Physiotherapie ist tausende Jahre alt. Die Worte kommen aus dem Griechischem. Φύσις (phýsis) ist die Natur oder Körper. θεραπεία (therapeía) hat die Bedeutung von Dienen, Pflege und Heilung. Es meint also das Wiederherstellen der natürlichen Funktion. In der alten Bundesrepublik hieß es noch Krankengymnastik. Damit war die äußerliche Anwendung von Heilmitteln gemeint sowie der Einsatz von Heilgymnastik. Damit sollte die Bewegungs– und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers im Heilungsprozess unterstützt werden.

In den angloamerikanischen Ländern gibt es Fachkräfte für Physikalische Therapie. Sie sind den Ärzten gleichgestellt. Es wird darunter Verwendung mechanischer Kraft- und Bewegungsabläufe (Biomechanik oder Kinesiologie), manueller Therapie, Bewegungstherapie und Elektrotherapie gemeint. Dies soll die Beeinträchtigungen mindern und die Beweglichkeit und Funktion fördern. Die Physiotherapie wird aber auch angewendet um die Lebensqualität eines Patienten zu verbessern.

Zu einer Physiotherapie gehören die Untersuchung, Diagnose, Prognose, körperliche Intervention und Patientenaufklärung. Im Erweiterten gehört dazu aber auch die Tätigkeiten in der klinischen Praxis auch Forschung, Ausbildung, Beratung und Verwaltung.

Historie: Ein bisschen Geschichte

Der medizinische Historiker Jacques Hindermeyer gibt uns einen Hinweis, daß Heilarbeit schon in den frühesten Kulturen anzutreffen war1. Er weist auf überlieferten Quellen hin. Schon in den ältesten Kulturen gab es Tänze, Spiele und Heilgymnastik existierten.

Ägypten und die erste Wissenschaft

Der Hohepriester Imhotep soll um 2700 v. Chr. die Medizin begründet haben. Er wurde später als Heilgott verehrt. Zudem soll er die Schrift erfunden haben. In Folge entstand eine Wissenschaft. Beteiligt waren

  • ausgebildete Beamte (die schreiben konnten)
  • oberste königliche Verwalter und Berater
  • Priester
  • Vertreter der Wissenschaft

Daraus entstand der Arztberuf. Es gab aber keine Trennung zwischen magisch-religiöse und empirisch-rationale Elementen. Noch heute geben 13 Schriftrollen (Papyri) Auskunft, wie sich die Ägypter sehr differenziert mit der Heilung kranker Menschen beschäftigt haben. Diese Hochzeit hielt bis 30 v. Chr. an. Dann kamen die Römer.

Indien und die Veden

Im 16 Jahrhundert v. Chr. gibt es in den göttlichen Offenbarungen der Veden wesentliche medizinische Aussagen23. Die Priester unterwiesen die Menschen in Hygiene, der Pflege und Gymnastik. Wesentliche Teile flossen in die Yoga-Lehren ein. Dort gab es schon früh:

  • Gymnastik (Asanas)
  • Atemübungen (Pranayamas)
  • Übungen bei Obstipation und Blähungen (Pabanamuktasana)
  • Übungen bei Durchblutungsstörungen (Badschrasana)

Griechenland und die Götter

Auch bei den Griechen gehen die Anfänge in das Reich der Mythen und Götter. Dort ist Asklepios der Begründer und Gott der Heilkunst. Das Wort kommt aus dem Altgriechischen. Ἀσκληπιός asklēpiós weisst auf eine vorgriechische Gottheit hin4. Sie wird dargestellt als Schlange, die sich einen Stab windet. Dies weist auf eine chthonischen Gottheit hin. Chthonische Götter sind in der griechischen Mythologie Götter der Unterwelt (Erde). Das sind Götter der Fruchtbarkeit, des Lebens und des Todes. Die Ähnlichkeit in der hinduistischen Trinität ist deutlich. Dort stehen Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Zerstörer) zueinander.

Zweistromland als Bindeglied

In der Mitte Vorderasiens liegt das Zweistromland mit seinen beiden Flüssen Euphrat und Tigris. Es gibt eindeutige Hinweise auf eine frühe Ausprägung der Heilkunst. Sie erklärt auch die Wissenbrücke zwischen Indien, Griechenland und Ägypten. Neben vielen medizinischen Anwendungen waren Dampfbäder bekannt.

