Bluthochdruck (Hypertonie): Hoher Blutdruck, was tun?

Das Bild zeigt ein Blutdruckmessinstrument als Intro fĂŒr meinen Artikel ĂŒber Bluthochdruck und sinnvolle Bewegung
Bluthochdruck: Bewegung hilft!

Dein Blutdruck steigt und fÀllt im Laufe des Tages. Zudem gibt es Druckunterschiede, je nachdem wo gerade mehr Stoffwechsel nötig ist. Dein Kreislaufsystem ist also sehr anpassungsfÀhig. Braucht Dein Gehirn mehr Sauerstoff, wird es stÀrker durchblutet. Hast Du gerade gegessen, wird Dein Verdauungstrakt mehr versorgt. Und beim Radeln brauchen Deine Beine mehr Blut.

Damit alles gut versorgt wird, braucht das Blut ein DruckgefĂ€lle. Vom Herzen in die Organe und dann von den Organen zum Herzen zurĂŒck. Doch der Druck darf nicht zu hoch sein, denn sonst leiden die GefĂ€ĂŸe und die Organe. Unter einem zu hohen Blutdruck leiden in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen. Bei den ĂŒber sechzig JĂ€hrigen hat nur jeder vierte einen normalen Blutdruck. Und die Zahlen sind seit den 1980er Jahren konstant hoch.

Viele wissen allerdings nichts von ihrer Erkrankung, es gibt erschreckend viele nicht entdeckte FĂ€lle (bis zu 40%)1.

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Es werden nur 10 % der MĂ€nner und 21 % der Frauen richtig behandelt2.

Bluthochdruckpatienten im VerhÀltnis zur Gesamtbevölkerung in Deutschland (Zahlen gerundet)

Mein Artikel darf Dir helfen, einen besseren Einblick zu bekommen und so zu einer guten Behandlung zu kommen.

Hinweis

Ich erklĂ€re Dir viele FachausdrĂŒcke, damit Du im klinischen Bereich „mitreden“ kannst. Das mache ich ĂŒberwiegend in Infoboxen, damit Du selbst entscheiden kannst, ob Du diese ErklĂ€rungen lesen möchtestđŸ€—.

Bluthochdruck im Überblick

DefinitionBlutdruck > 140/90 mmHg
FolgenHerzkranzgefĂ€ĂŸverengung (koronare Herzkrankheit), HerzschwĂ€che, Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörung (periphere AVK), NetzhautschĂ€den, NierenschĂ€den
Symptome, wenn vorhandenKopfschmerzen (besonders morgens) oder Druckkopfschmerzen, ErmĂŒdbarkeit, seltener Schwindel, Röte im Gesicht, Sehstörungen, Wassereinlagerungen
TherapieGesunde ErnÀhrung mit wenig Salz
Viel Bewegung und aktive Entspannung
Blutdruck steigernde Körper- und Lebensfaktoren reduzieren
Blutdruck senkende Medikamente
KurzĂŒbersicht Bluthochdruck (Hypertonie)

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Bei einer hypertensiven Krise kommt es zu einem plötzlichem, massivem Blutdruckanstieg. In diesem Fall sofort den Notarzt alarmieren (europÀische Notrufnummer 112).

Was ist der Blutdruck und wie wird er gemessen?

Der Blutdruck wird in Millimeter QuecksilbersĂ€ule (mm Hg) gemessen. Er besteht aus zwei Werten und gibt den Druck in den GefĂ€ĂŸen an, die vom Herz weg fĂŒhren (Arterien). Der erste Wert bezieht sich auf die Anspannungs- und Austreibungsphase. Das Blut wird in den Kreislauf gepumpt. Sie wird Systole genannt (gr. ÏƒÏ…ÏƒÏ„ÎżÎ»Îź systoli = Zusammenziehung Schrumpfung). Der zweite Wert bezieht sich auf die Entspannungs- und FĂŒllphase. Blut fĂŒllt das Herz. Sie wird Diastole genannt (gr. ÎŽÎčÎ±ÏƒÏ„ÎżÎ»Îź diastoli Ausdehnung).

Der Normaldruck ist 120 zu 80, doch 110-115 zu 70-75 sind noch gesĂŒnder3. In manchen LĂ€nder, wie zum Beispiel Griechenland, wird die Null weggelassen. Dann spricht man 12 zu 8.

Blutkreislauf in Kurz

Das Herz als Hauptsog- und Druckpumpe verteilt das Blut beim Pumpen mit Druck in die arteriellen GefĂ€ĂŸe. Das sind alle GefĂ€ĂŸe, die vom Herzen in die Peripherie fĂŒhren. Das rechte Herz pumpt das Blut in die Lunge. Das Blut nimmt dort Sauerstoff auf. Von dort geht es durch die Lungenvenen in das linke Herz. Das linke Herz pumpt das Blut in den Körper. Eine krĂ€ftige Beinmuskulatur hilft dem Herzen bei der Pumparbeit!

Wieso fÀllt der Druck nicht auf Null?

Ein ZurĂŒckfließen ist wegen der Herzklappen in nur sehr geringem Maß möglich. Durch die ElastizitĂ€t der arteriellen GefĂ€ĂŸe insbesondere direkt nach dem Herzen wird der systolische Druck aufgenommen und kontrolliert in der Diastole abgegeben. Plaques vermindern die ElastizitĂ€t (ErklĂ€rung weiter unten).

Carl John Wiggers (*1883 †1963) war ein US-amerikanischer Physiologe. Sein Team hat in den 35 Jahren seiner TĂ€tigkeit u.a. 400 Arbeiten zur gesamten Physiologie des Herzkreislaufsystems veröffentlicht. Die Aufteilung des Herzzyklus in Phasen wie Anspannungsphase, Austreibungsphase oder Entspannungsphase geht auf Wiggers zurĂŒck und gehört heute zum Standardwissen.

Welcher Druck wirkt an den Organen?

Aus dem systolischen und diastolischen Blutdruck kann man noch einen weiteren Wert berechnen. Er ist sehr wichtig. Ist er zu hoch, werden Organe geschÀdigt. Sinkt er unter 60 mmHg, kann es zur Minderversorgung (Minderperfusion) von Organen kommen.

Mittlerer arterieller Druck (MAD)

Mean arterial pressure (MAP)

An den EingĂ€ngen zu den Organen herrscht unabhĂ€ngig vom systolischen und diastolischen Wert ein gleichmĂ€ĂŸigerer Druck.

Berechnung: HZV (Herzzeitvolumen) * TPR (totaler peripherer Widerstands) + ZVD (zentralvenöser Druck, trÀgt aber nur einen kleinen Teil bei und kann deshalb vernachlÀssigt werden).

Die Formeln zur Berechnung unterscheidet sich fĂŒr herznahe Arterien (1) und peripher (2)

  1. Diastolischer Druck + 1/2 (systolischer Druck – diastolischer Druck)
  2. Diastolischer Druck + 1/3 (systolischer Druck – diastolischer Druck)

Hydrodynamischer Druck

Der hydrodynamische Druck resultiert aus der kinetischen Energie einer strömenden FlĂŒssigkeit an der OberflĂ€che eines Körpers in dieser Strömung. Er ist nicht direkt messbar. Er dient auch der Geschwindigkeitsmessung der FlĂŒssigkeit.

Hoher Blutdruck: Na, und…

Du hast nun gesehen, der Blutdruck wirkt auf die GefĂ€ĂŸe und Organe. Ein guter Blutdruck wird also benötigt. Ist er zu niedrig, fehlt die nötige Versorgung. Ist der Blutdruck zu hoch, dann gibt es ernst zu nehmende FolgeschĂ€den:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK) mit Myokardinfarkt, Angina pectoris, Notwendigkeit einer GefĂ€ĂŸerweiterung am Herzen (Myokardrevaskularisation mittels PCI oder ACVB)
  • GefĂ€ĂŸwandaussackung (Aneurysmen)
  • HerzschwĂ€che (Herzinsuffizienz)
  • Herzinfarkt (Myocardinfarkt)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlaganfall in unterschiedlicher AusprĂ€gung (ZerebrovaskulĂ€re Erkrankungen: ischĂ€mischer Schlaganfall; intrazerebrale Blutung, transitorische ischĂ€mische Attacke)
  • Demenz durch GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen (vaskulĂ€re Demenz4)
  • GefĂ€ĂŸverengung der Arterien in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit/pAVK) oder selten Armen
  • NetzhautschĂ€den (Retinopathie, kann zu Sehverlust und Erblindung fĂŒhren)
  • NierenschĂ€den

Wie sich der Hirnstoffwechsel verÀndert

Hoher Blutdruck fĂŒhrt zu strukturellen VerĂ€nderungen der HirngefĂ€ĂŸe. Dies wirkt sich auf die Hirnsubstanz aus. Besonders die weiße Hirnsubstanz (s.u.) ist betroffen. Ein hoher Blutdruck ist ein (pathophysiologsichen) Mechanismus, der zu (zerebrovaskulĂ€ren) VerĂ€nderungen der kleinen GefĂ€ĂŸe fĂŒhrt5. Besonders die UmhĂŒllung der Nervenleitbahnen wird geschĂ€digt6.

