

    1. Konditionsfähigkeiten
      • Kraft (Arbeit gegen Widerstand)
        • isometrisch (Halten gegen Widerstand)
        • Konzentrisch/exzentrisch
        • Weite der Bewegung (Yoga, Calisthenics)
      • Ausdauer
    2. Koordinationsfähigkeiten
      • Muskulär (auch Differenzierungsfähigkeit)
        • intramuskulär
        • extramuskulär
      • Gleichgewicht, Orientierung und Kopplungsvermögen (Abstimmung der Bewegung räumlich, zeitlich und dynamisch)
      • Reaktion
      • Rhythmus und Anpassung-/Umstellungsfähigkeit
      • Vereinigung von Bewegungen sowie die Fähigkeit zur Neugestaltung von Bewegungen
    3. Schnelligkeit
    4. Flexibilität
      • Gelenkigkeit
      • Strukturlängenvermögen (früher Dehnung, nur das hintere Längsband an der Wirbelsäule ist dehnfähig)
      • Beweglichkeit
        • aktiv (durch Muskelkontraktion)
        • passiv (durch das Einwirken von Kräften)
      • Gewebegeschmeidigkeit

    Die Belastungsart wird sehr zielgerichtet bestimmt. Und sie wird punktuell um ein vorliegendes Trainingsziel fokussiert. So vermeidest Du Training ohne exakte Zielsetzung und jahrelanges Training ohne Erfolg. Ein Beispiel:

    Die Lügen beim Training

    Auf dem Bild ist eine Frau im Halbkniestand mit einem Gewicht hochgereckt im rechten Arm. Links ist ein Kreis mit den vielen Feldern, die wir beüben, wenn wir Kraft und Ausdauer im Fokus haben.

    Es gibt keine Kraftausdauer. Es gibt nur einen Übergangsbereich zwischen der Limitierung der Kraft und der Limitierung der Ausdauer. Aus Sport-physiologischer Sicht ist aber der Kontext zur intramuskulären und extramuskulären Koordination wichtig. Vor allem zur Vermeidung von Trainings- oder Sportschäden an den Körperstrukturen.

    Es gibt noch viele andere sportliche Ungenauigkeiten. Eines der bekanntesten ist, dass Muskeln dehnfähig sind. Das stimmt nicht. Also gleich mal weg mit dem Namen. Die gleiche Übung kann unter dem richtigen Aspekt aber sehr zielführend sein:

    1. Muskellängenübung zur Erwärmung
    2. Muskellängenübung in der aktiven Pause
    3. Muskellängenübung zum Einbau von Aktin- und Myosinfilamenten im Muskel (niemals ohne Aufwärmung)
    4. Muskellängenübung zur Regeneration nach dem Sport

    Ablauf bei Übung und Training

    Vor drei Übenden, die eine Plankübung machen, ist ein Diagrammen mit dem Ablauf einer Übungsstunde.

    Es ist gut, sich vorzubereiten. Auch bei Deiner Übungsstunde. Dann gehe langsam in die Aufwärmung. Bereite Deine Strukturen gezielt vor. Anschließend, wenn Du noch frisch und ausgeruht bist, übst Du eine zielgerichtete Erhöhung einer einzigen Fähigkeit. Im ausdauernden Üben baust Du sie in Dein Programm ein. Danach werden gezielt Strukturen „entmüdest“. Eine Phase der Entspannung erhöht den Effekt deutlich. Zum Schluss reflektierst Du Dein Üben und fühlst ausgiebig nach.

    Testabhängiges Üben und Trainieren

    Das Bild zeigt eine Silhouette von zwei Trainierenden und rechts sind die Trainingsparamter aufgelistet
    • Intensität (Belastung während eines Satzes)
    • Trainingsumfang (Wie oft mache ich eine Übung oder Zeitdauer der Belastung TUT time under tension)
    • Satz (Wiederholung der Bewegung)
    • Sätze (Wiederholung des Satzes)
    • Umfang (Tempo oder Zeit)
    • Dichte (Pausenlänge zwischen den Sätzen)

    Jede Veränderung der Trainingsparameter verändert Dein Training. Und die „lohnende Pause“ zwischen den Sätzen erlaubt eine unvollständige Erholung (Regelwert 2/3), führt aber zu einem höheren Gesamtumfang.

    Du kannst auch auf bestimmte Trainingsmethoden zurückgreifen oder ein eigenes Programm mit Deinem Coach entwickeln. Zwei typische Beispiele:

    • Muskelaufbau: Zuwachs des Muskelwachstums
      • Beispiele: Pyramide, Supersätze, Überlastungsmethode
    • Fettverbrennung: Möglichst viele Kalorien lokal oder allgemein aerob verbrennen (auch durch den Nachbrenneffekt bis zu 48 Stunden)
      • Beispiele HIIT, Tabata, Challenge

    Lerne Deine motorische Zielgenauigkeit zu erhöhen und wende dann exakte Trainingsparameter an! So erhöhst Du Deinen Trainingseffekt!