China und der gelbe Kaiser

Aber nicht nur in Indien, Ägypten, Vorderasien und Griechenland reichen die Hinweise in die Zeit vor den ersten schriftlichen Dokumenten. Schon unter dem Gelben Kaiser Huáng Dì (黃帝 / 黄帝), also ganz am Anbeginn der Kultur, wurde das Buch “Die Medizin des Gelben Kaisers” (黃帝內經 / 黄帝内经, Huángdì Nèijīng) geschrieben von eben diesem. Genaueres weiß man nicht wirklich. Das verschwimmt zwischen Realität und Mythos. Er soll zwischen 2696 bis 2598 v. Chr. regiert haben. Das Huángdì Nèijīng enthielt die Basis der chinesischen traditionellen Medizin mit den Teilbereichen Akupunktur, Moxibution und Akupressur und insgesamt 81 Abhandlungen in zwei Büchern. Behandelt werden Physiologie, Morphologie, Pathologie und Diagnose. Ein besonderer Augenmerk richtet sich auf die Krankheitsprävention, dort wurde unter anderem “Gesundheitsturnen” angewendet. Auch in China waren Priester zuständig, wie der französische Missionar Amiot 1799 n. Chr. sehr viel später berichtet. Heute geht man davon aus, dass das Buch um 300 v. Chr. zusammen gefasst wurde.

Geschichte mit Nachweisen

In Südosteuropa wurde schon sehr früh fachmännisch Gymnastik gemacht. Denn es galt die Verbindung zwischen Körper und Seele zu fördern. In einem schönen Körper wohnt eine schöne Seele. So gibt es schon früh Abbildungen von Körperübungen:

  • 1500 bis 1200 v. Chr. Mykenische Kultur (Faustkampf, Sprung über Stier)
  • 900 bis 600 v. Chr. Gedichte Homers “Pentathlon” (fünf Übungen) Weit -, Hoch – und Tiefsprung, Speerwurf, Schnelllauf, Diskuswurf und Ringkampf

Allerdings war Gymnastik bis zu den sozialen Reformen der neuen Verfassung des Solon (etwa 640 bis 559 v. Chr.) dem Adel vorbehalten. Geübt wurde auf speziellen Kampfplätzen. Sie waren ursprünglich mit Sand bedeckt. Wie immer sehr geschickt, wird aus dem was man tut, dem “παλεύω” (kämpfen) durch Anhängen eines Suffix “ίστρα” ein Objekt; hier also der Kampfplatz “Παλαιστρα”.

Der Gott der Palästra war Hermes, der Götterbote. Er wurde hier auch kultisch verehrt, vor allem in dem man sich bekämpfte. Das erscheint und ungewöhnlich, doch es gab eine solche Idee auch bei den Nativ American People (unter anderem). Der Stab des Hermes bildet denn auch mit seinen emporsteigenden Schlangen die männliche und weibliche Energie in uns ab, als auch die sieben Energiezentren. Und by the way, Gymnastik kommt von “γυμνός” (nackt) und das daraus abgeleitete Verb “γυμνάζω” meint streng übersetzt nicht üben sondern dressieren.

Das “Γυμνάσιο” (Gymnasium) war ein weiterer Begriff für den Ort, an dem geübt wurde. Was beide unterscheidet oder ob beide wahlweise eingesetzt wurden, recherchiere ich noch. Auf jeden Fall kommt unser Begriff Gymnasium daher, nur daß wir heute dort nicht mehr soviel Sport machen wie in der Entstehungszeit des Begriffes.

Die erste bekannte europäische medizinische Schule wurde um 550 v. Chr. in Kroton eröffnet. Das liegt im Süden Italiens. Es dauert nur knapp einhundert Jahre, bis der “Vater der Medizin” erscheint. Doch zuvor muss noch sein Tutor erwähnt werden. Es ist Herodicus (griechisch: Ἡρóδιĸος) aus Selymbria. Er entwickelt therapeutische Übungen. Sie werden zur Behandlung von Krankheiten und zur Aufrechterhaltung der Gesundheit angewendet. Die von ihm entwickelten Theorien werden als Grundlage der modernen Sportmedizin angesehen. Ebenso entwickelte er weitere spezifische Techniken, wie etwa der Massage. Plato berichtet später, Herodicus ließ einen Patienten mehr als 20 Meilen therapeutisch gehen.

