Physiotherapie ist tausende Jahre alt. Die Worte kommen aus dem Griechischem. Φύσις (phýsis) ist die Natur oder Körper. θεραπεία (therapeía) hat die Bedeutung von Dienen, Pflege und Heilung. Es meint also das Wiederherstellen der natürlichen Funktion. In der alten Bundesrepublik hieß es noch Krankengymnastik. Damit war die äußerliche Anwendung von Heilmitteln gemeint sowie der Einsatz von Heilgymnastik. Damit sollte die Bewegungs– und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers im Heilungsprozess unterstützt werden.

In den angloamerikanischen Ländern gibt es Fachkräfte für Physikalische Therapie. Sie sind den Ärzten gleichgestellt. Es wird darunter Verwendung mechanischer Kraft- und Bewegungsabläufe (Biomechanik oder Kinesiologie), manueller Therapie, Bewegungstherapie und Elektrotherapie gemeint. Dies soll die Beeinträchtigungen mindern und die Beweglichkeit und Funktion fördern. Die Physiotherapie wird aber auch angewendet um die Lebensqualität eines Patienten zu verbessern.

Zu einer Physiotherapie gehören die Untersuchung, Diagnose, Prognose, körperliche Intervention und Patientenaufklärung. Im Erweiterten gehört dazu aber auch die Tätigkeiten in der klinischen Praxis auch Forschung, Ausbildung, Beratung und Verwaltung.

Der medizinische Historiker Jacques Hindermeyer gibt uns einen Hinweis, daß Heilarbeit schon in den frühesten Kulturen anzutreffen war1. Er weist auf überlieferten Quellen hin. Schon in den ältesten Kulturen gab es Tänze, Spiele und Heilgymnastik existierten. Und schon im 16 Jahrhundert vor Christus gibt es in den göttlichen Offenbarungen der Veden wesentliche medizinische Aussagen23. Die Priester unterwiesen die Menschen in Hygiene, der Pflege und Gymnastik. Wesentliche Teile flossen in die Yoga-Lehren ein. Dort gab es schon früh:

  • Gymnastik (Asanas)
  • Atemübungen (Pranayamas)
  • Übungen bei Obstipation und Blähungen (Pabanamuktasana)
  • Übungen bei Durchblutungsstörungen (Badschrasana)

Aber nicht nur in Indien reichen die Hinweise in die Zeit vor den ersten schriftlichen Dokumenten. Schon unter dem Gelben Kaiser Huáng Dì (黃帝 / 黄帝), also ganz am Anbeginn der Kultur, wurde das Buch „Die Medizin des Gelben Kaisers“ (黃帝內經 / 黄帝内经, Huángdì Nèijīng) geschrieben von eben diesem. Genaueres weiß man nicht wirklich. Das verschwimmt zwischen Realität und Mythos. Er soll zwischen 2696 bis 2598 v. Chr. regiert haben. Das Huángdì Nèijīng enthielt die Basis der chinesischen traditionellen Medizin mit den Teilbereichen Akupunktur, Moxibution und Akupressur und insgesamt 81 Abhandlungen in zwei Büchern. Behandelt werden Physiologie, Morphologie, Pathologie und Diagnose. Ein besonderer Augenmerk richtet sich auf die Krankheitsprävention, dort wurde unter anderem „Gesundheitsturnen“ angewendet. Auch in China waren Priester zuständig, wie der französische Missionar Amiot 1799 n. Chr. sehr viel später berichtet. Heute geht man davon aus, dass das Buch um 300 v. Chr. zusammen gefasst wurde.

Die erste bekannte europäische medizinische Schule wurde um 550 v. Chr. in Kroton eröffnet. Das liegt im Süden Italiens. Knapp einhundert Jahre später trat Hippokrates in diesen Kreis. Das war um 460 v. Chr. Später führte Galen die Tradition fort. Sie gelten als die ersten Ärzte der Physiotherapie. Ihnen waren Massage, manuelle Techniken und Hydrotherapie bekannt. Auch Atemtherapie wurde angewendet, wie wir von Empedokles aus Agrigent wissen. Er lebte von 499 bis 435 v. Chr. und war Arzt und Philosoph.