    Reiner Schwope

    Motivation und Aufmerksamkeit

    Ein Kind wirkt bunte Schnipsel in die Luft, es soll Ausdruck sein für Dein Üben und Trainieren. Denn ein spannendes Training mit hoher bewusster und unbewusster Aufmerksamkeit sowie Ansporn erhöht den Effekt.

    Selbst wenn wir eine exakte Bestimmung der Trainingsparameter haben, so kommt nun eine extrem schwere Kategorie für die Therapeutin oder die Trainerin hinzu. Wir müssen für den nötigen Anreiz suchen. Bei auch immer gleichen Wiederholungen muss es für Dein Gehirn am besten total unterschiedlich sein. Je höher die ungebuwsste und bewusste Aufmerksamkeit sowie unser Ansporn ist, desto mehr Effekt zeigt sich.

    Trainingstagebuch

    Eine Frau schreibt in ein Heft. Es wirkt sinnlich und auch erotisch.

    Aus der Praxis empfehle ich Dir ein Trainingstagebuch. Nehme Dir mindestens einmal pro Woche Zeit für Deine Trainingsplanung. Sie ergänzt Dein Dir gesetztes Primärziel. Ein erfahrener Coach kann Dir helfen den Trainingsplan zu optimieren.

    Eigenmotivation

    Ein Mann läuft am Wasser. Er wirkt motiviert und scheint Freude zu empfinden.

    Denke nicht viel über Deine Motivation nach, vor allem die ersten drei Jahre. Wir sind dann noch nicht so „abhängig“. Die neuronale Verschaltung baut sich ja erst auf. In dieser Zeit einfach in die Turnschuhe schlüpfen und los. Du darfst dafür umso mehr Freude nach dem Training haben.

    Nichts ist ermüdender als über Dein eigenes Training und Deine Motivation nachzudenken. Es ist DEIN „Trainingskiller“. Lasse das einfach ganz weg. Konzentriere Dich nur auf DEIN Gefühl nach dem Üben oder Trainieren. Das spüre jedes Mal intensiv. Merke, was Dir und wie es Dir besonders gut geht. Das macht dann Freude und die will DEIN Körper dann immer mehr.

    Und dann möchte ich noch mit einem weiteren „Trainingskiller“ aufräumen. Deine Tagesform wird, je nach Training, mal oben und mal unten sein. Merke Dir, der Trainingseffekt ist an den Tagen am besten, wo Du Dich nur so durchschleifst.

    Drei Männer im Kreis. Sie motivieren sich als Gruppe und haben Spaß.

    Dafür gibt es noch eine praktische Empfehlung für Dich, was Deinen Effekt erhöht, und zwar sofort: Suche Dir eine TrainerIn oder zumindest einen Partner beim Üben und Trainieren. Natürlich ist eine echte TrainerIn perfekt, denn wenn ich alle Faktoren zusammen fasse, dann muss jetzt noch die kurz-, mittel- und langsfristige Übung- und Trainingsplanung folgen. Nur ein Profi ist in der Lage, einen solchen Prozeß ideal zu forcieren und auch das letzte herauszukitzeln.

    Zwei sitzen sich gegenüber und einer erklärt auf einer Landkart den Weg.

    Ein Trainingsplan führt Dich durch die vielen Wirren des Aufbaues von motorischen Funktionen. Das ist vergleichbar mit dem Erreichen eines Zieles ohne eine Karte. Ein Grund, warum so viele Menschen im Fitnessbereich keine Erfolge erzielen. Hier erhält man meistens nur ein grobes Schema zum Üben.

    Du darfst aber mit Erfolg trainieren. Du bist es Dir Wert. Investiere in Deinen Körper, damit Du Dich geübt und trainiert fühlst und dadurch Kraft und Ausdauer für Deinen Alltag hast!

  • Mach Dich leicht! Lästiges Übergewicht loswerden

    Mach Dich leicht! Lästiges Übergewicht loswerden

    Übergewicht endlich und nachhaltig abbauen

    Ich habe immer wieder Patienten mit Übergewicht in meiner Praxis, die abnehmen wollen. Doch es fällt nicht Jedem leicht. Deshalb hier ein paar Tipps für Dich?