Weiße und graue Substanz

Dein Nervensystem besteht aus zwei Substanzen, der Weißen und der Grauen. Die weiße Substanz (lat. Substantia alba) beinhaltet die Nervenfasern (Leitungsbahnen) also die NervenzellfortsĂ€tze, die graue Substanz enthĂ€lt die Nervenzellkörpern (Perikaryen). Die weiße Farbe entsteht durch die UmhĂŒllung der Nerven durch die Zellen. Diese Gliazellen scheiden eine fettreiche Schicht aus. Es entsteht ein Markscheide (gr. ΌυΔλός myelos = Mark). Die Myelinschicht umhĂŒllt die Nervenleitungen (Axone) vieler Nervenzellen spiralförmig. Die Myelinscheide ermöglicht eine besonders schnelle Erregungsleitung. Der Reiz springt quasi ĂŒber den Nerven. Das nennt man dann salvatorische ReizĂŒbertragung.

Pathophysiologische VerÀnderungen

Die Pathologie (griechisch Ï€ÎŹÎžÎżÏ‚ pĂĄthos = Krankheit, Leiden und Î»ÏŒÎłÎżÏ‚ lĂłgos = Lehre „Krankheitslehre“) und Physiologie (griechisch φύσÎčς phĂœsis = Natur und Î»ÏŒÎłÎżÏ‚ lĂłgos s.o. „Naturkunde“) ist die Lehre von den LebensvorgĂ€ngen in Lebewesen. Die Pathophysiologie erklĂ€rt also wie die Krankheit sich in die Physiologie bei einem Menschen einpasst, und welche zu erwartenden VerĂ€nderungen es gibt.

ZerebrovaskulÀr

Zerebrum kommt vom lateinischen Cerebrum ist der im Kopf gelegene Teil des zentralen Nervensystems. Der deutsche Begriff Gehirn geht auf das althochdeutsche hirni, Hirne zurĂŒck. VaskulĂ€r kommt vom lat. vasculum kleines GefĂ€ĂŸ und meint die gesamte Durchblutung. Es geht also um die Durchblutung Deines Gehirns.

Wie ernst die Folgeerkrankungen zu nehmen sind, zeigt die Zahl der SterbefÀlle: 45 % der TodesfÀlle bei MÀnnern und 50 % der TodesfÀlle bei Frauen passieren durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen welche mit arterieller Hypertonie in Verbindung stehen.

Hypertonie oder Bluthochdruck

Bluthochdruck wird in Fachkreisen arterielle Hypertonie genannt. Das Wort stammt aus dem griechischen ᜑπέρ hyper = ĂŒber(mĂ€ĂŸig) und Ï„Î”ÎŻÎœÎ”ÎčÎœ teinein = spannen. Bei der Überspannung im System ist der Blutdruck des arteriellen GefĂ€ĂŸsystems chronisch – also dauerhaft – erhöht. Nach Definition der WHO beginnt der Bluthochdruck beim erwachsenen Menschen ab einem systolischen Blutdruck von 140 mmHg und/oder ein diastolischer Blutdruck von 90 mmHg. VorĂŒbergehende Blutdruckerhöhungen durch Erkrankung, Medikamente, Schwangerschaft oder bei körperlicher Anstrengung sind nicht eingeschlossen.

Sonderformen

Es gibt noch andere Formen von Hypertonie, etwa den Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie, Lungenhochdruck). Dort wird das sauerstoffarme Blut in die Lungenarterien gepumpt.

Gibt es verschiedene Grade der Hypertonie?

In den letzten Jahren besteht zunehmend die Tendenz geringere Blutdruckerhöhung als ernsthaft anzusehen, denn immer mehr Studien zeigen, dass schon geringe Erhöhung zu FolgeschĂ€den fĂŒhren können78.

Labile HypertonieBlutdruck bei körperlicher oder seelischer Belastung erhöht
HypertonieBlutdruck ĂŒber 160/95 mmHg
Schwere HypertonieBlutdruck ĂŒber 160/120 mmHg*
Hypertensive KriseBlutdruck ĂŒber 200/120 mmHg**
*Zunehmende Komplikationen an z.B. Augen und/oder Nieren
**Neurologische und/oder kardiale (Herz) Symptome

FrĂŒher wurde zwischen gutartigem (benigne) und bösartigem (maligne) Bluthochdruck unterschieden. Doch jeder Hochdruck ist schlecht und nicht erst einer ab diastolisch meist > 120 mmHg. Allerdings ist dieser ist wirklich noch bösartiger, er fĂŒhrt unbehandelt innerhalb von fĂŒnf Jahren bei 95 Prozent der Betroffenen zum Tode.

Definition und Klassifikation von Praxisblutdruck (mmHg)
KategorieSystolischDiastolisch
Optimal< 120und< 80
Normal120-129und/oder80-84
Hochnormal130-139und/oder85-89
Hypertonie Grad 1140-159und/oder90-99
Hypertonie Grad 2160-179und/oder100-109
Hypertonie Grad 3≄ 180und/oder≄ 110
Isolierte systolische Hypertonie≄ 140und< 90
Definition und Klassifikation von Praxisblutdruck (mmHg): Der isolierte systolische Hypertonus wird in Grad 1, 2 oder 3 eingeteilt, je nachdem wie hoch die systolischen Blutdruckwerte sind.

Im Laufe der Zeit verstand man die Dinge besser. So auch bei verschiedenen anderen Werten. Cholesterin steht heute lange nicht mehr so im Vordergrund, wie noch in den 1970ern. Beim Blutdruck war man frĂŒher eher großzĂŒgig. Es wurden Werte bis zu 100 diastolisch toleriert.

Andererseits nimmt die ElastizitĂ€t physiologisch (also völlig normal) mit dem Alter ab. Das fĂŒhrt schon mal zu einer Erhöhung des systolischen Wertes. Die Aorta, also die Hauptschlagader, wirkt wie ein Windkessel. Seine Funktion nimmt regulĂ€r ein wenig ab. Man kann ab einem Alter von 65 einen gering höheren systolischen Wert akzeptieren (rund 10 mmHG).

Windkesselfunktion

Die Arterien, insbesondere die Aorta, sind elastisch. Die Dichte der elastischen Fasern ist sehr hoch. Es wird so kinetische Energie gespeichert. Nach der Auswurfphase zieht sich die GefĂ€ĂŸwand zurĂŒck und hĂ€lt so den peripheren Druck aufrecht. Der pulsierende Blutstrom wird so in einen gleichmĂ€ĂŸigen Volumenstrom umgewandelt. Bei einem jungen Erwachsenen werden etwa 35 ml – rund die HĂ€lfte des normalen Schlagvolumens – zwischengespeichert.

Eine leichte VergrĂ¶ĂŸerung zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck ist also erstmal nichts Schlimmes. Schlechter ist es, wenn sich der zweite Wert dauerhaft auf ĂŒber 90 oder sogar mehr erhöht. Dann leiden die GefĂ€ĂŸe, die Organe und auch das Druck erzeugende Organ Herz.

Aber warum kommt es zu den FolgeschÀden?

Gesunde Arterien haben glatte InnenwĂ€nde. Ihr Blut fließt problemlos durch sie hindurch. Die BlutgefĂ€ĂŸe sind stark und flexibel. Ist der Blutdruck hoch, fließt das Blut mit zu viel Druck (hydrodynamischer) durch Deine Arterien. In der Regel spĂŒrst Du das nicht. Wir haben dafĂŒr keinen Rezeptor. Obwohl, genau genommen schon, wie zum Beispiel an der Halsschlagader den Barorezeptor. Nur fehlt uns eine bewusste Wahrnehmung fĂŒr diesen Rezeptor. Vieles in unserem Körper lĂ€uft autonom ab, ohne das wir es wahrnehmen.

Im Laufe der Zeit schĂ€digt dieser Druck die WĂ€nde Deiner Arterien. Sie sind nicht mehr glatt. Sie bekommen raue Stellen, an denen sich Fett und Kalzium ansammeln. Diese Ansammlung wird Plaque genannt („Plak“). Plaque ist Teil der Arteriosklerose. FrĂŒher nannte man das „Verkalkung“.