Hippokrates (griechisch Ἱπποκράτης ὁ Κῷος) wird um 460 v. Chr. auf Kos geboren. Bereits sein Vater war Mediziner. In seinen neunzig Lebensjahren schreibt er das Hippokratium. Das erste Standardwerk der Medizin mit dem Fokus auf eine vernunftgemäße Naturbetrachtung. Im wird die Entwicklung der Vier-Säfte-Leere zugeschrieben. Klar, man weiß später nicht sicher, was alles von ihm konkret selbst erstellt wurde. Es lassen sich eindeutige Beweise für Bewegungstherapie ersehen5. Zudem entwickelte er die Massage weiter und setze spezielle Bänke zur Korrektur eines Buckels ein.

Ob der bekannte Philosoph, Naturforscher, Politiker, Redner und Dichter Empedokles auch als Arzt und Medizinschriftssteller tätig war, kann nicht eindeutig belegt werden. Ἐμπεδοκλῆς lebte etwas von 495 v. Chr. bis 435 v. Chr.. Er soll Atemtechniken geübt und unterrichtet haben. Der griechische Arzt Diokles von Karystos (griechisch ∆ιοκλῆς) führte die Tradition der Gymnastik fort. Er lebte im 4. und vielleicht auch im 3. Jahrhundert v. Chr. Ihm folgte Erasistratos. Er wurde um 305 v. Chr. geboren. Wahrscheinlich wurde der große Anatom nur 55. Auch er widmete sich unter anderem der Gymnastik.

Nun tritt ein Mediziner auf den Plan, der die Grundlagen für die Physiotherapie und Balneotherapie im besonderen legt. Er wich dabei von der Vier-Elemente-Lehre ab. Er war durchdrungen von dem atomistischen Materialismus. Bis in die Neuzeit hätten wahrscheinlich eine Vielzahl von Menschen eine Krankheit überlebt, wenn sich die Solidarpathologie (Solidar=feste Bestandteile) durchgesetzt hätte. Sie geht davon aus, dass jede Krankheit aus einer Veränderung der Strukturen erklärbar ist. Diese Basis dieser Leere stammte von Demokrit. Bei Asklepiades von Bithynien stehen die Atome und deren Transport durch die Poren im Vordergrund. Mann nannte ihn auch Asklepiades von Prusa und er setzte sehr gezielt Bewegung (passiv und aktiv), Wasseranwendungen (Bäder, Kuren), Hyperthermie (Schwitzen) und Diät, wobei er auch gern mal Wein verschrieb. Dabei behandelte er auch Patienten mit psychischen Leiden.

Der immer gesunde Mann starb im Alter von 66 Jahren 60 v. Chr. in Rom bei einem Unfall. Und es zeigt sich, manchmal lohnt es sich die Laufbahn zu wechseln. Er war zuvor erfolgloser Rhetoriker. So ist auch zu erklären, wie er sich doch in einem irren konnte: “Die Natur sei nicht nur ohne Vernunft und Kunst, sondern geradezu schädlich.” Wir sehen es ihm nach, er war der Begründer einer langen verkannten Abkehr von einer idealisierten Säfte-Lehre. Auch wenn er sich aber nicht durchgesetzt hat, so hatte seine Leere bis zum Untergang des römischen Reiches durchaus bestand. Sie nannten sich die “Methodische Schule der Medizin” (altgr. Μεθοδικοί). Erst im 15. Jahrhundert fand Paracelsus, anfänglich noch eher abgeneigt, zu dieser Lehre zurück.. Ach, und noch was interessantes: Asklepiades ist der Erfinder des Luftröhrenschnittes (Tracheotomie).

Sein Schüler Themison von Laodikeia unterteilte die Krankheiten in drei Bereiche, die alle auf die Zustände der Poren zurückzuführen waren:

  • status strictus („zusammengezogen“) Zuwenig Sekretion (Hyposekretion)
  • status laxus („flüssig“) Zuviel Sekretion (Hypersekretion).
  • status mixtus („gemischt“) Regional unterschiedlich

Wie wir heute wissen, nicht der Hit. Aber er hatte doch einen, denn er unterschied als Erster chronische und akute Krankheiten. Sein Schüler Thessalos von Tralles entwickelte diese Theorie weiter6.

Aulus Cornelius Celsus schrieb nicht nur Enzyklopädien. Im Jahre 25 bis 35, das war die Zeit des Kaisers Tiberius, schrieb auch Medizinbestzeller seiner Zeit. Ob er auch Arzt war, kann heute keiner mehr sagen. Er lebte von 25 v. Chr. bis 50 n. Chr. und stützte sich mehr auf die Lehren des Hippokrates.