    Something is rotten

    Something is rotten in the state of Denmark.“{The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark}. Shakespeares hätte es nicht besser treffen können. Es kann doch nicht sein, dass in einer aufgeklärten Welt die Menschen massenweise immer fetter werden, oder? OK, es betrifft nicht nur Dänemark… Nach dem Zweiten Weltkrieg war das irgendwie verständlich. Man wollte wieder satt sein. Aber dann gleich so?

    Überfluss nach Mangel

    Nach Zeiten großen Mangels versucht der Organismus diesen Mangel zu kompensieren. Ein völlig normaler Vorgang. Das führte dann bekanntermaßen zu den „Wirtschaftwunderbäuchen“. Wo hört man auf, wenn man nach dem Hunger endlich wieder den Magen voll bekam. Die rote Ampel haben viele nicht gesehen. Und in den Köpfen war das schlank sein auch noch nicht so fixiert wie heute. Noch im 19. Jahrhundert galten schlanke Menschen als unterernährt. Es gab einfach nicht immer Alles und vor Allem nicht für alle!

    Industrienahrungsmittel

    Haben oder hatten wir gerade Mangel? Nein, wohl eher nicht. Das Gegenteil stimmt. Oder gibt es doch einen versteckten Mangel? Ich würde sagen: JA! Es gibt einen Mangel mit vielen Menschen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam das Essen zu zelebrieren. Kochen und Essen haben sich in der modernen Welt unglaublich gewandelt. Und nicht nur das: Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die gesamte Lebens- und Infrastruktur geändert. Deshalb sprechen viele auch nicht mehr von Lebensmitteln, sondern von Nahrungsmitteln. Und davon wird immer mehr industriell hergestellt. Schau Dir mal den Essenstisch von früher und von heute an. Lese mal das Kleingedruckte auf den Verpackungen. Da entdeckst Du Ungeahntes! Mittlerweile gibt es eine große Zahl von Apps, mit der Du Produkte überprüfen kannst.

    Statistik

    Zwischen 1980 und 2002 verdoppelte sich die Fettleibigkeitsprävalenz bei Erwachsenen. Also in 22 Jahren hat sich Krankheitshäufigkeit (lateinisch praevalēre = sehr stark sein) drastisch erhöht. Also nicht nur ein wenig. Doch es kommt noch besser. In der gleichen Zeit hat sich die Zahl bei den sechs bis 19 jährigen verdreifacht{Prevalence of Overweight and Obesity in the United States, 1999-2004 (Cynthia L. Ogden, PhD; Margaret D. Carroll, MSPH; Lester R. Curtin, PhD; et al) Jama April 5, 2006}. Also soweit mal Zahlen aus den USA. Doch wir hinken der Entwicklung eigentlich nur hinterher? Ganz im Gegenteil: Mit 36 % (Deutschland) liegen wir vor den USA mit 31 %{Data extracted on 30 Nov 2019 09:30 UTC (GMT) from OECD.Stat}.

    Normalgewicht – Übergewicht – Adipositas

    Adipositas ist eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Die Berechnungsgrundlage ist der Körpermassenindex. Der heisst konkret Body Mass Index (BMI). Er ist der Quotient aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²). Übergewicht BMI ≥ 25 kg/m2 Adipositas BMI ≥ 30 kg/m2

    Übergewicht ist ein hohes Körpergewicht und damit verbundene große Körpermasse. Die steht im Verhältnis zur Körpergröße. Es wird unterschieden in Übergewicht (Präadipositas) und schweres Übergewicht/Fettleibigkeit (Adipositas).

    Der Einkaufskorb von früher

    Wenn meine Großmutter einkaufte, war da nicht viel im Korb. Woher auch? Es musste gespart werden. Auf dem Land mit einer kleinen Schuhmacherei war nicht viel Gewinn zu erzielen. Doch auch bei meiner Großmutter in der Altmark war der Einkaufskorb nicht prall gefüllt. Da wären die monetären Mittel da gewesen. Aber beide Körbe waren nicht übermäßig gefüllt.

    Der Supermarkteinkaufskorb entstand spät

    Warum auch, das Meiste holten sich unsere Großeltern auf dem Land aus dem eigenen Garten. Und mein Vater selbst, VW-Arbeiter, kaufte noch beim Gemüsehändler, beim Bäcker, beim Fleischer, beim Fischhändler und Freitags in jedem Fall auf dem Wochenmarkt. Spezielles gab es beim Feinkosthändler oder Edeka um die Ecke. Doch da kamen schon die ersten Supermärkte auf. Meist noch keine großen Ketten, aber ein Anfang war gemacht. Ein verheerender Anfang.