Arteriosklerose Atherosklerose

Die krankhafte Einlagerung von Cholesterinestern und anderen Fetten in die innere Wandschicht der arterieller BlutgefĂ€ĂŸe betrifft bevorzugt die HerzkranzgefĂ€ĂŸen, die Aufzweigung der Halsschlagader und die großen Beinarterien.

Die Plaques verengen und versteifen die Arterie. Der Blutfluss wird gemindert. Der systolische Druckwelle wird schlecht aufgenommen und abgegeben. Der Durchblutungsmangel und/oder die Blutdruckerhöhung schÀdigen die Organe.

StadiumSchÀdigung
Ikeine organischen VerÀnderung
IIEher reversible (wieder umkehrbare) OrganverĂ€nderungen wie LinksherzvergrĂ¶ĂŸerung, Fundus hypertonicus (Augenerkrankung) und/oder Proteinurie (Nierenerkrankung).
IIINicht reversible OrganverĂ€nderungen mit Funktionsdefiziten am Herzen, dem Gehirn, den Nieren, den Augen und den BlutgefĂ€ĂŸen

Was sind die Ursachen fĂŒr den hohen Blutdruck?

Das Alter Deiner GefĂ€ĂŸe

Die erste Ursache ist das Alter. Die Gefahr fĂŒr einen hohen Blutdruck steigt eindeutig ab dem 55 Lebensjahr bei MĂ€nnern und dem 65. Lebensjahr bei Frauen. Wobei wichtige GefĂ€ĂŸerkrankungen bei Frauen um 10 bis 20 Jahre hinter denen der MĂ€nnern zurĂŒckbleiben. Doch dieser Umstand kommt nicht von einem niedrigeren Druckanstieg. Dieser schreitet bei bei Frauen tatsĂ€chlich schneller voranschreiten als bei MĂ€nnern9. Dieser frĂŒh einsetzende Geschlechtsunterschied kann die Voraussetzungen fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen im spĂ€teren Leben schaffen. Nun, aber warum erleiden Frauen dann frĂŒher einen höheren Blutdruck mit geringeren Folgen? Es liegt an den BlutgefĂ€ĂŸen. Frauen haben „kleinere und dĂŒnnere“ als die der MĂ€nner. Ein erhöhter Blutdruck (insbesondere ein erhöhter mittlerer arterieller Druck) verĂ€ndert die GefĂ€ĂŸneubildung kleiner GefĂ€ĂŸe. Das nennt man Remodeling. Wo MĂ€nner einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden kommt es bei Frauen zu einer Störung in den EndgefĂ€ĂŸen (mikrovaskulĂ€re Dysfunktion) am Herzen (kononar) oder im Gehirn.

Ein Anstieg ohne erkennbaren Grund

85% bis 90% der Betroffenen leiden unter essentieller (primĂ€rer) Hypertonie. Essentiell kommt aus dem lateinischen und heißt wesentlich, hauptsĂ€chlich. PrimĂ€r heißt zuerst. Der Blutdruck ist also hauptsĂ€chlich und zuerst aus sich selbst heraus hoch. Es liegt keine erkennbare Ursache vor. Es gibt wenig Forschung, obwohl die Anzahl Betroffener sehr hoch ist. Es wird angenommen, es hat mit unserer genetischen Information zu tun. So erkranken Afroamerikaner hĂ€ufiger an Bluthochdruck, haben oft schwereren Bluthochdruck und erkranken eher in einem frĂŒheren Alter als Andere.

Blutdruckanstieg folgt einer Erkrankung

Anders ist es beim Bluthochdruck, wenn er als Folge einer Grunderkrankung auftritt. Das ist eine sekundÀre Hypertonie. Einige bekannte Ursachen sind diese:

  • Nierenerkrankungen
    • Verengung an den Nierenarterien (Nierenarterienstenose)
    • Chronische Nierenleiden
      • chronische Glomerulonephritis
      • Zystennieren
      • Nephropathie durch Diabetis
      • Mechanische Kompression der Nieren (Page-Niere) 
  • Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf)
  • Verengung der Hauptschlagader (Aortenisthmus-Stenose)
  • Bluthochdruck bei den Vorfahren (Familienanamnese)
  • EntzĂŒndungen/Vergiftungen des zentralen Nervensystems, Hirndruckerhöhungen
  • Funktionsstörungen der SchilddrĂŒse
    • SchilddrĂŒsenĂŒberfunktion(Hyperthyreose): Es wird zuviel Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) gebildet. 
  • Stoffwechselerkrankungen
    • Cushing Syndrom: Im Blut befindet sich eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Konzentration von Glucocorticoiden (Cortisol) mit erhöhtem Blutzuckerspiegel. Bei chronischer Form gibt es typische KörperformĂ€nderungen.
    • PrimĂ€rer Hyperaldosteronismus: Die Nebennieren produzieren mehr Aldosteron durch VergrĂ¶ĂŸerung (Hyperplasie), eine gutartige (Adenom) oder bösartige (Karzinom) Geschwulst.
    • PhĂ€ochromozytom: Ein Tumor der Niere produziert Stresshormone (Katecholamine wie Noradrenalin, Adrenalin und Metanephrine)
    • Akromegalie: Ein meist gutartiger Tumor im Vorderlappen der HirnanhangsdrĂŒse produziert unkontrolliert Wachstumshormone.
    • Androgenitales Syndrom: Diese Gruppe bezeichnet (autosomal-rezessiv) vererbte Stoffwechselkrankheiten. Die Hormonsynthese in der Nebennierenrinde ist gestört. Es wird zu viel androgenes Nebennierensteroid (Sexualhormone der Nebennierenrinde) gebildet.

Bluthochdruck gesellt sich gern mit Übergewicht, Typ-II-Diabetes
sowie erhöhten Blutfettwerte. Hat man alles zusammen, wird dies Metabolisches Syndrom genannt. Ob primĂ€rer oder sekundĂ€rer Bluthochdruck, folgende Faktoren sind sehr ungĂŒnstig fĂŒr Deinen Blutdruck:

  • Starkes Übergewicht (Body-Mass-Index = BMI > 25)
  • zu viel Alkoholkonsum (MĂ€nner 2 GlĂ€ser, Frauen 1 Glas)
  • Hoher Salzkonsum
  • Disstress (negative Stress, frĂŒher Typ A Persönlichkeit)
  • Rauchen
  • InaktivitĂ€t

Typ-A-, Typ-B-Persönlichkeit

Type A/B personality

Die  beiden Kardiologen Friedman und Rosenman (1959) definierten auf Grund klinischer Studien die Typ-A-Persönlichkeit (TAP) als Risikofaktor und ungĂŒnstigen Prognosefaktor fĂŒr eine koronare Herzerkrankung. Sie haben ein bestimmtes Verhaltensmuster:

  • Ungeduld und Ruhelosigkeit
  • Ehrgeiz
  • Wettbewerbsstreben
  • Ärger und Feindseligkeit (auch unterdrĂŒckt)

Weiter sind eine ausreichende Zufuhr von Kalium und Kalzium wichtig. Eine Insulinresistenz kann auch zu einem hohen Blutdruck fĂŒhren. Langzeitanwendung von Schmerzmitteln wie nichtsteroidalem Antirheumatikum (NRAR) erhöhen das Risiko von Bluthochdruck. Bekannte Mittel sind Naproxen (Aleve) oder Ibuprofen (Motrin oder Advil). Ein weiterer EntzĂŒndungshemmer, der COX-2-Hemmer wie Celecoxib (Celebrex) kann auch den Blutdruck erhöhen. Anders bei Aspirin, das erhöht den Blutdruck nicht. Im weiteren können Hormone wie die Anti-Baby-Pille den Blutdruck steigern. Auch Drogen (Kokain und Amphetamine) wirken Druck erhöhend. Last but not least, Lakritze steigert auch den Blutdruck😉.

Und es gibt noch eine Sonderform des Bluthochdruckes. Er tritt in der Schwangerschaft ab der 20. Woche bei fĂŒnf bis sieben Prozent der Schwangeren (mehr ErstgebĂ€rende und Frauen ĂŒber 35) auf. Die schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH) verschwindet aber nach der Geburt innerhalb von ungefĂ€hr sechs Wochen. Gelegentlich kommt es aber zu PrĂ€eklampsie.