Herodicus (Griechisch: Ἡρóδιĸος) war ein Arzt des 5. Jahrhunderts v. Chr.. Er stammte aus Selymbria stammt. Der erste Einsatz therapeutischer Übungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Aufrechterhaltung der Gesundheit wird ihm zugerechnet, und es wird angenommen, dass er einer der Tutoren von Hippokrates gewesen ist. Er empfahl auch eine gute Diät und Massage mit wohltuenden Kräutern und Ölen. Seine Theorien gelten als Grundlage der Sportmedizin. Er war spezifisch in der Weise, dass eine Massage gegeben werden sollte. Er empfahl, dass das Reiben anfangs langsam und sanft und dann schneller durchgeführt werden sollte, wobei mehr Druck ausgeübt werden sollte, gefolgt von einer sanfteren Reibung. [7]

Er entwickelte nicht nur eine Theorie des Atmens und er pflegte regelmäßig Atemübungen. Alle Techniken wurden erfolgreich zur Behandlung von Menschen eingesetzt. Doch im „dunklen“ Mittelalter verschwinden die Nachweise. Was aber nicht bedeutet, daß Bader und andere Heilkundige physikalische Therapie nicht angewendet haben.

Doch schon zuvor wurde in Südosteuropa fachmännisch Gymnastik gemacht. Denn es galt die Verbindung zwischen Körper und Seele zu fördern. In einem schönen Körper wohnt eine schöne Seele. So gibt es schon früh Abbildungen von Körperübungen:

  • 1500 bis 1200 v. Chr. Mykenische Kultur (Faustkampf, Sprung über Stier)
  • 900 bis 600 v. Chr. Gedichte Homers „Pentathlon“ (fünf Übungen) Weit -, Hoch – und Tiefsprung, Speerwurf, Schnelllauf, Diskuswurf und Ringkampf

Allerdings war Gymnastik bis zu den sozialen Reformen der neuen Verfassung des Solon (etwa 640 bis 559 v. Chr.) dem Adel vorbehalten. Geübt wurde auf speziellen Kampfplätzen. Sie waren ursprünglich mit Sand bedeckt. Wie immer sehr geschickt, wird aus dem was man tut, dem „παλεύω“ (kämpfen) durch Anhängen eines Suffix „ίστρα“ ein Objekt; hier also der Kampfplatz „Παλαιστρα“.

Der Gott der Palästra war Hermes, der Götterbote. Er wurde hier auch kultisch verehrt, vor allem in dem man sich bekämpfte. Das erscheint und ungewöhnlich, doch es gab eine solche Idee auch bei den Nativ American People (unter anderem). Der Stab des Hermes bildet denn auch mit seinen emporsteigenden Schlangen die männliche und weibliche Energie in uns ab, als auch die sieben Energiezentren. Und by the way, Gymnastik kommt von „γυμνός“ (nackt) und das daraus abgeleitete Verb „γυμνάζω“ meint streng übersetzt nicht üben sondern dressieren.

Das „Γυμνάσιο“ (Gymnasium) war ein weiterer Begriff für den Ort, an dem geübt wurde. Was beide unterscheidet oder ob beide wahlweise eingesetzt wurden, recherchiere ich noch. Auf jeden Fall kommt unser Begriff Gymnasium daher, nur daß wir heute nicht mehr soviel Sport machen wie in der Entstehungszeit des Begriffes.

Mit der Festlegung des Begriffes Orthopädie durch Nicolas Andry de Boisregard 1741 und durch die Begründung der modernen Orthopädie durch Johann Georg Heine im Jahre 1816 erhöhte sich der Fokus auf die Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates. Das geschah also mit dem Beginn der Aufklärung. Die Physiotherapie entstand parallel. Der „Vater der schwedischen Gymnastik“ Per Henrik Ling gründete 1813 das Royal Central Institute of Gymnastics (RCIG). Es wurde sowohl manipuliert als auch geübt. Primärelementen der Übungen waren Widerstands-, Spannungs- und Halteübungen. 1887 wurden Physiotherapeuten in Schweden offiziell. Das schwedische Gesundheitsamt registrierte sie ab diesem Zeitpunkt. Andere Länder folgten bald:

  • 1894 Großbritanien: Gründung des Chartered Society of Physiotherapy durch vier Krankenschwestern
  • 1913 Neuseeland : Gründung School of Physiotherapy an der University of Otago
  • 1913 Vereinigten Staaten: Gründung des Reed College der in Portland, Oregon

In den deutschsprachigen Raum kam die Orthopädie und Physiotherapie durch den Berliner Albert C. Neumann (1803-1876). Er interessierte sich für Lings neue Gymnastik. Nach einer Reise nach Stockholm gründete er in Berlin einen Kursaal für schwedische Heilgymnastik. Ab 1853 bildete er dort „Gymnastinnen“ aus. Noch ohne staatlichen Auftrag. Bis in die 1850er Jahre hieß die spätere Heilgymnastik auch noch Medizinische Gymnastik oder Krankengymnastik. Ling selber nutze diese Begriffe. Der deutsche Hugo Rothstein führte den Begriff Heilgymnastik ein.