    Die großen Supermarktketten

    Wir haben es gar nicht gemerkt. Wir gewöhnten uns so leicht daran. Der Wandel von Lebensmitteln zu Nahrungsmitteln. Immer mehr Lebensmittel werden industriell erzeugt oder verarbeitet. Schau Dir mal an, was da so alles in den Regalen steht. Und was wir von dem wirklich brauchen. Ich bin auch deshalb so schnell im Supermarkt, weil ich mich auf das Wesentliche beschränke. Hier mal eine kleine Geschichte über so ein typisches unsinniges Produkt:

    Eine kleine Geschichte

    Nutella, mit dem besten aus 1/3 entrahmter Milch{Dies ist seit 2011 nicht mehr auf der Verpackung}, ist ein Abfallprodukt. Entstanden, als es riesige Milchpulverberge gab. Diese entstanden als Nebenprodukt bei der Seifenherstellung. Dann machten sich Lebensmitteldesigner daran, daraus etwas zu machen. Und das ist dabei herausgekommen:

    • 56,3 % Zucker
    • 30,9 % Palmöl
    • 13,0 % Haselnüsse
    • 8,7 % Magermilchpulver
    • fettarmer Kakao
    • Emulgator Lecithine (SOJA)
    • Vanillin

    Nutella Alternative

    Du liebst süßes Nussmus? Dann kaufe Dir ein echtes Nussmus und füge dem Honig zu. Das schmiere Dir auf ein leckeres Knäcke oder Vollkornbrot. Oben obendrauf dann noch Quark oder festen Joghurt. Schon hast Du ein leckere und vollwertige Alternative zu Nutella. Ganz nebenbei: Wer möchte denn wirklich Zucker und Palmfett auf dem Brot haben? Und fast jeder weiß: Palmfett ist für den Körper und die Natur nicht gut{Sutapa Mukherjee & Analava Mitra (2009) Health Effects of Palm Oil, Journal of Human Ecology, 26:3, 197-203}{How will oil palm expansion affect biodiversity? (Emily B.Fitzherbert, Matthew J.Struebig, AlexandraMorel, FinnDanielsen, Carsten A.Brühl, Paul F.Donald, BenPhalan) Journal home page for Trends in Ecology & Evolution: Trends in Ecology & Evolution Volume 23, Issue 10, October 2008, Pages 538-545}.

    Ist die Nahrungsindustrie Schuld?

    Wer mit dem Finger gern auf andere zeigt: JA! Wer etwas mehr ins Denken investiert: NEIN! Wir können den Wandel der Zeit nicht aufhalten. Wir können ihn aber gestalten. Aldi, Lidl, Penny, Edeka und andere bieten im Prinzip nur Dinge an, die nachgefragt werden. Sie sind nur Teil eines ganzen Systems. Genauso ist es bei den großen Nahrungskonzernen. Ich selber habe in meiner ersten Ausbildung bei einem solchen Konzern gelernt. Und man sollte das Kind ja nicht immer mit dem Bade ausschütten.

    Tipp

    Gehe niemals hungrig einkaufen!

    Medizinische Möglichkeiten zum Abnehmen

    Die richtige Droge

    Die Industrie hat aber schon eine passende Antwort für Dich: Abnehmen mit Medikamenten. Lorcaserin ist seit 2011 auf dem Markt. Ein Arzneistoff aus der Gruppe der Serotoninagonisten. Er zügelt Deinen Appetit. In Europa wurde das Medikament 2013 vom Markt genommen. Es gab Bedenken wegen der Zulassung{Withdrawal of the marketing authorisation application for Belviq (lorcaserin)}.

    Bittere Pillen

    Frühere Nahrungszügler waren noch schlimmer als Lorcaserin: Herzprobleme, Kreislaufschwierigkeiten, Depressionen, Angstsörungen bis hin zu Selbstmordgedanken. Aber der Markt ist riesig, und viele möchten sich eine goldene Nase verdienen{SCHLANKHEITSMITTEL UND DIÄTEN Schlankheitsmittel: Was ist dran an Pulvern und Pillen? Verbraucherzentrale Hamburg 11.01.2017}.

    Andere Möglichkeiten

    Am besten lässt man sich den Magen verkleinern. Aber dann kann man ja auch gleich nach dem alten Motto verfahren: Iss die Hälfte! Nun, in der Medizin kommt man ja immer mal auf was Neues. Forscher vom der Universität von Alabama haben getestet, ob man nicht einfach das Gehirn elektrisch stimulieren kann{The effect of expectation on transcranial direct current stimulation (tDCS) to suppress food craving and eating in individuals with overweight and obesity (Mary Katherine Raya Maria D. Sylvestera Alexis Heltona Bethany R. Pittmana Laura E. Wagstaffa Tommy R. Mc RaeIIIa Bulent Turana Kevin R. Fontaineb Frank R. Amthora Mary M.Boggianoa1) Appetite 3 January 2019}: Kein Erfolg.