PrÀeklampsie

Die Schwangere hat verstĂ€rkte Eiweißausscheidung ĂŒber den Urin (Proteinurie) leiden. Meist wird auch Wasser im Gewebe (Ödeme) eingelagert. Die Schwangerschaftsvergiftungen (Gestosen) muss behandelt werden, da es sonst zu lebensgefĂ€hrlichen KrampfanfĂ€llen (Eklampsie) kommen kann. FrĂŒher ein hĂ€ufiger Grund fĂŒr den Tod von Mutter und Kind. Noch komplexer ist das HELLP-Syndrom. Bei dieser Schwangerschaftserkrankung ist der Blutdruck hoch, es zerfallen Blutbestandteile (HĂ€molyse), die Leberwerte sind erhöht (elevated liver enzymes) und die Anzahl von BlutplĂ€ttchen ist gering (low platelets).

Frauen mit systolischen Bluthochdruck in der FrĂŒhschwangerschaft haben ein höheres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken. Deshalb ist das Ă€rztliche Monitoring zur Prophylaxe hier besonders wichtig10.

Was sind die Annahmen fĂŒr Bluthochdruck ohne erkennbare Ursache

Es gibt drei Annahmen:

  • „Schaltfehler“ in unseren Genen
  • Erlernte Verhaltens- und Lebensweisen
  • „Vererbte“ Verhaltensweisen (via supragenetischen Information)

Bei den mehr „erlernten/vererbten“ Ursachen entsteht im System bei verschiedenen Anforderungen Disstress (krankmachender Stress). Du kennst das: Aufregung und körperliche Anstrengung lĂ€sst den Blutdruck steigen, wĂ€hrend er in Ruhe oder im Schlaf deutlich niedriger sein kann. Diese Blutdruck-Schwankungen sind normal und dienen der körperlichen Anpassung an die jeweilige Situation. Beim Gesunden pendeln sich die Blutdruckwerte immer wieder im Normalbereich ein. Ist man aber dauerhaft „ge-dis-stresst“ wandert der Blutdruck nach oben. Gesunden Eu-Stress können wir viel besser verarbeiten.

Es gibt viele Studien ĂŒber den Zusammenhang von Befinden (Psyche) und Bluthochdruck11. Ausgangslage ist hĂ€ufig eine Gesamtverfassung, die durch emotionale LabilitĂ€t, SchĂŒchternheit und Gehemmtheit charakterisiert ist. Es gibt dazu verschiedene Konzepte, das „Neurotizismus“-Modell wird viel benutzt, um die inneren VorgĂ€nge zu beschreiben.

Neurotizismus

Definition

Das von dem Psychologen Hans JĂŒrgen Eysenck und auch als „Eysencksche Theorie“ bekannte Konzept beschreibt ein Verhalten basierend auf einer emotionalen LabilitĂ€t12.

Die (innere) Gesamtverfassung wird im Verhalten nach außen durch verschiedene Strategien geschĂŒtzt. Den meisten Menschen ist die (innere) Gesamtverfassung gar nicht oder nur in Teilen bewusst. Sie erleben sich so in unterschiedlicher AusprĂ€gung:

Neurotizismus

Kennzeichen

  • NervositĂ€t
  • Reizbarkeit
  • Launenhaftigkeit
  • Unsicherheit
  • Verlegenheit
  • Klagen (Ärger, Ängste, Schmerzen Schwindel)
  • Traurigkeit/Melancholie
  • Hohe Stress-SensibilitĂ€t
  • Negative Affektlage (GemĂŒtserregung)
  • Dauerhafte Unzufriedenheit

Sie erhöht den diastolischen Blutdruck besonders bei Àlteren Erwachsenen13.

Ach so: Es gibt auch geschlechtsspezifische Einflussfaktoren fĂŒr den Blutdruck14. Viele Frauen bekommen Bluthochdruck in den Wechseljahren. Es wird vermutet, dass es vorher einen hormonellen Schutz gibt.

Die stille Gefahr

Mit einem niedrigen Blutdruck gehst Du am „KrĂŒckstock“, wirst aber uralt, sagt man. Die meisten Menschen mit einem Bluthochdruck fĂŒhlen sich „pudelwohl“. Die meisten Betroffenen wissen also nicht, dass sie einen hohen Blutdruck haben, bis sie aus einem anderen Grund zum Arzt gehen.

Am KrĂŒckstock gehen

Wer sich beim Gehen auf einen KrĂŒckstock stĂŒtzen ist schwach. Er wird als verbraucht, abgenutzt und veraltet angesehen. Und wenn man sich so fĂŒhlt, ist man das Gegenteil von fit.

Sich pudelwohl fĂŒhlen

Der Pudelhund liebt das Wasser. Er wurde frĂŒher in der Wasserjagd eingesetzt. Seinen Namen erhielt der Hund vom “pudeln”, dies ist ein regionales Wort fĂŒr “im Wasser plantschen”. FĂŒhlt sich also jemand pudelwohl, so empfindet man sich wohl wie ein Pudel beim Plantschen im Wasser.

Meist macht der Blutdruck nur Symptome, wenn er besonders hoch ist:

  • Starke Kopfschmerzen im Hinterkopf (hĂ€ufig morgens)
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen)
  • Gleichgewichtsstörungen

Solche Symptome können auch durch einen hypertensiven Anfall hervorgerufen werden. Dieser bösartige Bluthochdruck ist ein medizinischer Notfall. Er ist dringend behandlungsbedĂŒrftig (s.o.). Solch eine hypertensive Krise kann man auch bei sonst normalen Blutdruck bekommen, zum Beispiel wenn man eine akute NierenkörperchenentzĂŒndung (akute Glomerulonephritis) hat.

Weitere mögliche Symptome bei hohem Blutdruck können sein:

  • ErmĂŒdbarkeit
  • Kurzatmigkeit
  • MĂŒdigkeit
  • NervositĂ€t
  • Nasenbluten
  • Ohrensausen
  • Röte im Gesicht
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit

An der NervositĂ€t, den Schlafstörungen und der Kurzatmigkeit kann man die negative RĂŒckkopplung im System erkennen. Und es ist auch nicht immer einfach mit diesem Symptomen auf eine Hypertonie zu kommen. Frauen im mittleren Alter meinen hĂ€ufig Wechseljahresbeschwerden oder Stress zu haben.

Welche Symptome machen Folgekrankheiten?

Zu hoher Blutdruck kann langfristig – wie oben erwĂ€hnt – Organe schĂ€digen. Dann weisen Menschen mit Bluthochdruck Warnsignale auf, die von diesen Organen ausgehen. Das können zum Beispiel sein:

  • Die koronare Herzerkrankung macht Brustenge und Herzschmerzen (Angina pectoris)
  • Bei einer Herzinsuffizienz hat man eine verringerte LeistungsfĂ€higkeit und Wassereinlagerungen (Ödeme)
  • Bei der BlutgefĂ€ĂŸverengung in den Arterien (peripheren arteriellen Verschlusskrankheit pAVK) hat man eine Gehstreckenlimitierung durch Schmerz
  • Die hypertensiven Retinopathie verursacht eine abnehmende SehschĂ€rfe und AusfĂ€lle im Gesichtsfeld

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Manchmal wird der Bluthochdruck erst durch einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder andere schwere Komplikationen festgestellt. Achte deshalb auf Bluthochdruck-Symptome und besuche regelmĂ€ĂŸig Deine Vorsorgeuntersuchungen! So beugst Du schwerwiegenden FolgeschĂ€den vor.

Diese beschriebenen FĂ€lle sind alleine schon nicht wirklich erstrebenswert, aber es gibt immer mehr Hinweise auf kognitiven RĂŒckgang und MortalitĂ€t, also Sterblichkeit15.

GefÀhrliche Kombination

Bluthochdruck alleine ist schon eine große Belastung fĂŒr den Körper. Doch er gesellt sich durchaus mit zwei weiteren Problemen: Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und zu hohen Fettwerten im Blut (HyperlipidĂ€mie). Die Therapie ist sehr komplex16. Die gute Nachricht: Wie auch beim Bluthochdruck hilft die physikalische Therapie (mehr weiter unten). Eine Studie legt hier insbesondere Yoga nahe17.

Wie stelle ich einen Bluthochdruck fest?

Fast standardmĂ€ĂŸig wird beim Arzt der Blutdruck gemessen. Bei manchen Messungen frage ich mich, ob das nun wirklich notwendig ist. Aber den Puls und Blutdruck zu messen, das haben schon die alten Chinesen gemacht. In der traditionellen chinesischen Medizin wird auch schon mal eine Stunde der Puls gefĂŒhlt. Du glaubst gar nicht, was man daraus alles feststellen kann.

Man sollte auch zu Hause ruhig mal messen, beim Arzt bist Du vielleicht ein wenig aufgeregt. Noch besser ist eine Blutdrucklangzeitmessung ĂŒber 24 Stunden oder 48 Stunden. Dann kann man die tĂ€gliche Schwankungen besser messen. Zudem sollte auch auf dem Fahrrad-Ergometer gemessen werden.