Bei seinen medizinischen Erkenntnissen stützte sich Celsus hauptsächlich auf die Ideen des griechischen Arztes Hippokrates. Celsus steht in der Tradition der alexandrinischen Schule, deshalb wird er auch als medicorum Cicero bezeichnet. Er war der erste, der zahlreiche medizinische Ausdrücke aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzte7. Er beschrieb auch die heute noch gültigen Zeichen einer lokalen Entzündung:

  • Tumor (Schwellung)
  • Calor (Überwärmung)
  • Rubor (Rötung)
  • Dolor (Schmerz)

Galen ergänzte die Liste mit Functio laesa (Funktionseinschränkung). Galenos von Pergamon (altgriechisch Γαληνός) hieß er eigentlich. Im Mittelalter bevorzugte man häufig den lateinischen Namen Galienus. Er wurde um 130 geboren. Er fing schon mit 15 oder sechzehn an Medizin zu studieren. Und er scheute sich auch nicht davor mit 19 nach Alexandria zu gehen um dort tief in das Wissen seiner ägyptischen Vorreiter einzudringen. Das war sehr vorausschauend, denn wahrscheinlich im 3. Jahrhundert fiel die weltberühmte Bibliothek der Zerstörung des gesamten Palastviertels von Alexandria zum Opfer. Er verbrachte einige Jahre dort und kehrt mit Ende 20 erst zurück. 10 Jahre später zog es ihn nun endgültig (er er war schon mal für eine Zeit dort) nach Rom. Er schrieb ein medizinisches Hauptwerk. Das “Methodus medendi” hatte bis ins Mittelalter bestand. Es bestand aus vierzehn Büchern.

Der deutsche Turnpädagoge und Schriftsteller Carl Philipp Euler (* 8. Februar 1828 ; † 15. September 1901 in Berlin) schrieb über Gallenos: .„…wir begegnen hier vielfach Anschauungen, die man fast als “moderne” bezeichnen könnte. Da finden wir die Andeutung einer “Hausgymnastik” … . An einer Stelle im neunten Kapitel werden die schwedischen Widerstandsbewegungen klar bezeichnet. Und wenn Galen im zwölften Kapitel sagt, er habe unzählige Menschen mit schwachen Körperteilen, welche infolgedessen fortwährend von Krankheit geplagt wurden, bloß durch Gymnastik wieder gesund gemacht …, so trieb er richtige Heilgymnastik.“8. So wird deutlich, dass Bewegungstherapie im gesamten Mittelalter bekannt war.

Seine Lehre basierte auch auf der Vier-Elemente-Lehre mit den vier unterschiedlichen Säften. Ein System was uns heute im Westen kaum noch geläufig ist. Was hingegen bestand hatte, war seine Einstufung der Pharmakologie. Er unterschied vier Intensitäten:

  1. kaum merklich
  2. mit den Sinnen deutlich wahrnehmbar
  3. heftig, leicht schädigend
  4. heftig, zerstörend.

Wann er starb ist nicht exakt bekannt. Die Zahlen liegen zwischen 199 und 216.

Auf Kaiser Julians Befehl fertigte Oreibasios später aus seinen Werken sowie des Pedanios Dioskurides und anderer griechischer Ärzte die bedeutende Enzyklopädie in 72 Bänden für diese Zeit. Oreibasios lebte zwischen 325 und 403. In seinem Hauptberuf war er Arzt. Der zweitgenannte Pedanios Dioskurides (griechisch Πεδάνιος Διοσκουρίδης Pedánios Dioskurídēs, lateinisch Pedanius Dioscurides) war ein griechischer Arzt. Er lebte im 1. Jahrhundert und gilt als Pionier der Pharmakologie. Oreibasios fertigte für den Sohn des Kaiser später noch eine kürzere Übersicht in neun Büchern (Σύνοψις Sýnopsis).

Wie weit die Berhandlungsmöglichkeiten waren, wird von dem um 400 lebenden Caelius Aurelianus beschrieben. In diesen Wurzeln zur Behandlung sensomotoricher Defizite wird sehr ausführlich aufgeführt, wie eine physikalische Therapie nach einer Nervenläsion aussehen sollte. Ausdrücklich ist die Bewegungstherapie hier aufgeführt9.