    Shakespeare hat es erfasst und wir verstehen es heute nicht

    Zu Wissen, etwas ist falsch und dann an ebendiesen Stellschrauben nichts zu verändern, ist genauso tragisch, wie der Kampf von Marcellus. Wir können nur die Gründe erkennen. Diese basalen Stellschrauben sind:

    1. Wichtig: Kaufverhalten (Industrieprodukte, Fertigprodukte,…)
    2. Noch wichtiger: Essverhalten (zu viel, zu schnell, nebenbei)
    3. Am wichtigsten: Mangel an Bewegung

    Die Bewegung im Alltag jetzt und früher

    Die positiven Effekte der Bewegungen sind nicht zu zählen. Es steckt uns im wahrsten Sinnen des Wortes in den Genen. Verhalten wir uns dagegen, rächt es sich. Bis noch vor ein zwei Generationen mussten wir uns ständig bewegen. Um irgendwohin zu kommen, um etwas herzustellen, um etwas zu erreichen,… Nur die Wohlhabenden konnten es sich leisten zu sitzen. Der Rest musste tagein, tagaus in Bewegung sein. Der Bauer, die Hausfrau, die Kinder und auch die Alten. Ohne Auto und Technik ist das Leben anders. Und die Autos und andere Verkehrsmittel waren zuerst auch nicht für die Personenbeförderung gedacht (gut, bis auf den wilden Westen 😉 ).

    Und noch ein Hinweis: Diäten sind nur was für Abgeordnete

    Interventionen funktionieren nicht. Sie können sogar gefährlich sein, wenn man sich einseitig ernähren soll. Diäten sind so eine Intervention. Sie führen den Körper in künstlichen Mangel. Und dann wundern wir uns, warum der Effekt nicht anhält. Kann er nicht. Das ist gegen das Körperprogramm. Also belassen wir die Diäten lieber den Abgeordneten 😉

    Alles fängt mit dem ersten Schritt an

    Ich habe schon einige Menschen bei Ihrer Gewichtsabnahme begleitet. Es ist wirklich sehr leicht. Außer es bestehen ungewöhnliche medizinische Gründe. Doch warum fällt es vielen Menschen so schwer es selber zu schaffen?

    Dosierung macht das Heilmittel oder das Gift

    Die Ernährungsumstellung und auch die Bewegung müssen auf Dich angepasst sein. Und Du darfst Dich damit pudelwohl fühlen. Du kannst nicht gegen Deine Natur arbeiten. Nur mit ihr wird es klappen. Alles wird also abgestimmt auf Deine Physis.

    Erster Schritt: Medizinische Abklärung

    Willst Du wirklich abnehmen? Dann brauchst Du zuallererst einen medizinischen Check-up. Du beginnst bei Deinem Hausarzt. Der kennt Dich ja schon eine Weile und weiß, worauf es ankommt. Mit ihm berätst Du alle weiteren Untersuchungsschritte. Auf jeden Fall gehört ein Belastungsergometer-Test dazu, idealerweise auch eine Lungenfunktionsprüfung.

    Zweiter Schritt: Bewegungsanalyse

    Idealerweise machst Du eine sportmedizinische Untersuchung, lässt Dich von einer erfahrenen Bewegungstherapeutin befunden und suchst eine versierte Diätberaterin auf. Es sollten Fachfrauen oder Fachmänner sein. Menschen, die keine Vollausbildung haben (Übungsleiter VHS/Sporteinrichtungen, Fitnesstrainer im Studio), sind in der Regel nicht genügend qualifiziert.

    Dritter Schritt: Planung

    Es gibt das Jetzt, Deinen Weg und dein Ziel. Ohne Plan ist das so, als wenn Du mit einer Schrotflinte in den Wald schießt und hoffst damit Wild zu erlegen. Schlechte Idee! Funktioniert auch in der Praxis nicht. Bei den besten Programmen kannst Du von ein bis maximal vier Kilo die Woche ausgehen. Am Anfang etwas mehr, da dann vermehrt Wasser ausgeschwemmt wird.

    Ab fünf Kilo nehmen die Gefahren eher zu. Der Körper kann sich nicht anpassen und es kann zum Jojo-Effekt kommen.

    Erster Tipp: Mache es in Begleitung

    Die Gefahr abzubrechen oder einzubrechen ist groß, wenn Du alleine „kämpfst“. Und es fehlt Dir der „fachliche“ Austausch. Deine bisherigen Bekannten und Kollegen sind in der Regel auch keine große Hilfe. Du brauchst die besten Impulse für Deine Veränderung. Am Besten also mit Gleichgesinnten und unter fachlicher Anleitung. Der persönliche Trainer optimiert für Dich fortlaufend den Prozess.