„Goldstandard“

vs.

Selbstkontrolle

Die Blutdruckmessung in der Arztpraxis wird auch in den neuen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (2013) als „Goldstandard“ fĂŒr die Diagnose erachtet. Nur bei Verdacht auf Praxishypertonie oder einer maskierte Hypertonie wird jedoch die Anwendung von 24-h-Langzeitblutdruckmessung (ambulatory BP monitoring/ABPM) oder hĂ€usliche Blutdruckmessung (home BP monitoring/HBPM) empfohlen. ZusĂ€tzlich sollten diese Methoden bei der Identifizierung einer „falschen“ oder „wahren“ therapieresistenten Hypertonie Anwendung finden.

Aus meiner Erfahrung ist die Selbstkontrolle eines der wichtigsten Selbsterfahrungen fĂŒr eine erfolgreiche Therapie.

Eine festgestellter Bluthochdruck hat nach der internationalen Einteilung folgende Nummern:

Klassifikation nach ICD-10
I10.0Bluthochdruck
I11.0Hypertensive Herzkrankheit mit (kongestiver) Herzinsuffizienz
I11.9Hypertensive Herzkrankheit ohne (kongestive) Herzinsuffizienz
Klassifikation nach der Internationalen Klassifikation of Desease 10. Version (ICD-10)

Wie kann man den Blutdruck von außen messen?

Der Haupttest fĂŒr Bluthochdruck ist einfach, schnell und schmerzlos. Dies geschieht mittels einer aufblasbaren Ringes. Den Ring nennt man Manschette. Er sollte eine altersabhĂ€ngige Breite haben.

Dies sind die ĂŒblichen Schritte:

  1. Du sitzt 5 Minuten vor dem Test ruhig. Beide FĂŒĂŸe sind flach auf dem Boden.
  2. Dein Arm ist auf der Stuhllehne abgestĂŒtzt, sodass Dein Oberarm auf Höhe Deines Herzens ist.
  3. Die Standardmanschette ist 12-13 cm breit und 35 cm lang. Bei ArmumfĂ€ngen > 32 cm oder dĂŒnnen Armen wird eine andere Manschette gewĂ€hlt.
  4. Die Manschette wird um Deinen Oberarm gewickelt. Ein Zifferblatt zeigt den Pumpwert.
  5. Die medizinische Fachkraft versiegelt die Manschette und pumpt sie auf. Oberhalb des systolischen Blutdruckes (s.o.) ist der Blutfluss in Deinem Arm unterbrochen. Du spĂŒrst einen starken Druck um Deinen Arm.
  6. Die Manschette wird langsam entlĂŒftet und mit dem Stethoskop wird auf die erste Druckwelle in Deinem inneren Ellenbogen gehört. Das ist der systolische Wert. Hört das PulsationsgerĂ€usch auf, dann ist das der diastolischer Wert.
  7. Mindestens eine zweite Untersuchung erfolgt nach ein bis zwei Minuten. Ggf. sind weitere Blutdruckmessungen erforderlich. Bei konventionellen Blutdruckmessungen wird die Herzfrequenz durch Pulstasten mehr als 30 Sekunden nach der Erstuntersuchung separat gemessen. Zum Erkennen einer VerĂ€nderung durch das Stehen (orthostatische Hypotensionen) bei Ă€lteren Patienten, Diabetikern oder anderen Krankheiten wird nach drei bis fĂŒnf Minuten noch mal im Stehen gemessen.

Was kann die Blutdruckmessung beeintrÀchtigen?

Der Effekt erhöht den systolischen/diastolischen Wert in mmHg bis zu:

  • Harn- und Stuhldrang 27/22
  • „Weißkitteleffekt“ 22/14
  • Sprechen 17/13,
  • Rauchen 10/8
  • Kaffeetrinken 10/7
  • Akute KĂ€lte (Zugluft) 11/8
  • fehlende RĂŒckenunterstĂŒtzung 8/6–10
  • Manschette zu schmal 8/8,
  • Beine ĂŒberkreuzt: variabel
  • emotionale Belastung: variabel

Geschichte der Blutdruckmessung

BlutdruckmessgerÀt von Korotkoff

Das uns heute noch ĂŒbliche Verfahren der Blutdruckmessung am Oberarm wurde 1896 durch den italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci eingefĂŒhrt. Das GerĂ€t besteht aus einer QuecksilbersĂ€ule, einem Ballon und einer Oberarmmanschette aus einem Fahrradschlauch(👍). Das Prinzip war 1888 von dem britischen Tierarzt John Boyd Dunlop entdeckt worden. Der diastolische Druck war mit dem Verfahren von Riva-Rocci ursprĂŒnglich nicht messbar. Der russische MilitĂ€rarzt Nikolai Sergejewitsch Korotkow hörte den Blutflusses mit einem Stethoskop ab. Der Name des GerĂ€tes ist griechisch (ÏƒÏ„áż†ÎžÎżÏ‚ stēthos = Brust und σÎșÎżÏ€Î”áż–Îœ skopein = betrachten, schauen, gucken, untersuchen) und meint das (Brust-) AbhörgerĂ€t, was ja jeder vom Arzt kennt.

Was wird bei einem Bluthochdruck noch getestet?

Neben der Blutdruckmessung wird Deine Ärztin eine grĂŒndliche körperliche Untersuchung und Anamnese durchfĂŒhren. Die Anamnese ist die Vorgeschichte Deiner Krankheiten und ein wichtiger Hinweisgeber fĂŒr Deine Therapie. Sie wird in Eigenanamnese sowie Familienanamnese unterschieden.

Auf jeden Fall ist eine grĂŒndliche Labordiagnostik erforderlich und weitere spezielle diagnostische Tests. Einige Untersuchungen werden bei allen Patientinnen notwendig sein, andere nur bei bestimmten Patienteninnen.

Meine praktische Idee fĂŒr DichđŸ€—

Ein Tagebuch Deiner Befindlichkeit ist eine der besten Ideen ĂŒberhaupt. Dazu noch ein Ordner mit allen jemals durchgefĂŒhrten Untersuchungen. Dort gehört auch Dein Impfbuch rein.

Die Diagnose soll vor allem folgende Fragen klÀren:

  • die Diagnose der arteriellen Hypertonie bestĂ€tigen
  • Ursachen einer sekundĂ€ren Hypertonie aufdecken
  • das kardiovaskulĂ€re Risiko einschĂ€tzen
  • EndorganschĂ€den und Begleiterkrankungen erkennen

Im weiteren muss festgestellt werden, ob irgendwelche Organe geschÀdigt sind oder andere Probleme verursacht wurden:

  • Urintests (Nierenerkrankungen)
  • Bluttests (Kalium-, Natrium- und Cholesterinspiegels)
  • Blutzuckertest (Diabetes)
  • Messung der Nierenfunktion
  • Elektrokardiogramm (EKG, EKG Herzfunktion)
  • Ultraschalldoppler der Halsschlagader
  • Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie)

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Dein Blutdruckziel ist maximal 120/80 mmHg in Ruhe oder geringer. Deine Ärztin wird Dich dabei fachlich begleiten. Da aber die meisten Maßnahmen von Dir durchgefĂŒhrt werden, solltest Du von Anfang an selber Regie fĂŒhren. Dein Ziel richtet sich nach Deiner Gesundheit und Deinem Alter.

Die natĂŒrliche Weise den Bluthochdruck zu reduzieren😀Alle Punkte, fĂŒr DichđŸ€—

Alle Punkte sind natĂŒrlich viele Punkte. Am besten Du gehst langsam und schrittweise vor. Der Hochdruck braucht Zeit bis er da ist, und es ist nun keine Eile geboten. Also kein Hochdruck gegen den Hochdruck. Entdecke lieber mit Freude neue Dinge aus, probiere, was Dir guttut und fĂŒhle Dich damit wohler.

