Bluthochdruck: Bewegung hilft!

Das Bild zeigt ein Blutdruckmessinstrument als Intro für meinen Artikel über Bluthochdruck und sinnvolle Bewegung
Bluthochdruck: Bewegung hilft

Kurzgefasst:

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Erhöhung des Flüssigkeitsdruckes in den Gefäßen, die vom Herz wegführen (Arterien). Zum Körper führt das Blut sauerstoffreiches Blut und in Richtung Lunge sauerstoffarmes Blut. An Bluthochdruck leiden in Deutschland 20 bis 30 Millionen Menschen. Bluthochdruck schädigt die Gefäße. Eine Folge können Herzinfarkt und Schlaganfall sein, aber auch andere Organe werden geschädigt.

Schon leichte Bewegung senkt Bluthochdruck

Es gibt Medikamente, die können den Bluthochdruck senken. Die Studien zu diesem Thema sind weit verbreitet. In der Regel besagen sie, dass Medikamente wirksamer sind als Bewegung. FALSCH! Denn die meisten Studien beziehen sich auf Menschen, die gar keinen hohen Blutdruck haben. Bei Menschen mit erhöhtem Blutdruck zeigen sich ganz andere Ergebnisse1:

Bewegung ist wirksamer als Medikamente

Reiner Schwope

Welche Bewegung hilft?

Die Kombination von Ausdauer und dynamischem Widerstandstraining sind bei Bluthochdruck besonders wirksam. Es reichen dabei schon moderate Ansätze. 150 Minuten moderate Bewegung wie Gehen oder 75 Minuten intensive Bewegung wie Laufen pro Woche können den Blutdruck senken23. Klar, mehr Bewegung hat auch mehr Effekt4.

Was ist eigentlich der Blutdruck

Der Blutdruck ist der Druck in den arteriellen Gefäßen. Das sind alle Gefäße, die vom Herzen in die Peripherie führen. Vom rechten Herzen geht das Blut in die Lunge und nimmt dort Sauerstoff auf. Von dort geht es durch die Lungenvenen in das linke Herz. Von dort pumpt das Herz das Blut in den Körper.

Systolischer und diastolischer Blutdruck

Gemessen werden der systolische Blutdruck und der diastolische Blutdruck. Der Druck, wenn das Herz Blut in das Gefäßsystem pumpt, ist der systolische. So heißt die Auswurfphase am Herzen: Systole. Dann, wenn nichts mehr gepumpt wird, erschlafft das Herz. Das ist die Diastole. In dieser Zeit ist weniger Druck im System. Das ist der diastolische Blutdruck.

Der MAP-Wert

Und irgendwo zwischen den beiden Werten gibt es noch einen Wert, den kann man in der Klinik bestimmen kann. Der mittlere arterielle Druck (p von englisch Pressur). Er ist wichtig für die Ermittlung des Druckes an den Eingangspforten zu den Organen.

Idealer Blutdruckwert

Weiß doch eigentlich jeder: 120 zu 80 oder niedriger. Doch so ganz stimmt das nicht. Erstens nimmt die Elastizität mit dem Alter ab. Das führt schon mal zu einer Erhöhung des systolischen Wertes. Die Aorta, also die Hauptschlagader, wirkt wie ein Windkessel. Sie nimmt den Druck beim Auswurf auf und gibt den Druck dann kontinuierlich weiter. Man kann ab 65 einen geringen höheren systolischen Wert akzeptieren (rund 10 mmHG).

Altersbedingter Bluthochdruck

Eine leichte Vergrößerung zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck ist also erst Mal nichts Schlimmes. Schlechter ist es, wenn sich der zweite Wert dauerhaft auf über 90 oder sogar mehr erhöht. Dann leiden die Gefäße, die Organe und auch das Druck erzeugende Organ Herz.

Früher hat man den Bluthochdruck tolleriert

Im Laufe der Zeit versteht man Dinge besser. So auch beim verschiedenen Werten. Cholesterin steht heute lange nicht mehr so im Vordergrund, wie noch in den 70ern. Beim Blutdruck war man früher eher großzügig. Es wurden Werte bis 100 diastolisch toleriert. Heute weiß man viel besser, welche Auswirkungen ein erhöhter Druck hat5.