    Zweiter Tipp: Ausreichend Nährstoffe

    Du darfst Deinen Körper nicht unterversorgen. Damit alle Prozesse, auch die Deiner Gewichtsabnahme, optimal laufen, benötigst Du die besten Nährstoffe. Vitamine, Mineralien und Spurenelemente braucht Dein Körper in ausreichender Menge.

    Dritter Tipp: Nobody is perfect

    Wenn Du zu achtzig oder mehr Prozent Deinen Trainingsplan umsetzt, dann bist Du auf dem richtigen Weg. Bei neunzig Prozent wirst Du schon ziemlich sicher Deine Zielmarke wir vorgesehen erreichen. Mach Dir also keinen Stress. Plane Woche für Woche und prüfe dann Deine Zielmarke. Ggf. ist eine Anpassung erforderlich.

    Du kannst es schaffen: Nur DU!

    Glaube mir, es haben schon viele geschafft. Das hilft Dir einzuschätzen, ob es überhaupt gelingen kann. JA! Doch ob Du es schaffst, das hängt ganz von Dir ab. Und, ob Du es wirklich professionell angehst. So ein wenig abnehmen mit gutem Willen und ohne Plan: Vergebene Liebesmüh, geht voll nach hinten los! Mache es mit vollem Einsatz, mache es wie ein Profi und freue Dich am Ergebnis! So wird ein Schuh draus!

    Zwei Säulen Therapie

    Ernährung

    • Alles was Gott in seiner Natur geschaffen hat, ist gut für uns. All dies kannst Du Dir zu einer leckeren Mahlzeit verarbeiten.
    • Achte darauf, dich möglichst vielfältig zu ernähren.
    • Einfach verarbeitete Lebensmittel führe Dir in beschränktem Maße zu. Hierzu gehören zum Beispiel Fette oder Öle, Mehl, Brot, Käse und Milchprodukte
    • Streiche alle Nahrungsmittel, welche in irgendeiner Weise industriell hergestellt werden.

    Tipp

    Gewinne die Kontrolle über Deinen Esstisch zurück. Einfach, ausgeglichen und wohlschmeckend!

    Bewegung

    • Mindestens jeden zweiten Tag ausdauernde Bewegung (aerobe dynamische Ausdauer) mit 30 bis 50 % Deiner maximalen Ausdauer für mehr als 30 Minuten.
    • Möglichst häufig ausdauernde Bewegung wie wandern, Rad fahren oder rudern mit längerer Dauer (Stunden)
    • Lokales Muskeltraining wieder im Ausdauerbereich mit Kraftanteilen.
    • vor und nach dem Training Aufwärmung und Ausklang
    • Training Deiner persönlichen motorischen Defizite
    • Erlernen optimaler Alltags- und Gebrauchsbewegungen
    • Strukturlängenübungen für Deine Faszien (Dehnen nannte man das früher…)
    • Gleichgewicht, Koordination und Kraft zur Ergänzung Deines motorischen Programms.

    Bewegung darf ab heute DEIN zweiter Vorname sein. Neben Deiner gesunden Ernährung ist nichts wichtiger als DICH zu BEWEGEN. Im Alltag, mit Freunden und zielgerichtet für Deine Gewichtsreduktion!!!

  • Bluthochdruck: Therapie, Bewegung und Ernährung

    Bluthochdruck: Therapie, Bewegung und Ernährung

    In diesem Artikel geht es ganz um die Bewegung bei Bluthochdruck. Denn Bewegung ist das beste Heilmittel, was Du zur Verfügung hast. Doch vielleicht möchtest Du erstmal mehr über den Blutdruck erfahren, dann lese erst diesen Artikel von mir:

    Schon leichte Bewegung senkt Bluthochdruck

    Es gibt Medikamente, die können den Bluthochdruck senken. Die Studien zu diesem Thema sind weit verbreitet. In der Regel besagen sie, dass Medikamente wirksamer sind als Bewegung. FALSCH! Denn die meisten Studien beziehen sich auf Menschen, die gar keinen hohen Blutdruck haben. Bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck zeigen sich ganz andere Ergebnisse{Can exercise lower blood pressure as effectively as drugs? Medical New Today 31 December 2019}:

    Bewegung ist wirksamer als Medikamente

    Reiner Schwope

    Wie sinnvoll Bewegungstherapie bei Patientinnen ist, zeigt eine weitere Studie: Bei übergewichtigen Frauen nach der Menopause mit Bluthochdruck hilft ein Aerobic Training mit der Verabreichung eines Knoblauchpräparates „signifikant“, wie die Wissenschaftler dann gerne schreiben. Es konnte nachgewiesen werden, wichtige Blutwerte für den Hochdruck verändern sich deutlich{„Effect of aerobic training with Garlic consumption on matrix metalloproteinase-3, 9 and tissue inhibitor of metalloproteinase-1 in obese“(Seyede Leyla Khatami Saravi, Ayatollah Amoli Branch, Ahmad Abdi, Alireza Barari)Journal of Gorgan University of Medical Sciences / 22 2021 Winter / Vol 22 / No 4}.