  • ErnĂ€hre Dich gesund mit wenig natĂŒrlichem Salz (Natrium <1,5 Gramm, weiter unten mehr)
  • Esse „herzgesunde Lebensmitteln“ mit ausreichend Kalium-, Magnesium- und Kalzium (mehr weiter unten)
  • Reduziere Übergewicht
  • Bewege Dich (mindestens zwei Mal die Woche) ohne Dich anzustrengen
  • Verbringe mindestens zwei mal die Woche Zeit in der Natur18.
  • Sonnenbaden (dosiert)19.
  • Übe Yoga und/oder Gymnastik
  • Erlerne Meditation und Entspannung
  • Nutze die Wirkungen der blutdrucksenkenden Atemtechniken20.
  • Vermeide Disstress (gesundheitsschĂ€dlicher Stress) und erlerne Stressmanagement und Entspannungsverfahren
  • Übe mit modernen Biofeedbackmethoden die Stressregulation zu beeinflussen
  • Begrenze den Alkoholkonsum (MĂ€nner <2 GlĂ€ser, Frauen <1 Glas oder 30 g Alkohol bei MĂ€nnern und 20 g bei Frauen)
  • PrĂŒfe alternative Verfahren wie Akupunktur auf die Wirksamkeit bei Dir (Du brauchst nichts glauben, einfach testen)
  • Senke das Risiko von Herz- und GefĂ€ĂŸerkrankungen durch die Gabe von NahrungsergĂ€nzungsmitteln wie Vitamin E und Beta-Carotin21. Weitere Superfood-Ideen weiter unten.
  • Suche individuelle Anspannungen in Deinem Körper und löse diese

Beginne am bestens, bevor der hohe Blutdruck sich festigt

Besonders in der frĂŒhen Phase eines Butdruckanstiegs zeigt Bewegung, hier ins. Yoga22, eine besondere effektive Wirkung. Also gar nicht erst abwarten, wenn Dein Blutdruck leicht steigt. Schon bei einer leichten Erhöhung mit dieser hocheffektiven Therapie anfangen. Neben dem Blutdruck kannst Du so auch die Herzfrequenz, das Gewicht, den Bodymassindex (BMI), den Taillenumfang und das Lipidprofil positiv beeinflussen.

Bewegung darf sich gut anfĂŒhlen

Viele Menschen, vielleicht auch Du, denken bei Übungen an anstrengenden Sport. Das ist aber ein fataler Irrtum. Gymnastik ist wohltuend, ruhig und angenehm. Je nach Lehrender kann es spielend, experimentierend oder auch lustig sein. Hier ein Beispiel fĂŒr eine weiche und angenehme Gymnastik:

So eine einfache Gymnastik senkt den peripheren Widerstand und trĂ€gt zur Senkung Deines Blutdruckes bei. Weniger ist hier mehr😀.

Nun folgt der nĂ€chste Schritt: Du beginnst Deinen Blutdruck und seine VariabilitĂ€ten kennen zu lernen. Übe, messe, arbeite, messe, erfahre nochmal Stress, messe, … Was will Dir Dein Blutdruck wann sagen. Dies ist zentral die allerwichtigste Übung fĂŒr DichđŸ€—.

Und ein zweiter Schritt: Suche Deine individuellen Anspannungen und löse diese. Als Beispiel zeige ich Dir ein Video ĂŒber das Lösen im Bereich des zentralen Atlaswirbels. Eine sehr wohltuende Übung:

Ein weitere Beispiel wĂ€re die wundersame BauchĂŒbung, denn Bauchatmung wirkt auch wundersam senkend auf den Blutdruck:

Und nun noch eine wichtige Frage: Was ist Dir Deine Gesundheit wert? Ich möchte Dir nun nĂ€mlich eine persönliche Empfehlung aus meiner Praxis geben. Begleitung durch eine erfahrene Therapeutin ist bei chronischen Krankheiten absolut empfehlenswert. Ich persönlich habe schon viele Bluthochdruckpatientinnen behandelt. Mit verschiedenen Verfahren wie Craniosacrale Therapie, Yoga, Entspannungsverfahren, Coaching und und und. Viele Verfahren sind auch online möglich. Das ist einfach viel effektiver als alleine vor sich „hinzu wurschteln“.

wurschteln

Mehr oder weniger produktiv herumrÀumen oder basteln.

Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, solltest Du Medikamente einnehmen. Oder Du nimmst Medikamente, bis Du Dein Lebensstil angepasst hast. Wichtig ist bei Medikamenten auf die Nebenwirkungen zu achten und ggf. ein Anderes zu probieren (in Absprache mit Deiner Ärztin oder/und Apothekerin).

Und klar, viele haben andere Begleiterkrankungen. Das kann ein Altersdiabetes sein (DM II) oder es liegt eine OrganschĂ€digung vor. Auch diese mĂŒssen gezielt behandelt werden.

Welche DiÀten gibt es bei Bluthochdruck?

Die erste DiĂ€t, von der Du wissen solltest, sind die Lebensmittel. Sie stehen mit Ihrer VitalitĂ€t fĂŒr das Leben. Ihr GegenĂŒber stehen Nahrungsmittel. Sie decken den tĂ€glichen Bedarf an Nahrung. Was ist nun der Unterschied. Im Prinzip ist alles, was einmal irgendwie verarbeitet wurde ein Nahrungsmittel. Alles, was uns die Natur vor unsere FĂŒĂŸe legt, ist fĂŒr uns wertvoll. Das sind dann also regionale und saisonale Lebensmittel, unverarbeitet und frisch. Am besten also vom Garten auf den Tisch.

In der Industrienahrung findest Du (bis auf wenige Ausnahmen) viel raffiniertes jodiertes Salz, einfache Zucker und viele gesĂ€ttigte FettsĂ€uren. All das ist aber fĂŒr Gift Deinen Blutdruck. Auch die Kombination der Zutaten steht hĂ€ufig in einem sehr ungĂŒnstigen VerhĂ€ltnis.

Es gibt eine ganze Reihe von DiĂ€ten. Angefangen hat es mit der Beobachtung, dass Kretaner mit einer traditionellen Essgewohnheit fast nie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben. Nun, heute ist das nicht mehr so, da auch die Essgewohnheiten sich auf Kreta stark verĂ€ndert haben. Aber die traditionelle mediterrane KĂŒche scheint uns viel Gesundes geben zu können. Sie unterscheidet sich aber von den mediterranen KĂŒchen, wie wir sie aus Restaurants und Tavernen kennen. Es gibt viel Chorta (WildkrĂ€uter), Reis oder Nudeln und alles was jahreszeitlich und regional im Garten zur VerfĂŒgung steht. Hier nochmal alle Elemente einer traditionellen mediterranen KĂŒche:

Die große Vielfalt an pflanzlichen, saisonalen, regionalen und wenig verarbeiteten Lebensmitteln kennzeichnet die mediterrane KĂŒche:

Mediterrane KĂŒche bei Bluthochdruck

Die LĂŒge von der Entlastung des Herzens durch weniger Trinken

Selbst Herz- und Kreislaufspezialisten gehen manchen einfachen Denkmustern auf den Leim. So auch hier. Patienten mit Hochdruck sollten nicht viel trinken. Doch zu wenig trinken treibt den Blutdruck erst recht hoch23. Ausgenommen sind hier natĂŒrlich Menschen mit Wassereinlagerungen, denn die Wassereinlagerung bedeutet Mehrarbeit fĂŒr das Herz und den gesamten Organismus.

Der gut verstandene Zusammenhang zwischen Blutdruck und Salz

Schon in den Siebziger Jahren bekannt war die Salzreduktion. Die Wirkung der „Dietary Approaches to Stop Hypertension“ (DASH) ist wissenschaftlich gut belegt24.

Hypothalamus
Hypothalamus

Wir wissen heute wirklich sehr gut, wie Salz den Blutdruck beeinflusst25. Da gibt es Nervenzellen (Neuronen) in einem der spannensten Orte des Organismus. Es ist das „Unterzimmer“ oder auch Hypothalamus. Das kommt aus dem griechischen ᜑπό hypo â€žunter“ und ÎžÎŹÎ»Î±ÎŒÎżÏ‚ thalamĂłs â€žZimmer, Kammer“. Dort gibt es einen speziellen Ort fĂŒr die GefĂ€ĂŸregulierung (Organum Vasculosum der Lamina Terminalis, klingt fast so gut wie eine Oper😉). Und ebendort wird durch Salz, also NaCl, ein Gewebehormon (Angiotensin II) gebildet, welches die SympathikusaktivitĂ€t und den arteriellen Blutdruck reguliert. Und: Lieber wenig Salz und dafĂŒr ein hochwertiges schmackhaftes😋 Natursalz.