Weitere Schulneubildungen folgten. Doch sie standen am Anfang in der Kritik: Sie folgten noch dem spekulativen Naturphysiologie. Erst nach und nach hielt die moderne empirische Naturwissenschaft Einzug. Doch es lag auch an der Person von Neumann, er war geltungssüchtig und überschätzte sich und seine Fähigkeiten. Doch auch die eher deutschnationalen Turner wehrten sich gegen die ausländische Gymnastik, was auch auf die innenpolitische Situation nach 1948 zurückzuführen war. So dauert die Anerkennung bis in die 1880er Jahre.

Da trat Jonas Gustaf Vilhelm Zander mit seinen Programmen in den Vordergrund. Er war Arzt und Physiotherapeut. Er entwickelte in den 1850er Jahren ein System heilgymnastischer Geräte. Diese Therapie nannte er Medico-mechanische Therapie. Er ist damit Vordenker de apparategestützten Trainingstherapien.

In den 1920er und 30er Jahren weiteten sich die Einsatzbereiches aus. Neben den Fachbereichen der Orthopädie und Chirurgie kamen neue hinzu. Sie wurde nun auch dynamischer und entspannender. Neu Behandlungsmethoden kamen hinzu: Atemgymnastik, Entspannungstherapie, Klappsches Kriechen sowie der Einsatz verschiedener Handgeräte. Eine der führenden Schulen war die vom Musiker und Lehrer Hinrich Medau in Berlin. Eine Schule für Gymnastik und Tanz, welche bis heute besteht.

Die moderne Physiotherapie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, weil sich Ereignisse auf globaler Ebene auswirkten, die rasche Fortschritte in der Physiotherapie erforderten. Bald darauf begannen amerikanische orthopädische Chirurgen mit der Behandlung von Kindern mit Behinderungen und beschäftigten Frauen, die in der Sporterziehung ausgebildet waren, und Heilbehandlungen. Diese Behandlungen wurden während des Polio-Ausbruchs von 1916 weiter angewandt und gefördert. Während des Ersten Weltkrieges wurden Frauen eingestellt, um mit verletzten Soldaten zu arbeiten und ihre körperliche Funktion wiederherzustellen, und der Bereich der Physiotherapie wurde institutionalisiert. Im Jahr 1918 wurde der Begriff „Rekonstruktionshilfe“ für Personen verwendet, die Physiotherapie praktizieren. Die erste Schule für Physiotherapie wurde nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Walter Reed Army Hospital in Washington, DC, gegründet. [16] Forschung katalysierte die Bewegungstherapie. Die erste Physiotherapieforschung wurde im März 1921 in „The PT Review“ in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Im selben Jahr organisierte Mary McMillan die American Women’s Physical Therapeutic Association (heute American Association für physikalische Therapie) (APTA). 1924 förderte die Georgia Warm Springs Foundation das Feld, indem sie die Physiotherapie als Mittel gegen Polio ansprach. [17] Die Behandlung in den 1940er Jahren bestand hauptsächlich aus Bewegung, Massage und Traktion. Manipulative Eingriffe an den Wirbelsäulen- und Extremitätengelenken begannen, vor allem in den britischen Commonwealth-Ländern, in den frühen 1950er Jahren. [18] [19] Etwa zu dieser Zeit Polio Impfstoffe wurden entwickelt, und Physiotherapeuten wurden in Krankenhäusern in ganz Nordamerika und Europa zum Normalfall. [20] In den späten 1950er Jahren begannen Physiotherapeuten, über die Krankenhauspraxis hinaus in ambulante orthopädische Kliniken, öffentliche Schulen, Hochschulen / Universitäten und Gesundheitszentren zu wechseln Geriatrische Einrichtungen (qualifizierte Pflegeeinrichtungen), Rehabilitationszentren und medizinische Zentren, Spezialisierung für Physiotherapie in den USA 1974 wurde mit der Orthopädie-Abteilung des APTA für Physiotherapeuten, die sich auf Orthopädie spezialisiert haben, gebildet. Im selben Jahr wurde die Internationale Föderation orthopädisch-manipulativer Physiotherapeuten gegründet [21], die seither eine wichtige Rolle bei der Förderung der manuellen Therapie weltweit spielt.

Fußnoten

  1. Geschichte der physikalischen Therapie und der Rehabilitation
    J Hindermeyer – Sournia/Poulet/Martiny (Hrsg.): Illustrierte Geschichte, 1983
  2. Contemporary Ayurveda: Medicine and Research in Maharishi Ayur-Veda H Sharma, C Clark – 1998 – Churchill Livingstone London
  3. Maharishi Ayur-Veda: Modern Insights Into Ancient Medicine (Hari M. Sharma, MD, FRCPC; Deepak Chopra, MD) Letter From New Delhi, 1991
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