Doch im “dunklen” Mittelalter verschwinden die Nachweise. Was aber nicht bedeutet, daß Bader und andere Heilkundige physikalische Therapie nicht angewendet haben. Einzig von den Rittern wissen wir, dass diese sich mit körperlichen Übungen auf ihr Tun vorbereitet haben. Grundlegend kann man folgende Phasen unterscheiden:

  • 7. bis 9. Jh. Rezeption u. Kompilation der antiken Medizin
  • 7. bis 13. Jh. Arabisch-islamische Übertragung der Medizin in den arabisch islamischebn Raum mit ausführlicher Ergänzung vom 10. bis 12. Jh. sowie einer Phase der Beibehaltung des Erreichten vom 12. bis 13.Jh..
  • Monastische Medizin (5.–12. Jh.)
  • Scholastische Medizin (12.–16. Jh.)

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Mit der Festlegung des Begriffes Orthopädie durch Nicolas Andry de Boisregard 1741 und durch die Begründung der modernen Orthopädie durch Johann Georg Heine im Jahre 1816 erhöhte sich der Fokus auf die Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Das geschah also mit dem Beginn der Aufklärung. Die Physiotherapie entstand parallel. Der “Vater der schwedischen Gymnastik” Per Henrik Ling gründete 1813 das Royal Central Institute of Gymnastics (RCIG). Es wurde sowohl manipuliert als auch geübt. Primärelementen der Übungen waren Widerstands-, Spannungs- und Halteübungen. 1887 wurden Physiotherapeuten in Schweden offiziell. Das schwedische Gesundheitsamt registrierte sie ab diesem Zeitpunkt. Andere Länder folgten bald:

  • 1894 Großbritanien: Gründung des Chartered Society of Physiotherapy durch vier Krankenschwestern
  • 1913 Neuseeland : Gründung School of Physiotherapy an der University of Otago
  • 1913 Vereinigten Staaten: Gründung des Reed College der in Portland, Oregon

In den deutschsprachigen Raum kam die Orthopädie und Physiotherapie durch den Berliner Albert C. Neumann (1803-1876). Er interessierte sich für Lings neue Gymnastik. Nach einer Reise nach Stockholm gründete er in Berlin einen Kursaal für schwedische Heilgymnastik. Ab 1853 bildete er dort “Gymnastinnen” aus. Noch ohne staatlichen Auftrag. Bis in die 1850er Jahre hieß die spätere Heilgymnastik auch noch Medizinische Gymnastik oder Krankengymnastik. Ling selber nutze diese Begriffe. Der deutsche Hugo Rothstein führte den Begriff Heilgymnastik ein.

Weitere Schulneubildungen folgten. Doch sie standen am Anfang in der Kritik: Sie folgten noch dem spekulativen Naturphysiologie. Erst nach und nach hielt die moderne empirische Naturwissenschaft Einzug. Doch es lag auch an der Person von Neumann, er war geltungssüchtig und überschätzte sich und seine Fähigkeiten. Doch auch die eher deutschnationalen Turner wehrten sich gegen die ausländische Gymnastik, was auch auf die innenpolitische Situation nach 1948 zurückzuführen war. So dauert die Anerkennung bis in die 1880er Jahre.

Da trat Jonas Gustaf Vilhelm Zander mit seinen Programmen in den Vordergrund. Er war Arzt und Physiotherapeut. Er entwickelte in den 1850er Jahren ein System heilgymnastischer Geräte. Diese Therapie nannte er Medico-mechanische Therapie. Er ist damit Vordenker de apparategestützten Trainingstherapien.

In den 1920er und 30er Jahren weiteten sich die Einsatzbereiches aus. Neben den Fachbereichen der Orthopädie und Chirurgie kamen neue hinzu. Sie wurde nun auch dynamischer und entspannender. Neu Behandlungsmethoden kamen hinzu: Atemgymnastik, Entspannungstherapie, Klappsches Kriechen sowie der Einsatz verschiedener Handgeräte. Eine der führenden Schulen war die vom Musiker und Lehrer Hinrich Medau in Berlin. Eine Schule für Gymnastik und Tanz, welche bis heute besteht.