Flavonoide und Omega-3-FettsÀuren

Flavonoide senken den Blutdruck, daher findet man sie auch in Herz-Kreislaufmitteln. Zudem wirken sie harntreibend und helfen den Körper zu entwÀssern. Hier findest Du Flavanoide:

  • Quercetin: Kapern, Liebstöckl, Äpfeln, Tee (Camellia Sinensis), Zwiebeln (besonders in den Ă€ußersten Ringen), roten Trauben, ZitrusfrĂŒchten, Brokkoli und anderem grĂŒnen BlattgemĂŒse, Kirschen, und Beeren wie der Himbeere, Heidelbeere, Blaubeere, Preiselbeersaft, sĂŒĂŸe Eberesche, Sanddorn, KrĂ€henbeeren
  • Kaempferol: Weintrauben, Ginkgo, Grapefruits (vor allem im weißen der Schale), Kiefer, Rosmarin, Holunder, Aloe Vera
  • Luteolin: Karotte, Sellerie, Artischocke, Petersilie
  • Apigenin: Kamille, Henna, Schafgarbe, Sellerie, Dahlien, Hennastrauch
  • Catechin: Tees (grĂŒn/schwarz), Beeren, Birne

Ich könnte Dir noch ganz viele tolle Wirkungen aufzĂ€hlen. Aber das behalte ich mir dann fĂŒr einen anderen Artikel vor. Auf jeden Fall erwĂ€hnen möchte ich noch die gute blutdrucksenkende Wirkung von den Omega-3-FettsĂ€uren26. Hilfreiche ist auch L-Arginin27. Es kommt vor in Buchweizenkörnern, Erbsen getrocknet, Erdnuss geröstet, HĂ€hnchenbrustfilet, HĂŒhnerei, Kuhmilch, KĂŒrbiskernen, Lachs roh , Mais-Vollkornmehl , Pinienkernen, Reis ungeschĂ€lt , Schweinefleisch roh, WalnĂŒssen, Weizen-Vollkornmehl, ….

Wie findet man die richtigen Medikamente?

Es gibt keine einfache ja oder nein Entscheidung fĂŒr Medikamente und fĂŒr welche Medikamente. Viele Faktoren fließen bei der Entscheidung zusammen:

  • Wie hoch Dein Blutdruck?
  • Was ist Dein Blutdruckziel?
  • Bist Du bereit aktiver zu werden?
  • Bist Du bereit Dich gesĂŒnder zu ernĂ€hren?
  • Möchtest Du aktive Verfahren zur Entspannung erlernen?
  • Gibt es Anzeichen fĂŒr OrganschĂ€den verursacht hat (vergrĂ¶ĂŸertes Herz, eine frĂŒhzeitige SchĂ€digung der Arterien, Nieren oder Augen,…)?
  • Bestehen anderen Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Diabetes oder Nieren- oder Lungenerkrankung)?
  • Gibt es Risikofaktoren (Herzerkrankungen, Diabetes, hoher Cholesterinspiegel,…)?

Die Pharmakotherapie beginnt mit einem einzelnen, niedrig dosierten Arzneimittel. Man nÀhert sich von unten langsam an die notwendige Dosierung. Meistens wird eine Kombination aus ACE-Hemmer, AT1-Antagonist und einem anderen Wirkstoff verordnet. Hier eine Liste der typischen Medikamente:

  • Salz und Wasser aus dem Körper befördern: Medikamente (Diuretika) wirken ĂŒber verschiedene Mechanismen auf die Niere und helfen bei der EntwĂ€sserung.
  • Senken des GefĂ€ĂŸwiderstandes: Medikamente erweitern die GefĂ€ĂŸe und verhindern die Freisetzung von Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin (Hemmung des Angiotensin-I-umsetzenden Enzyms ACE). Bei einer Weiterentwicklung tritt Reizhusten nicht so hĂ€ufig auf (Angiotensin-II-Rezeptorblocker ARBs hemmen den Angiotensin-II-Rezeptors-Subtyp 1).
  • Blockierung von Stresshormonen: Betarezeptorenblocker, kurz Betablocker, blockieren den Rezeptor fĂŒr Streßhormone (ÎČ-Adrenozeptoren) und verhindern so die Wirkung der „Stresshormone“ Adrenalin und Noradrenalin.
  • Verminderungen des Einstroms von Calcium-Ionen ins Innere der Muskelzelle: Damit (Kalziumkanalblocker oder Calciumantagonisten) werden folgende Wirkungen erzielt:
    • Die FĂ€higkeit des Zusammenziehens der glatten GefĂ€ĂŸmuskelzellen von peripheren Arterien und Koronararterien wird herabgesetzt
    • Die BlutgefĂ€ĂŸe werden erweitert
    • Die (calciumabhĂ€ngige) Energiebereitstellung fĂŒr die Kontraktion des Herzmuskels wird verringert
    • Die Automatie der Erregungsbildung und -leitung am Herzen wird verringert (der Sinusknotens und die Erregungsleitung im AV-Knoten werden gehemmt)
  • Regulierung des FlĂŒssigkeits- und Elektrolythaushaltes ĂŒber den wichtigsten Regelkreis fĂŒr den Volumenhaushalt: Hemmer wirken auf ein Hormonsystem, welches mittels verschiedener Rezeptoren die GefĂ€ĂŸweite einstellt (Reninhemmer hemmen das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System/RAAS)
  • Die Wirkung von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin aufheben: Blocker besetzen die die wichtigen Andockstellen fĂŒr die Stresshormone (Alphablocker besetzen α1- und an α2-Adrenozeptoren).
  • Die GefĂ€ĂŸe werden durch Medikamente (Vasodilatatoren) erweitert.

Alle diese Arzneimittel senken so auch das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall. Treten Nebenwirkungen auf, muss diese Informationen der verschreibenden Ärztin mitgeteilt werden. Zu beachten sind auch Wechselwirkungen. Hier hilft immer eine ausfĂŒhrliche Beratung bei einer Apothekerin. Bei Schwangerschaft sind manche Medikamente nicht zugelassen. Sie können das ungeborene Kind schĂ€digen.

Wichtig!

Medikamente werden regelmĂ€ĂŸig eingenommen. Bei Bluthochdruck bedarf es einer kontinuierlichen Therapie. RegelmĂ€ĂŸige Blutuntersuchungen ĂŒberwachen die Wirkung der Arzneimittel im Körper.

Das letzte Mittel

Bei 20 bis 30 % der Betroffenen ist der erhöhte Blutdruck medikamentös nicht einstellbar. Eine Therapiemöglichkeit ist die interventionelle renale Sympathikusdenervation (renale Denervation). Hierbei werden selektiv afferente* sympathische** Nervenfasern in den Nierenarterien unter Einsatz minimalinvasiver Methoden (Katheterablation) verödet. Es gibt aber keine ausreichende Gewissheit (Evidenz) fĂŒr die Wirksamkeit2829.

*afferent = InforkationsĂŒbertragung vom zentralen Nervensystem in die Peripherie

**Der N. Sympathikus gehört zum autonomen Nervensystem und regt an im Gegensatz zum Parasymphatikus

Zur Stimulation der Druckrezeptoren kann ein Herzschrittmacher Àhnliches GerÀt in die Carotisgabel (Halsarterie) eingesetzt werden. Die Elektroden des GerÀtes reizen die Druckrezeptoren (Barorezeptoren). Studien3031zeigen eine positive Wirkung.

Wann sollte man seinen Blutdruck vorsorglich prĂŒfen lassen?

Ab vierzig solltest Du Deinen Blutdruck ab und zu mal checken lassen. Wenn Du afroamerikaner Abstammung bist, dann solltest Du es lieber schon eher mal prĂŒfen lassen. Das gilt auch fĂŒr Menschen, die ĂŒbergewichtig oder fettleibig sind. Und klar, alle mit einem bekannten hohen Wert ab 130 bis 139 systolisch oder/und 85 bis 89 diastolisch sollten regelmĂ€ĂŸig alle drei bis fĂŒnf Jahre messen.

