Wu Wei: Die Handlungsanweisung aus dem Daoismus

Handel nicht gegen die Natur

Wu Wei ist eine Handlungsanweisung. Sie stammt aus dem Daoismus. Kurz gefasst sagt sie:

„Tue nicht, alles ist getan“

Für den Menschen von heute nicht immer leicht zu verstehen. Handeln wir doch ohne Unterlass und nicht selten ohne Verstand. Das Gegenteil meint Wu Wei. Gehe hin und erledige alles. Dann kommst Du in einen Zustand, in dem alles getan ist. Du bist dann einfach nur.

Die Entwicklung des Wu Wei aus dem Daoismus

Erstmal wurde die Idee Daoismus (auch Taoismus) vor über drei Tausendjahren in China schriftlich aufgeführt. Es war während der Zhou-Dynastie (1040–256 v. Chr.). Doch im Gegensatz zu den philosophischen Schulen im alten Griechenland, gibt es keine exakte Zuordnung. Auch kann man die zugrunde liegenden Ideen nicht nur im alten China finden, es geht vielmehr um Gesetzmäßigkeiten, welche die Basis für die Natur des Seins betreffen. So ist es nicht verwunderlich, wenn wir solche Gedanken auch in anderen Kulturen finden.

Die wesentlichen Inhalte des Daoismus

In der Vorstellungswelt des Daoismus findest Du folgende grundlegende Ideen:

  • Himmel und Erde werden kosmologisch begriffen
  • Das Werden, Wandeln und Vergehen wird in fünf Wandlungsphasen unterteilt (Holz, Feuer, Metall, Wasser und Erde)
  • Energie (Qi) ist der Motor von allem
  • Die Natur des Seins wird in Gegensatzpaaren von Yin und Yang begriffen
  • Das Weisheitsbuch I Ging (Yijing) erklärt 384 Wandlungsmöglichkeiten

Die körperliche Betätigung und die geistige Kultivierung spielen eine große Rolle. Geübt werden vor allem Techniken zur Kontrolle des Atmens, der Bewegung und der Ruhe des Geistes (Meditation). Dazu haben sich verschiedene mystische Techniken gesellt, wie zum Beispiel Alechemie und Magie. Uns ist der Daoismus noch bekannt in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) oder im Feng Shui (Harmonielehre).

Der Kern ist das Dao

Hinter dem, was wir erkennen und wahrnehmen, gibt es etwas. Es ist der Kern des Seins. Doch wir können ihn nicht fassen. Er entzieht sich uns. Das wusste schon der größte Meister des Dao:

„Das Tao, das sich mit Worten beschreiben lässt, ist nicht das wahre Tao.“ Lao Tse

Es gibt viele religiösen und philosophischen Prägungen des Daoismus. Doch alle entfernen sich vom Kern des Dao. Das ist auch verständlich und akzeptabel. Aber zum Erkennen ist es erforderlich die Richtung zu wechseln und sich dem Kern zuzuwenden.

Ein Kōan* zum Üben für Dich

Mag die Wand auch nur ganz dünn sein, wie ein Pergament und fast durchscheinend, so können wir nicht auf die andere Seite gelangen. Und doch sind wir ständig dort.

*Ein Kōan ist im Zen-Buddhismus eine kurze Anekdote oder Sentenz. Sie stellt ein Frage, die logisch nicht erklärbar ist.

Kommentar verfassen