Die moderne Physiotherapie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, weil sich Ereignisse auf globaler Ebene auswirkten, die rasche Fortschritte in der Physiotherapie erforderten. Bald darauf begannen amerikanische orthopädische Chirurgen mit der Behandlung von Kindern mit Behinderungen und beschäftigten Frauen, die in der Sporterziehung ausgebildet waren, und Heilbehandlungen. Diese Behandlungen wurden während des Polio-Ausbruchs von 1916 weiter angewandt und gefördert. Während des Ersten Weltkrieges wurden Frauen eingestellt, um mit verletzten Soldaten zu arbeiten und ihre körperliche Funktion wiederherzustellen, und der Bereich der Physiotherapie wurde institutionalisiert. Im Jahr 1918 wurde der Begriff “Rekonstruktionshilfe” für Personen verwendet, die Physiotherapie praktizieren. Die erste Schule für Physiotherapie wurde nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Walter Reed Army Hospital in Washington, DC, gegründet. [16] Forschung katalysierte die Bewegungstherapie. Die erste Physiotherapieforschung wurde im März 1921 in “The PT Review” in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Im selben Jahr organisierte Mary McMillan die American Women’s Physical Therapeutic Association (heute American Association für physikalische Therapie) (APTA). 1924 förderte die Georgia Warm Springs Foundation das Feld, indem sie die Physiotherapie als Mittel gegen Polio ansprach. [17] Die Behandlung in den 1940er Jahren bestand hauptsächlich aus Bewegung, Massage und Traktion. Manipulative Eingriffe an den Wirbelsäulen- und Extremitätengelenken begannen, vor allem in den britischen Commonwealth-Ländern, in den frühen 1950er Jahren. [18] [19] Etwa zu dieser Zeit Polio Impfstoffe wurden entwickelt, und Physiotherapeuten wurden in Krankenhäusern in ganz Nordamerika und Europa zum Normalfall. [20] In den späten 1950er Jahren begannen Physiotherapeuten, über die Krankenhauspraxis hinaus in ambulante orthopädische Kliniken, öffentliche Schulen, Hochschulen / Universitäten und Gesundheitszentren zu wechseln Geriatrische Einrichtungen (qualifizierte Pflegeeinrichtungen), Rehabilitationszentren und medizinische Zentren, Spezialisierung für Physiotherapie in den USA 1974 wurde mit der Orthopädie-Abteilung des APTA für Physiotherapeuten, die sich auf Orthopädie spezialisiert haben, gebildet. Im selben Jahr wurde die Internationale Föderation orthopädisch-manipulativer Physiotherapeuten gegründet [21], die seither eine wichtige Rolle bei der Förderung der manuellen Therapie weltweit spielt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna

https://books.google.gr/books?id=bFNuDwAAQBAJ&pg=PA3&dq=Carl+Euler+Galenus&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjR8cGdl-7hAhUE_qQKHd9FDOEQ6AEIKDAA#v=onepage&q=Carl%20Euler%20Galenus&f=false

https://d-nb.info/99216589X/34

https://marketgoo.one.com/ofs

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Fußnoten

  1. Geschichte der physikalischen Therapie und der Rehabilitation
    J Hindermeyer – Sournia/Poulet/Martiny (Hrsg.): Illustrierte Geschichte, 1983
  2. Contemporary Ayurveda: Medicine and Research in Maharishi Ayur-Veda H Sharma, C Clark – 1998 – Churchill Livingstone London
  3. Maharishi Ayur-Veda: Modern Insights Into Ancient Medicine (Hari M. Sharma, MD, FRCPC; Deepak Chopra, MD) Letter From New Delhi, 1991
  4. Menelaos Christopoulos: Light and Darkness in Ancient Greek Myth and Religion. Lexington Books, 2010, ISBN 978-0-739-13901-1, S. 67, Fußnote 119
  5. Arnd Krüger: “Geschichte der Bewegungstherapie” (Arnd Krüger), Präventivmedizin. Springer Loseblatt Sammlung. Heidelberg 1999, 07.06, S. 1–22.
  6. Das medizinische System der Methodiker(Meyer-Steinen), Thessalos von Tralles
  7. Vgl. auch Alf Önnerfors: Das medizinische Latein von Celsus bis Cassius Felix. aus: “Aufstieg und Niedergang der römischen Welt.” Band II(Wolfgang Haase, Hildegard Temporini (Hrsg.)), 37/1, Berlin/New York 1993, S. 227–392.
  8. Die Geschichte der Physiotherapie (Paul Geraerts) Springer Essentials 2019 Seite 3
  9. Über die Arzeneiwissenschaft (in acht Büchern), übersetzt und erklärt von Eduard Scheller
    AC Celsus – Georg Olms Buchhandlung Hildesheim, 1967
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