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Fußnoten

  1. Frequency of High Blood Pressure and Knowledge of Individuals about Their Disease in 1398 Ardebil: A Study on the Persian Cohort 2021
  2. Versorgungslage unbefriedigend In: MMW – Fortschritte der Medizin. Jahrgang 8149, Nr. 49–50, 2007, S. 6, zitiert nach Lars-Christian Rump, PrĂ€sident der Hochdruckliga-Tagung 2007 in Bochum
  3. „ESH/ESC Pocket Guidelines for the management of arterial hypertension (The Task Force for the management of arterial hypertension of the
    European Society of Hypertension (ESH) and of the European Society of Cardiology (ESC))2013
  4. „Diabetes mellitus and high blood pressure in the progression to mild cognitive deterioration and dementia: A literature review“(Luz Adriana SantamarĂ­a Ávila, JosĂ© Javier GonzĂĄlez Arteaga, Olga Lucia Pedraza Linares, Fabio Alexander Sierra Matamoros, Cesar Arcadio Piñeros)ACTA NEUROLÓgICA COLOMBIANA 21.01.2021
  5. „MRI-Based Investigation of Association Between Cerebrovascular Structural Alteration and White Matter Hyperintensity Induced by High Blood Pressure“(Boyu Zhang PhD, Yingzhe Wang MD, Bei Wang PhD, Ying-Hua Chu, Yanfeng Jiang, Mei Cui, He Wang, Xingdong Chen)Journal of Magnetic Imaging 28 June 2021
  6. „Periventricular White Matter Hyperintensities on MRI: Correlation With Neuropathologic Findings“(Charles D. Smith, David Snowdon, William R. Markesbery) Journal of Neuro Imaging 04 February 2016
  7. The global burden of hypertension exceeds 1.4 billion people should a systolic blood pressure target below 130 become the universal standard? (Egan, Brent M.; Kjeldsen, Sverre E.; Grassi, Guidoc,; Esler, Murraye; Mancia, Guiseppe) Journal of Hypertension: January 7, 2019
  8. Longer Time in Therapeutic Blood Pressure Range Protects Against Major Adverse Cardiovascular Events and All-Cause Mortality in Patients With Hypertension: A Post-Hoc Analysis of SPRINT (Nayyra Fatani , Dave L Dixon , Benjamin W Van Tassell , Leo F Buckley , and John Fanikos) Circulation 5 Nov 2018 ; 138: A14190
  9. „Sex Differences in Blood Pressure Trajectories Over the Life Course“(Hongwei Ji, Andy Kim, Joseph E. Ebinger, Teemu J. Niiranen, Brian L. Claggett, C. Noel Bairey Merz, Susan Cheng)JAMA Cardiol. 2020;5(3):255-262
  10. „Preeclampsia and high blood pressure in early pregnancy as risk factors of severe maternal cardiovascular disease during 50-years of follow-up“(Shantanu Sharmaa, Julia Skogb, Simon Timpka, ClaesIgnella)Pregnancy Hypertension Volume 26, December 2021, Pages 79-85
  11. Alvin P. Shapiro: Hypertension and Stress: A Unified Concept. Psychology Press, 2013, ISBN 978-1-134-79345-7, S. 68 (google-books). Wolfgang Linden: Psychological Perspectives of Essential Hypertension: Etiology, Maintenance, and Treatment (= Karger biobehavioral medicine series. Band 3). Karger, Basel / New York 1984, ISBN 978-3-8055-3662-2, insb. S. 6, mit Follow-up nach bis zu 24 Monaten (online bei google-books); Gene L Stainbrook, John W Hoffman, Herbert Benson: Behavioral therapies of hypertension: psychotherapy, biofeedback, and relaxation/meditation. In: Applied Psychology. Band 32, Nr. 2, April 1983, S. 119–135. Online-Publikation: ab 22. Januar 2008, doi:10.1111/j.1464-0597.1983.tb00899.x.
  12. „Dimensions of personality“(Hans JĂŒrgen Eysenck)Transaction Publishers, 1947.
  13. High Stressor Exposure and Low Stressor Diversity Are Linked to Higher Blood Pressure Across Age(Rachel Koffer, Kristina Dickman, Thomas Kamarck)Innov Aging. 2020
  14. Novel Dietary Approaches for Controlling High Blood Pressure(George Moschonis, Kalliopi Karatzi)National Library of Medicine: 21 December 2020
  15. „Is the Association Between Cognitive Decline and Mortality Modied by High Blood Pressure Among the Oldest Old?“(Jun Duan, Napoleon Bellua Sam, Gui-Ling Liang, Shi-Jia Wang, Han-Jie Chen, Yan Liu)Research Square preprint 2021
  16. „HyperglykĂ€mie, Hypertonie und HyperlipidĂ€mie bei Diabetespatienten“(V. Pavlicek)Der Diabetologe volume 7, pages 510–511, 2011
  17. „Effectiveness of Yoga Lifestyle on Lipid Metabolism in a Vulnerable Population—A Community Based Multicenter Randomized Controlled Trial“(Raghuram Nagarathna, Saurabh Kumar, Akshay Anand, Ishwara N. Acharya, Amit Kumar Singh, uchitra S. Patil, Ramesh H Latha, Purnima Datey and Hongasandra Ramarao Nagendra)Medicines 2021
  18. „Monitor of Engagement with the Natural Environment (MENE)“Natural England Published 13 August 2014
  19. „UVA Irradiation of Human Skin Vasodilates Arterial Vasculature and Lowers Blood Pressure Independently of Nitric Oxide Synthase“(Donald Liu, Bernadette O Fernandez, Alistair Hamilton, Ninian N Lang, Julie M C Gallagher, David E Newby, Martin Feelisch, Richard B Weller)Journal of Investigative Dermatology. 2014, Band 134, S. 1839–1846,
  20. „Die Wirkung einer Kombination aus Fußbad-Ingwer kochendem Wasser und langsamen AtemĂŒbungen auf die Blutdrucksenkung bei hypertensiven Patienten“ (DESY RINAWATY, SULASTYAWATI, S.Kep Ns M.Kep, LUCIA RETNOWATI SST, M.Kes) Jurnal of Applied Gesundheitsmanagement und Technologie 2021
  21. U.S. Preventive Services Task Force (2014). Vitamin, mineral, and multivitamin supplements for the primary prevention of cardiovascular disease and cancer. U.S. Preventive Services Task Force. Accessed March 28, 2014.
  22. „Effect of Yoga on Blood Pressure in Prehypertension: A Systematic Review and Meta-Analysis“(Janhavi Sandeep Khandekar, Vanamala Lakshmi Vasavi , Vijay Pratap Singh, Stephen Rajan Samuel, S. G. Sudhan, and Bidita Khandelwal)The scientific world yournal 13.09.2021
  23. Sodium Is Detected by the OVLT to Regulate Sympathetic Tone (Patrice G.Guyenet) Neuron Volume 101, Issue 1, 2 January 2019, Pages 3-5
  24. „Effects on Blood Pressure of Reduced Dietary Sodium and the Dietary Approaches to Stop Hypertension (DASH) Diet“(Frank M. Sacks, M.D., Laura P. Svetkey, M.D., William M. Vollmer, Ph.D., Lawrence J. Appel, M.D., George A. Bray, M.D., David Harsha, Ph.D., Eva Obarzanek, Ph.D., Paul R. Conlin, M.D., Edgar R. Miller, M.D., Ph.D., Denise G. Simons-Morton, M.D., Ph.D., Njeri Karanja, Ph.D., Pao-Hwa Lin, Ph.D., et al., for the DASH–Sodium Collaborative)N Engl J Med 2001; 344:3-10
  25. Neurons in the Organum Vasculosum of the Lamina Terminalis Sense NaCl and Angiotensin II to Regulate Sympathetic Nerve Activity and Arterial Blood Pressure (Sean D Stocker, Brian J Kinsman, Kirsteen N Browning, Megan M Wenner, and William B Farquhar) Hypertension 6 Dec 2018 72:A107
  26. „Effects of dietary fish and weight reduction on ambulatory blood pressure in overweight hypertensives. „(D. Q. Bao, T. A. Mori et al)Hypertension Band 32, Nr. 4, Oktober 1998, S. 710–717
  27. „Effect of oral L-arginine supplementation on blood pressure: A meta-analysis of randomized, double-blind, placebo-controlled trials“(J. Y. Dong, L. Q. Qin, Z. Zhang et al)American Heart Journal. Band 162, Nr. 6, 2011, S. 959–965
  28. „A controlled trial of renal denervation for resistant hypertension“(D. L. Bhatt, D. E. Kandzari u. a.:)The New England Journal of Medicine. Band 370, Nr. 15, April 2014, S. 1393–1401
  29. „Renale Denervation: Unerwartetes Studienergebnis“(Vera Zylka-Menhorn)Deutsches Ärzteblatt. Nr. 4, 24. Januar 2014, S. A124[abgerufen am 28. Januar 2014]).
  30. „Baroreceptors in the carotid and hypertension-systematic review and meta-analysis of the effects of baroreflex activation therapy on blood pressure“(M Wallbach, MJ Koziolek)Nephrology, dialysis, transplantation: official publication of the European Dialysis and Transplant Association – European Renal Association 9. November 2017
  31. „Novel baroreflex activation therapy in resistant hypertension: results of a European multi-center feasibility study“(I. J. Scheffers, A. A. Kroon, J. Schmidli, J. Jordan, J.J. Tordoir, MG Mohaupt, F. C. Luft, H. Haller, J. Menne, S. Engeli, J. Ceral, S. Eckert, A. Erglis, K. Narkiewicz, T. Philipp, P. W. de Leeuw) Journal of the American College of Cardiology. 56, Nr. 15, 5. Oktober 2010, S. 1254-8.

Von Reiner Schwope

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