    Die verschiedenen Bewegungsansätze

    1. Dynamisches Üben

    Die Kombination von Ausdauer und dynamischem Widerstandstraining sind bei Bluthochdruck besonders wirksam. Es reichen dabei schon moderate Ansätze. 150 Minuten moderate Bewegung wie Gehen oder 75 Minuten intensive Bewegung wie Laufen pro Woche können den Blutdruck senken{Exercise training for blood pressure: a systematic review and meta-analysis (Cornelissen VA1, Smart NA) J Am Heart Assoc. 2013 Feb 1}{Effectiveness-Based Guidelines for the Prevention of Cardiovascular Disease in Women—2011 Update A Guideline From the American Heart Association (Lori Mosca, MD, MPH, PhD, FAHA, Chair, Emelia J. Benjamin, MD, ScM, FAHA, Kathy Berra, MSN, NP, Judy L. Bezanson, DSN, CNS, RN, Rowena J. Dolor, MD, MHS, Donald M. Lloyd-Jones, MD, ScM, L. Kristin Newby, MD, MHS, Ileana L. Piña, MD, MPH, FAHA, Véronique L. Roger, MD, MPH, Leslee J. Shaw, PhD, Dong Zhao, MD, PhD, Theresa M. Beckie, PhD, Cheryl Bushnell, MD, MHS, FAHA, Jeanine D’Armiento, MD, PhD, Penny M. Kris-Etherton, PhD, RD, Jing Fang, MD, MS, Theodore G. Ganiats, MD, Antoinette S. Gomes, MD, Clarisa R. Gracia, MD, MSCE, Constance K. Haan, MD, MS, Elizabeth A. Jackson, MD, MPH, Debra R. Judelson, MD, Ellie Kelepouris, MD, FAHA, Carl J. Lavie, MD, Anne Moore, APRN, Nancy A. Nussmeier, MD, FAHA, Elizabeth Ofili, MD, MPH, Suzanne Oparil, MD, FAHA, Pamela Ouyang, MBBS, Vivian W. Pinn, MD, Katherine Sherif, MD, Sidney C. Smith, Jr, MD, FAHA, George Sopko, MD, MPH, Nisha Chandra-Strobos, MD, Elaine M. Urbina, MD, MS, Viola Vaccarino, MD, PhD, FAHA, and Nanette K. Wenger, MD, MACC, MACP, FAHA) Circulation March 22, 2011 Vol 123, Issue 11}. Klar, mehr Bewegung hat auch mehr Effekt{Walking Versus Running for Hypertension, Cholesterol, and Diabetes Mellitus Risk Reduction (Paul T. Williams and Paul D. Thompson) Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology 04 2013;33:1085–1091
    }.

    2. Stretching und Yoga

    Vor Allem in der Phase I (Erklärung im Basisartikel) kannst Du mit Dehnungen erfolgreich den Blutdruck normalisieren{„Stretching is Superior to Brisk Walking for Reducing Blood Pressure in People With High–Normal Blood Pressure or Stage I Hypertension“(Jongbum Ko, Dalton Deprez, Keely Shaw, Jane Alcorn, Thomas Hadjist)Journal of Physical Activity and Health Volume 18: Issue 1 Pages: 21–28}.

    Viel größer sind die Wirkungen durch Yoga, es gibt viele Studien zu den unglaublichen Wirkungen{„The effectiveness of yoga exercise toward blood pressure and endothelial-derived hyperpolarizing factor (EDHF) level in hypertensive diabetic population“(Nila Wahyuni, Agung Wiwiek Indrayani, Indira Vidiari Juhanna)Bali Medical Journal (Bali Med J) 2020, Volume 9, Number 3: 940-946}{„Effects of a health worker-led 3-month yoga intervention on blood pressure of hypertensive patients: a randomised controlled multicentre trial in the primary care setting“(Raja Ram Dhungana, Zeljko Pedisic, Suira Joshi, Mahesh Kumar Khanal, Om Prakash Kalauni, Anu Shakya, Vijay Bhurtel, Savyata Panthi, K. C. Ramesh Kumar, Binod Ghimire, Achyut Raj Pandey, Bihungum Bista, Shiva Ram Khatiwoda, Craig Steven McLachlan, Dinesh Neupane & Maximilian de Courten)BMC Public Health volume 21, Article number: 550 (2021)}.