  • Kardiovaskulärer Tod
  • Myokardinfarkt
  • Schlaganfall
  • Akute koronare Syndrome
  • Herzinsuffizienz

Systolischer Blutdruck und Herz-Kreislauf Belastung

Auch der systolische Blutdruck sollte bestimmte Werte nicht übersteigen6. Er sollte bei Erwachsenen 130 mmHg nicht überschreiten. Bei über 65 jährigen kann er etwas höher sein, aber nur bis etwa 140 mmHg.

Woher kommt der Bluthochdruck

Es gibt drei Grundursachen. Es kann ein „Schaltfehler“ in unseren Genen vorliegen. Oder wir können durch unsere Lebensweise die Druckeinstellung negativ beeinflussen. Und es gibt die Neigung durch „vererbte“ Verhaltensweisen. Das funktioniert über die supragenetischen Information als auch über das Erlernen von Verhaltensmustern.

Die Lüge von der Entlastung des Herzens durch weniger Trinken

Selbst Herz- und Kreislaufspezialisten gehen manchen einfachen Denkmustern auf den Leim. So auch hier. Patienten mit Hochdruck sollten nicht viel trinken. Doch zu wenig trinken treibt den Blutdruck erst recht hoch7. Ausgenommen sind hier natürlich Menschen mit Wassereinlagerungen.

Salz und Blutdruck stehen im Zusammenhang

Hypothalamus
Hypothalamus

Wir wissen heute wirklich sehr gut, wie Salz den Blutdruck beeinflusst8. Da gibt es Nervenzellen (Neuronen) in einem der spannensten Orten im Organismus dem „Unterzimmer“ oder auch Hypothalamus. Das kommt aus dem griechischen ὑπό hypo „unter“ und θάλαμος thalamós „Zimmer, Kammer“. Dort gibt es einen speziellen Ort für die Gefäßregulierung (Organum Vasculosum der Lamina Terminalis). Und ebendort wird durch Salz, also NaCl, und einem Gewebehormon (Angiotensin II) die Sympathikusaktivität und der arteriellen Blutdruck reguliert. Also lieber weniger Salz und dafür ein hochwertiges Natursalz 🙂

Bewegung senkt den Bluthochdruck

Nun stelle man sich aber mal vor, Menschen mit einem hohen Blutdruck würden noch mehr machen als in den Studien ermittelt:

  • Allgemeine aerobe dynamische Ausdauer
  • Dynamisches Yoga
  • Tiefenentspannung (Soamaotemotionale Entspannung)
  • Periphere dynamische Ausdauer
  • Diät

Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas gegen den hohen Blutdruck zu machen. Denn es leiden viele Systeme unter dem hohen Druck

  • Herz
  • Gefäße
  • Organe

Die Gefahr einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder ein Organproblem zu bekommen, steigt mit dem Blutdruck rapide. Eine gezielte Therapie ist unumgänglich.

Überwachung ist wichtig

Sicher kann nicht jeder Patient, mit einem hohen Blutdruck, ganz auf Medikamente verzichten. Doch mit gezielter ärztlicher Begleitung sollte doch jeder Patient diesen Versuch unternehmen, mit möglichst wenig Medikamenten auszukommen. Sein Organismus wird es ihm danken! Und Bewegung tut gut und fördert das Wohlbefinden 🙂

Vorsicht bei Kombination mit anderen Erkrankungen

Besonders wichtig ist eine korrekte Überwachung bei Menschen, die eine weitere chronische Erkrankung haben. Es kommt zur signifikanten Steigerung der Gefahren. Hier zeigen sich vor allem die Bauchorgane betroffen. In direkter Abhängigkeit steht zum Beispiel die Niere. Bei einer chronischen Insuffizienz bestehen hohe Gefahren für beide Organe9.

Neue Studien

Die Einflussfaktoren für den Blutdruck sind geschlechtsspezifisch10.

Neurotizismus erhöht den diastolischen Blutdruck bei älteren Erwachsenen11.