    3. Hochintensives Intervalltraining

    Das hochintensive Intervalltraining als auch moderates Dauertraining senken den Blutdruck. Es wurde getestet bei körperlich inaktiven jungen Erwachsenen, die schon eine leichte Steigerung des Blutdruckes haben. Die Ergebnisse des hochintensiven Intervalltrainings waren aber deutlich besser{„Effectiveness of High-Intensity Interval Training and Continuous Moderate-Intensity Training on Blood Pressure in Young Physically Inactive Pre-Hypertensive Adults“(Anil T John, Ph.D. Moniruddin Chowdhury†, MBBS, Ph.D. Md. Rabiul Islam, MS. Imtiyaz Ali Mir*†, MSc. Md. Zobaer Hasan, Ph.D. Chao Yi Chong, BSc. Syeda Humayra, MD. Ph.D. Yukihito Higashi, MD. Ph.D.)Preprints Posted 3 June 2022}.

    Vermeide diese Bewegungen

    Alle Widerstandsübungen, Halten gegen Widerstand (Isometrie), Übungen bei denen Du die Luft anhältst oder Pressatmung, Krafttraining mit hohen Gewichten sind nicht wirklich das Richtige für Dich, wenn Du die Dosierung nicht genau einhälst. Dann aber kann Isometrie durchaus wirken{„The effectiveness and safety of isometric resistance training for adults with high blood pressure: a systematic review and meta-analysis“(Harrison J. Hansford, Belinda J. Parmenter, Kelly A. McLeod, Michael A. Wewege, Neil A. Smart, Aletta E. Schutte & Matthew D. Jones) Hypertension Research (2021)}.

    Dein Übungsprogramm

    Idealerweise kombinierst Du für Dich die verschiedenen Ansätze in Deinem Bewegungsprogramm:

    • Allgemeine aerobe dynamische Ausdauer
    • Dynamisches Yoga
      • Yin Yoga
    • Tiefenentspannung (Soamaotemotionale Entspannung)
      • CV4 Griff
    • Periphere dynamische Ausdauer
    • Diät

    Wenn Du ein persönliches Übungsprogramm haben möchtest, dann schreibe mir gern:

    Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas gegen den hohen Blutdruck zu machen. Denn es leiden viele Systeme unter dem hohen Druck

    • Herz
    • Gefäße
    • Organe

    Die Gefahr einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder ein Organproblem zu bekommen, steigt mit dem Blutdruck rapide. Eine gezielte Therapie ist unumgänglich. Zudem steigt die Gefahr an Diabetes mellitus II (Alterdiabetes) zu erkranken{„Joint effect of high blood pressure and physical inactive on diabetes mellitus: a population-based cross-sectional survey“(NIKSON SITORUS, APRIZAL SATRIA HANAFI, DEMSA SIMBOLON and MARTINA)J Prev Med Hyg. 2020 Dec; 61(4): E614–E620 Published online 2021 Jan 14}.

    Überwachung ist wichtig

    Sicher kann nicht jeder Patient, mit einem hohen Blutdruck, ganz auf Medikamente verzichten. Doch mit gezielter ärztlicher Begleitung sollte doch jeder Patient diesen Versuch unternehmen, mit möglichst wenig Medikamenten auszukommen. Sein Organismus wird es ihm danken! Und Bewegung tut gut und fördert das Wohlbefinden 🙂

    Vorsicht bei Kombination mit anderen Erkrankungen

    Besonders wichtig ist eine korrekte Überwachung bei Menschen, die eine weitere chronische Erkrankung haben. Es kommt zur signifikanten Steigerung der Gefahren. Das habe ich ja sehr ausführlich in meinem Hauptartikel beschrieben. Hier zeigen sich vor allem die Bauchorgane betroffen. In direkter Abhängigkeit steht zum Beispiel die Niere. Bei einer chronischen Insuffizienz bestehen hohe Gefahren für beide Organe{Blood Pressure Variability, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Chronic Kidney Disease Patients (Francesca Mallamaci, Giovanni Tripepi, Graziella D’Arrigo, Silvio Borrelli, Carlo Garofalo, Giovanna Stanzione, Michele Provenzano, Luca De Nicola, Giuseppe Conte, Roberto Minutolo and Carmine Zoccali) CJASN January 2019, CJN.04030318}.