Fußnoten

  1. Can exercise lower blood pressure as effectively as drugs? Medical New Today 31 December 2019
  2. Exercise training for blood pressure: a systematic review and meta-analysis (Cornelissen VA1, Smart NA) J Am Heart Assoc. 2013 Feb 1
  3. Effectiveness-Based Guidelines for the Prevention of Cardiovascular Disease in Women—2011 Update A Guideline From the American Heart Association (Lori Mosca, MD, MPH, PhD, FAHA, Chair, Emelia J. Benjamin, MD, ScM, FAHA, Kathy Berra, MSN, NP, Judy L. Bezanson, DSN, CNS, RN, Rowena J. Dolor, MD, MHS, Donald M. Lloyd-Jones, MD, ScM, L. Kristin Newby, MD, MHS, Ileana L. Piña, MD, MPH, FAHA, Véronique L. Roger, MD, MPH, Leslee J. Shaw, PhD, Dong Zhao, MD, PhD, Theresa M. Beckie, PhD, Cheryl Bushnell, MD, MHS, FAHA, Jeanine D’Armiento, MD, PhD, Penny M. Kris-Etherton, PhD, RD, Jing Fang, MD, MS, Theodore G. Ganiats, MD, Antoinette S. Gomes, MD, Clarisa R. Gracia, MD, MSCE, Constance K. Haan, MD, MS, Elizabeth A. Jackson, MD, MPH, Debra R. Judelson, MD, Ellie Kelepouris, MD, FAHA, Carl J. Lavie, MD, Anne Moore, APRN, Nancy A. Nussmeier, MD, FAHA, Elizabeth Ofili, MD, MPH, Suzanne Oparil, MD, FAHA, Pamela Ouyang, MBBS, Vivian W. Pinn, MD, Katherine Sherif, MD, Sidney C. Smith, Jr, MD, FAHA, George Sopko, MD, MPH, Nisha Chandra-Strobos, MD, Elaine M. Urbina, MD, MS, Viola Vaccarino, MD, PhD, FAHA, and Nanette K. Wenger, MD, MACC, MACP, FAHA) Circulation March 22, 2011 Vol 123, Issue 11
  4. Walking Versus Running for Hypertension, Cholesterol, and Diabetes Mellitus Risk Reduction (Paul T. Williams and Paul D. Thompson) Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology 04 2013;33:1085–1091
  5. Longer Time in Therapeutic Blood Pressure Range Protects Against Major Adverse Cardiovascular Events and All-Cause Mortality in Patients With Hypertension: A Post-Hoc Analysis of SPRINT (Nayyra Fatani , Dave L Dixon , Benjamin W Van Tassell , Leo F Buckley , and John Fanikos) Circulation 5 Nov 2018 ; 138: A14190
  6. The global burden of hypertension exceeds 1.4 billion people should a systolic blood pressure target below 130 become the universal standard? (Egan, Brent M.; Kjeldsen, Sverre E.; Grassi, Guidoc,; Esler, Murraye; Mancia, Guiseppe) Journal of Hypertension: January 7, 2019
  7. Sodium Is Detected by the OVLT to Regulate Sympathetic Tone (Patrice G.Guyenet) Neuron Volume 101, Issue 1, 2 January 2019, Pages 3-5
  8. Neurons in the Organum Vasculosum of the Lamina Terminalis Sense NaCl and Angiotensin II to Regulate Sympathetic Nerve Activity and Arterial Blood Pressure (Sean D Stocker, Brian J Kinsman, Kirsteen N Browning, Megan M Wenner, and William B Farquhar) Hypertension 6 Dec 2018 72:A107
  9. Blood Pressure Variability, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Chronic Kidney Disease Patients (Francesca Mallamaci, Giovanni Tripepi, Graziella D’Arrigo, Silvio Borrelli, Carlo Garofalo, Giovanna Stanzione, Michele Provenzano, Luca De Nicola, Giuseppe Conte, Roberto Minutolo and Carmine Zoccali) CJASN January 2019, CJN.04030318
  10. Novel Dietary Approaches for Controlling High Blood Pressure(George Moschonis, Kalliopi Karatzi)National Library of Medicine: 21 December 2020
  11. High Stressor Exposure and Low Stressor Diversity Are Linked to Higher Blood Pressure Across Age(Rachel Koffer, Kristina Dickman, Thomas Kamarck)Innov Aging. 2020

Von Reiner Schwope

Ich biete Dir Physiotherapie und Yoga an.

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